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municHMotorsport

Speed, Spaß und Studenten

Seit zehn Jahren schon existiert das Team municHMotorsport der Hochschule München – ein Team von „Formula Student“, einem Konstruktionswettbewerb für Studenten. Die Herausforderung ist es, einen einsitzigen Formelwagen zu konstruieren, herzustellen und damit gegen andere Universitäten und Hochschulen anzutreten. Ein Bericht über einen Ausflug in die Zentrale.

Wenn nicht im Einsatz dann als Deko im Eingangsbereich, (c) Katharina Häuser

Wenn nicht im Einsatz, dann als Deko im Eingangsbereich, (c) Katharina Häuser

Dienstag, 19.15 Uhr. Zögernd suche ich mir meinen Weg in der Dunkelheit. Mein Ziel ist die Lothstraße 21 – der Hauptsitz von municHMotorsport e.V., gesponsert von der Hochschule München. Ich finde ein unscheinbares Tor, das mich schließlich zu einer Hintertür führt. Ob ich hier richtig bin? Eine dunkle Silhouette steht rauchend vor der Treppe. Ich wage mich näher heran. Freundlich werde ich begrüßt und mir wird erklärt, wo ich Florian Eich finde, den Teamchef von municHMotorsport. Drinnen herrscht bereits reges Treiben. Studenten kommen und gehen. Man sieht zahlreiche Autos, hört Gelächter.

Ich finde Florian Eich (26) im Raum „Fahrwerks- und Antriebsstrang“ – für mich sieht es dort in erster Linie gemütlich aus. Irgendwo über unseren Köpfen liegt ein Mitglied auf einem Sofa, mir wird sogleich ein Bier angeboten. Neben dem Teamchef sitzt Lucia Mina (21), organisatorische Leitung beim Powertrain E. Sie kümmert sich darum, dass alle Vorgänge beim elektrischen Auto koordiniert werden, so beispielsweise auch um die pünktliche Lieferung von Fahrzeugteilen. Neben ihr gibt es noch weitere Teamleiter. Denn hier werden jedes Jahr zwei Rennwägen gebaut: Ein Verbrennungsfahrzeug und ein Fahrzeug mit elektrischem Antrieb. Lucia Mina studiert Maschinenbau im fünften Semester – überlegt aber, sich ein Urlaubssemester zu nehmen. Denn „Leute, die intrinsisch motiviert sind und auch Verantwortung am Fahrzeug übernommen haben, arbeiten zwischen 30 und 60 Stunden die Woche und streckenweise auch mehr“, so Florian Eich. Insgesamt setzt sich das Team aus ungefähr 80 aktiven Mitgliedern und 20 Ehemaligen zusammen.

Teamchef Florian Eich (26) und organisatorische Leitung beim Power Train E Lucia Mina (21), (c) Katharina Häuser

Teamchef Florian Eich (26) und organisatorische Leitung beim Powertrain E Lucia Mina (21), (c) Katharina Häuser

„Wegen dem Rennauto bin ich hergekommen. Und hier geblieben bin ich wegen dem Team“

Ich werde durch weitere Räume geführt und sehe das Materiallager, den Schleifraum, das Rechenzentrum und vieles mehr. Aber vor allem: Viele gut gelaunte Menschen, Bilder von leicht bekleideten Frauen an den Wänden und Modellflugzeuge auf den Tischen. Die Arbeit soll schließlich auch Spaß machen. Die Arbeit im Team. Florian Eich betont: „Wegen dem Rennauto bin ich hergekommen. Und hier geblieben bin ich wegen dem Team.“ Es sei wichtig, dass jeder motiviert ist, das Auto zu bauen und das Gefühl hat, ein Teil von ihm wäre dabei. Deswegen werden alle an den Entscheidungsprozessen beteiligt, erklärt mir der Teamchef. Und jeder kann mitmachen. Die einzige Voraussetzung: Man muss Student sein – in einem der beiden Semester der Saison. „Das Engagement zählt“, so Florian Eich.

