Wir schreiben München – schreibt mit!

Mein Kleid für dein Kleid?

Lass‘ mal Kleider tauschen!?

Der Kleiderschrank quillt über, aber man hat trotzdem irgendwie nichts anzuziehen? Oder vielleicht einfach nicht das Richtige? Kleidung kann man auch tauschen, zum Beispiel auf einer Kleidertauschparty.  Der Green City e.V. veranstaltet regelmäßig Kleidertauschpartys, zu denen jeder kommen kann. Auch Unikat war auf solch einer Tauschparty und hat sich mal genauer umgesehen.

Rauf in den sechsten Stock, drei Euro gezahlt, Stempel, Chip für ein Freigetränk. Der Eintritt zur Kleidertauschparty ist sehr günstig, dafür, dass man ein Freigetränk bekommt und so viele Klamotten mitnehmen darf wie man will. Man muss nicht einmal selbst ausgemistete Kleidung mitbringen. Auch die Location ist ziemlich gut. Die Wühltische erstrecken sich über zwei Etagen, wobei die obere in einer Dachterrasse mündet. Als ich reingehe, kommt mir Mia (27) mit einem bodenlangen, roten, mit weißen Elefanten übersäten Kleid entgegen. Sie geht schon seit dreieinhalb Jahren auf solche Kleidertauschpartys, findet das Konzept ziemlich cool, wie sie sagt. Lieber gibt sie ihre alte Kleidung hier ab, als sie in die Altkleidersammlung zu werfen. Das rote Kleid ist dann aber doch nicht ganz das, was sie sucht.

Auf den Tischen türmen sich Kleiderberge

Auf den Tischen türmen sich Kleider-Berge

Hallo Altkleidersammlung!

Als ich mich ein bisschen umschaue, fällt mir eines auf den ersten Blick sofort auf: Viele Teile sehen eben wirklich so aus, als wäre der nächste logische Schritt der Container. Da gibt es ausgewaschene Oberteile, die, ihrem Zustand und Schnitt nach zu urteilen, definitiv aus einem Jahrzehnt vor der Jahrtausendwende stammen. Ich finde so einige Hardrock Café und Abi T-Shirts, bauchfreie Feinripptops in den schillerndsten Tönen. Ein Schmankerl der Absurdität bietet der lange Tisch mit dem Etikett „Accessoires“. Dort finde ich neben Socken und Leo-Print-BHs auch einen Hello-Kitty-String und eine Unterhose mit dem prominenten Aufdruck „FROM TODAY!“. Gut zu wissen.

Auch auf der Dachterrasse kann man die Jagd auf schöne Kleidung fortsetzen

Auch auf der Dachterrasse kann man die Jagd auf schöne Kleidung fortsetzen

Der Hello Kitty String ist dann doch zu viel des Guten

Doch mein erster Eindruck scheint zu trügen. Überall um mich herum wuseln junge und schon länger jüngere Frauen und stürzen sich auf die Tische. Da wird probiert, kombiniert, kritisch in den Spiegel gekuckt, wieder zurückgelegt oder in die eigene Tasche gestopft. Ein Limit, wie viel man mitnehmen darf, gibt es nicht. Und das wird ausgenutzt. Taschen in der Größe von Reisekoffern werden voll bis oben hin mit ergatterten Teilen durch den Raum gezehrt. Dazu läuft Fiva MC und das Phantomorchester. Die Stadt gehört wieder mir!

Ich unterhalte mich mit Nora, 27 und Nicole, 24 die zum ersten Mal auf so einer Party sind und auch schon erfolgreich waren. Ich fange an mich zu wundern, ob ich vielleicht früher hätte kommen sollen. Sie haben sich mit Jacken, Kleidern, Röcken und T-Shirts eingedeckt. Dabei gilt die Devise:

„Wenn’s zuhause nicht mehr gefällt, kommt’s halt auf die nächste Kleidertauschparty mit“

Wer nichts findet, kann auch einfach den Sonnenuntergang über München bewundern

Wer nichts findet, kann auch einfach den Sonnenuntergang über München bewundern

Der Weg des modernen Ausmistens wird mir langsam klar. Zuerst versucht man, die Teile bei Kleiderkreisel einzustellen. Was da nicht weggeht, kommt mit hierher. Was hier liegen bleibt, wandert dann aber in die Altkleidersammlung. Wenn man etwas umsonst nicht loswird, dann führt am Container wohl kein Weg vorbei.

Obwohl das Angebot mich nicht unbedingt umhaut, ist das Ganze grundsätzlich eine schöne Idee. Wer Kleidung sucht und nicht das Geld hat, sich auf der Kaufingerstraße umzusehen, für den ist das eine kostenlose Alternative. Wer sich nicht beim Kampf um die verborgenen Schätze beteiligen will, kann sich auch einfach mit seinem Freigetränk auf die Dachterrasse setzen und die Sonne über München untergehen sehen.

Von den beiden Teilen, die ich aus meinem Kleiderschrank schwersten Herzens entfernt habe, konnte ich mich aber zum Schluss doch nicht trennen. Die kommen wieder mit nach Hause. Wahrscheinlich muss ich einfach noch zehn Jahre damit warten.

Jana Heigl

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.