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Optimistisch realistisch

Wieso bin ich nie mit dem zufrieden, was ich habe?

Nacht für Nacht dieselbe Frage, die mich wachhält, mir den Schlaf raubt und meine Träume heimsucht. Tag für Tag dieselbe Frage, die mich zweifeln lässt, an dem was ich denke, was ich sage, was ich tue.

Gerne gebe ich’s nicht zu, aber auch ich gehöre manchmal nur zu den Scheinoptimisten, die an Stellen im Skript lächeln, an denen sie lieber weinen würden. Die zu anderen sagen „alles ist gut“ und zu sich selbst „alles ist scheiße“. Die so unbekümmert fröhlich aussehen, obwohl der Wirrwarr an Gedanken, an Sorgen, dabei ist sie zu brechen. Die ihr Glück so definieren, dass es nach außen hin wie Glück aussieht. Gerne gebe ich’s nicht zu, aber manchmal gehöre ich zu den Zwangsoptimisten, die beim Weltuntergang sagen „wird schon werden“. Die, auch wenn alles den Bach runtergeht, mit einem Lächeln im Gesicht über dem Boden schweben. Die verdrängen, was wirklich ist, denn Realität ist hier ein Tabu.

Gerne gebe ich’s nicht zu, aber manchmal da will ich lieber Pessimist sein, mit der Regenwolke über dem Kopf und das Leben in Schwarz-weiß. Auf die Schnauze fallen geht nicht, denn am Boden bin ich sowieso schon. Am Boden der Tatsachen, die manchmal gar keine sind. Das Recht in der Tasche und allzeit bereit, es den Optimisten unter die Nase zu reiben. Aber Recht haben ist auch nicht immer ideal, manchmal, spätestens am Ende, ist es sowieso egal.

Optmismus?

Optimismus? (c) Christina Bacher

Positiv denken ist heute so etwas wie Konvention,
Pessimismus also eigentlich gar keine Option.

Eigentlich nenn‘ ich mich selbst Optimist, doch wäre ich lieber ein optimistischer Realist, der sich traut, die Dinge beim Namen zu nennen. Der sagt „ja, es ist scheiße und doch geht es noch schlimmer“. Alles besser als dieses „die Welt ist schön, du musst nur lächeln“ immer.

Die Welt ist nicht immer schön und das weißt du ganz genau. Du weißt, dass der Himmel über uns meist nicht blau ist, sondern grau. Aschewolken verdunkeln die Welt, doch du siehst nur dich selbst im Dunkeln. Du bist nicht perfekt geschleckt und das ist ok. Mehr noch, das ist richtig so, das ist gut. Es wird sie immer geben, die Menschen, die nicht nur ihre Rolle perfekt spielen, sondern wahrscheinlich auch deine Rolle besser. Aber ich wäre gern optimistisch realistisch und würde sagen „die sind mir egal“.

Wir machen Fehler und das ist okay. Mehr noch, das ist richtig so, das ist gut. Denn erst diese machen uns zu dem, was wir sind. Ich wäre gern ein optimistischer Realist, ich gebe es gerne zu, der nicht nachts in sein Buch schreibt, es wieder zuklappt und sagt „alles ist gut“. Ich wäre gerne ein optimistischer Realist, der Gedanken nicht nur aufs Papier bringt, sondern ausspricht. Der sich Zweifel und Probleme eingesteht, denn mal ehrlich, auch der naivste Optimist hat hin und wieder ein kleines Problemchen.

Und so habe ich auch meins. Nämlich zu sagen, was ich habe, was ich will. Nämlich zu wissen, was ich denke, was ich will. Ich sage Dinge, an die ich nicht denke und denke an dich, auch wenn ich es nicht sage.

Christina Bacher

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