Dienstagabend: Mitglieder von MunicHMotorsport e.V. bei der Arbeit, (c) Katharina Häuser

Dienstagabend: Mitglieder von municHMotorsport e.V. bei der Arbeit, (c) Katharina Häuser

„Wir machen alles selbst. Nichts ist extern“

Die Arbeit bei municHMotorsport macht aber nicht nur Spaß, sie bringt einen auch weiter. Beschäftigt man sich zwar nicht zwangsläufig mit seinem eigenen Studienfach – es gibt beispielsweise auch Linguisten bei municHMotorsport – lernt man doch einiges über sich selbst und seine Fähigkeiten. So studiert der 26-jährige Teamchef im Moment Informatik, hat aber in seiner Tätigkeit bei municHMotorsport „nicht unbedingt gelernt, wie man toll programmieren kann.“ Das Besondere: Das Team funktioniert wie eine eigenständige Firma. Die ganze Kette von der Sponsorenakquise über die Ressourcenverwaltung bis hin zum fertigen Produkt, die Entwicklung, die Planung, die Fertigung, der Zusammenbau der Teile, das Testen, das Fahren der Fahrzeuge, die Website, Social Media und Print: „Alles, alles, alles ist selbst gemacht. Nichts ist extern.“

Letzter Check beim Pre-Event in Eindhoven, (c) MunicHMotorsport e. V.

Letzter Check beim Pre-Event in Eindhoven, (c) municHMotorsport e. V.

„Es ist eine Charakterschule für Studenten, in der man lernt, zusammen im Team auf ein Ziel hinzuarbeiten und ein Produkt – ein reales Produkt – zu verwirklichen“

Das Produkt ist in diesem Fall ein Rennauto, das nach einem internationalen Reglement erarbeitet wird. Typischerweise läuft ein Jahr folgendermaßen ab: Im Sommer stellt sich das Team zusammen, dann wird bis zum September das Konzept erarbeitet. Anschließend geht man in die Konstruktionsphase und Sponsorenakquise. Im November folgt die Fertigungsphase, wobei bis Dezember alle Bauteile ihre Fertiger gefunden haben sollten. So bleibt Zeit für die Prüfungen. Die Studenten schreiben schließlich auch noch Klausuren. Das ist jedoch auch mit einer Mitgliedschaft bei municHMotorsport e.V. gut zu vereinbaren: Das Zusammenfügen der Fahrzeugteile beginnt erst ab Mitte Februar. Und auch bei der Prüfungsvorbereitung ist „Teamwork“ ganz groß geschrieben.

Im Mai geht es dann in die Testphase des Fahrzeugs. Nach erfolgreichem Abschluss eines Teilnahmequiz, bei dem die Rules abgefragt werden, kann schließlich an den „Events“ teilgenommen werden – den Wettbewerben, für die das Team lebt. Das wichtigste Event: Hockenheim. Dabei wird viel gereist. Beliebte Ziele: Österreich, Ungarn, Italien und Spanien. Auswahlkriterien sind die Organisation des Events, ob Sponsoren anwesend sind, aber auch die Lage. Über einen Zeitraum von eineinhalb Monaten verteilt, nimmt das Team dann an mehreren Wettbewerben teil. Florian Eich erklärt: „Du suchst die Competition. Du möchtest dich ja mit anderen messen.“ Der Wettbewerb ist also ein wichtiger Teil von Formula Student. Dabei werden die Teams nicht nur an Zeiten gemessen, sondern auch von Judges bewertet – Juroren aus der freien Wirtschaft oder dem Motorsport. Man lernt, sich zu präsentieren und sein Projekt zu rechtfertigen. Und hat dabei noch jede Menge Spaß. Die magische Formel von Florian Eich: „Einfach Bock auf Rennauto.“ Oder die sanftere Formulierung der organisatorischen Leitung beim Powertrain E, Lucia Mina: „Wir sind hier, um was zu lernen. Du musst nicht alles wissen, wenn du herkommst.“ Neue Mitglieder sind immer willkommen. Mehr Infos findet ihr auch hier.

Worauf also noch warten? Ready, steady, go!

Startbereit, (c) MunicHMotorsport e. V.

Startbereit, (c) municHMotorsport e. V.

Katharina Häuser

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