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In Minga dahoam

Wenn München zur neuen Heimat wird

München ist bekannt für sein Bier, seine Weißwurst und natürlich für die Wiesn. Was aber kaum einer weiß: Die bayerische Landeshauptstadt hat deutschlandweit den höchsten Ausländeranteil. Jeder dritte Münchner hat ausländische Wurzeln. „Mia san mia“ oder etwa doch nicht? Wie weltoffen ist die bayerische Landeshauptstadt und wie lebt es sich hier als Nicht-Münchner?

Sicherheit und Zuflucht

Haseeb und Freund Zamir genießen die Münchner Sonne, (c) Andrea Hornsteiner

Haseeb und Freund Zamir genießen die Münchner Sonne, (c) Andrea Hornsteiner

Haseeb und Zamir haben gerade Schulschluss und genießen ihren freien Nachmittag auf der Wiese im Marienhof direkt hinter dem Münchner Rathaus. Den zwei jungen Erwachsenen sieht man nicht an, was sie bisher schon alles erlebt haben. Mit gerade einmal 16 Jahren ist Haseeb Ghyasi nach München gekommen. Gemeinsam mit seinen Eltern ist er mit wenigen Habseligkeiten Hals über Kopf aus Kabul, Afghanistan geflohen. Deutschland als eine Chance auf Freiheit, so hat er damals gehofft. Mittlerweile lebt Haseeb Ghyasi im Münchner Landkreis Erding. Jeden Morgen fährt er eine Dreiviertelstunde mit der S-Bahn in die Berufsschule nach München. Dort lernt der 18-Jährige gemeinsam mit Freund Zamir (18) in einer eigenen Klasse für Flüchtlinge Deutsch nach. Längst ist die bayerische Landeshauptstadt Haseeb Ghyasis neue Heimat geworden:

„Ich fühle mich hier wohl, ich lebe gerne in München“

Sein größter Traum ist es, in München auch bleiben zu dürfen. Er möchte hier später einmal „einen guten Job“ bekommen. Ausländerfeindlichkeit hat der Afghane bisher noch nie erlebt. Im Gegenteil: Die Münchner seien alle besonders freundlich und hilfsbereit.

Verliebt in München

Einen Sprung weiter genießt eine junge hübsche Frau die Sonnenstrahlen. Der Liebe wegen ist Emma Gorman vor einem knappen Jahr aus Irland nach München gezogen. Die 38-Jährige hat ihr Heimatland für ihren Freund aufgegeben – und sich sofort in die bayerische Landeshauptstadt verliebt.

„I love Munich so much!“

Als Fotografin kommt sie viel herum, doch fort möchte sie hier jetzt definitiv nicht mehr. Emma Gorman liebt das sonnige Wetter in München. Es sind aber vor allem die hier lebenden Menschen, die es ihr wirklich angetan haben. Offenherzig und hilfsbereit seien die „Bavarian“, so die junge Frau lachend. Rassistische Bemerkungen oder gar kalte Blicke kennt sie nicht. Viel eher sind die Münchner neugierig, wenn Emma Gorman von ihrer Heimat erzählt.

 

Ein echter Hotspot

Einige Meter weiter sitzen auf der Wiese vier junge Frauen zusammen. Lilith (20), Cassandra (20), Jenny (19) und Lisa (21) sind erst vor wenigen Wochen nach München gezogen. Gemeinsam haben sich die Freundinnen damit ihren größten Traum erfüllt: In der bayerischen Landeshauptstadt zu studieren. „Die Münchner sind wirklich total offenherzig und lustig!“, erklärt Lisa. Lilith schmunzelt: „Selbst an der Kasse im Supermarkt halten die mit dir noch Smalltalk – das würde einem in Freiburg nicht passieren.“ Die Freundinnen lachen. Die Bayern seien halt einfach viel locker, da sind sie sich alle einig. Und hipp sei München sowieso.

Lilith, Cassandra, Jenny und Lisa leben gerne in München, (c) Andrea Hornsteiner

Lilith, Cassandra, Jenny und Lisa leben gerne in München, (c) Andrea Hornsteiner

A waschechter Münchner

Helmut Engerer überquert mit seinem Gehstock den Marienhof. Bei dem Wort „hipp“ kann er nur schmunzeln. Als waschechter Münchner hat der 83-Jährige, der sich aber höchstens wie 73 fühlt, schon so einiges in seiner Stadt kommen und gehen sehen. Eines sei dabei aber immer geblieben: Die Menschlichkeit.

„Wir in Bayern sind weltoffen!“

Diskriminierung in München? Im Gegenteil: Der Rentner freut sich über den vielen Zuwachs in der bayerischen Landeshauptstadt: „Davon können wir doch alle nur profitieren. Die Bevölkerung schwindet und die zugezogenen Ausländer fügen sich gut in die Wirtschaft ein – was will man denn mehr?“ Wenn es nach Helmut Engerer geht, sei es genau diese Toleranz, die einen echten Münchner ausmacht. Eben ganz nach der bayerischen Redensart „leben und leben lassen“.

Andrea Hornsteiner

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