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So jung kommen wir nicht mehr zusammen

Warum man als Student nicht mehr so feiern kann wie früher

Woran man als Erstes merkt, dass man älter geworden ist, ist das Feiern und der Tag danach. Oder noch besser: Die Tage danach. Mehrzahl. Aber warum ist das so? Warum kann man jetzt, als Student nach einer gewissen Zeit, nachdem man einmal „größer“ feiern war, am nächsten Tag nichts mehr machen, außer seinen Kater auszuschlafen, sich zwei Ibuprofen reinhauen und zu faulenzen? Früher war ja alles bekanntlich besser: Auf Festivals, der Kollegstufen- oder Abifahrt war es kein Problem die Nacht durchzutrinken und durchzutanzen und am nächsten Tag das gleiche Programm noch einmal abzuziehen. Heute graust uns allein der Gedanke an einen weiteren Jägermeister am nächsten Tag schon. Und dieses „Problem“ soll sich hier nicht nur auf den Alkohol beziehen. Hier die verschiedenen Gründe, warum wir nicht mehr so feiern können wie früher oder auch gar nicht mehr so feiern wollen.

Am nächsten Tag genauso hart feiern wie am Tag zuvor? Inzwischen undenkbar

Am nächsten Tag genauso hart feiern wie am Tag zuvor? Inzwischen undenkbar

Grund A: Der böse Alkohol zerstört unsere Zellen

Klingt ziemlich hart – jedermann liest allerdings sicher mehr als einmal am Tag davon. Sei es auf Plakaten an der Autobahn, in der Werbung oder in den Nachrichten: Alkohol wirkt nicht nur kurzfristig auf das Gehirn oder kann sogar tödlich sein, auch bei geringeren Mengen wird der ganze Organismus davon beeinflusst! Das heißt: Auch die Zentren des Gehirns, die Bewusstsein und Gefühle steuern, sind betroffen. Klar, dass man da nach einer Zeit vielleicht von geschwächt ist oder einfach auch keine Lust mehr darauf hat, sich so etwas nochmal anzutun.

Durch die bekannte „Alkoholfahne“ atmen wir nur fünf Prozent des Alkohols ab

Denn ist der Alkohol erst aufgenommen, wird der auf unterschiedlichen Wegen abgebaut. Bis zu fünf Prozent werden durch die bekannte „Alkoholfahne“ abgeatmet. Rund zwei Prozent werden unverändert durch die Blase entleert und ein bis zwei Prozent werden über die Haut ausgeschwitzt. Die restlichen 90 Prozent werden in der Leber abgebaut und dann ausgeschieden. Pro Stunde baut der Körper rund 0,1 Promille ab. Den Rest kann man sich hier selbst errechnen.

Grund B: Man ist im Arbeitsleben angekommen

Grund A führt zwangsläufig zu Grund B: Am nächsten Tag ist der Eine sowieso noch nicht komplett ausgenüchtert und der Andere hatte zu wenig Schlaf abbekommen. Oder beides. Mal die Schule schwänzen oder nur gemütlich dösend in einer Vorlesung sitzen, geht nicht mehr: Wenn man nach dem Feiern einen acht bis zehn Stunden Arbeitstag vor sich hat, lässt man lieber mal die Geburtstagsfeier mit Disco-Besuch unter der Woche sausen, um sich nicht mit Fahne, Augenringen und aufgedunsenem Gesicht die volle Blöße vor den Arbeitskollegen zu geben.

In dem Zustand in die Arbeit? Lieber nicht...

In dem Zustand in die Arbeit? Lieber nicht…

Grund C: Man ist sowieso schon vergeben

Warum überhaupt noch in die Disco gehen, wenn man nicht auch mit seinem Freund oder seiner Freundin einen gemütlichen Fernsehabend mit Pizza und Popcorn verbringen kann? Zu den Standartsprüchen von Pärchen auf Feiern zählen aber auch diese beiden Klassiker: „Wir müssen dann leider mal wieder – haben morgen beide noch einen Termin!“ und „Wir sind beide wirklich k.o. – wir verabschieden uns dann mal!“. Pärchen gelten bei solchen Feiern oft als Spießer und wenn man selbst mal einen Freund oder eine Freundin hat und dann nur mit single-wütigen Freunden unterwegs ist, die eh nur darauf aus sind, an dem Abend jemanden abzuschleppen, macht Feiern auch keinen Spaß mehr. Hier bedeutet das: Nicht nur nicht mehr am nächsten Tag weggehen, sondern am besten gar nicht mehr.

Grund D: Man fühlt sich zu alt fürs Weggehen

Grund C führt zwangsläufig zu Grund D: Wenn man wiederum mit Pärchen unterwegs ist und dabei der einzige Single ist, dann ist das oft auch anstrengend. Sollte man seine Zeit nicht doch anders nutzen? Soll man alleine Spaß haben? Soll man sich alleine abschießen? Und dann auch noch die ganzen 16-jährigen um einen herum. Gibt es überhaupt noch gute Discos für Leute ab 20? Mich hat zum Beispiel ein gerade mal 18-Jähriger in einer Disco nach dem Alter gefragt. Als ich ihm sagte, dass ich 24 Jahre alt sei, sah er mich mit offenem Mund und entgeisterten Augen an und schrie:

„Was du bist 24? Schon so alt???“

Irgendwann fühlt man sich für Partys zu alt

Irgendwann fühlt man sich für Partys zu alt

Grund E: Man will seine Zeit besser nutzen

Dreimal hintereinander Party machen? Inzwischen ist das Freizeitangebot so übersättigt, dass das Feiern auch gar nicht mehr die erste Priorität hat. Kino, Theater, Kajak fahren, Bowling, Wandern… oder eben lernen und arbeiten. Auch weil man nun selbst seine Brötchen verdienen muss und sich nicht mehr von seinen Eltern am nächsten Tag bekochen und verwöhnen lassen kann, muss man alleine klar kommen. Und deswegen schätzt man dann den nächsten (katerfreien) Tag auch mehr als man es noch früher getan hätte.

Daniela Rothgang

 

1 Kommentar

  1. Grund F: Man kann „Party machen“ nichts abgewinnen. Ich persönlich finde Clubs seltsam: Laut, überteuert, überfüllt. Weder lernt man wen (wirklich) kennen, noch unternimmt man etwas halbwegs sinnvolles mit seinen Freunden.

    Überhaupt finde ich diese Einstellung aller Medien, dass Feiern, Saufen und Co unverzichtbarer Lebensbestandteil sind, merkwürdig. Ich kenne keinen, der mit Überzeugung sagt: „Ich gehe gerne feiern“. Vielleicht liegt es daran, dass man sich automatisch mit Leuten umgibt, die ähnlich denken wie man selbst. Vielleicht geht es aber vielen einfach auf den Sack, einen Abend und den darauf folgenden Tag zu vergeuden für etwas, das eigentlich ziemlich scheiße ist.

    Ich gehe lieber mit meinen Freunden essen, ins Kino, zum Bowlen, zum Paintball, zu WG-Parties, zum Wandern. Da hat man mehr davon, als sich zu schlechter Musik etwas ins Ohr brüllen zu müssen. Und schon habe ich das Gefühl, mich verteidigen zu müssen gegen Vorwürfe, spießig zu sein.

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