Wir schreiben München – schreibt mit!

Hust, Keuch, Nies.

Mein Antagonist, der Heuschnupfen

Jedes Jahr im Frühjahr dasselbe Spiel. Oder besser gesagt, dasselbe Desaster. Nie sind genug Taschentücher da. Aber so leicht lassen sich die unerschütterlichen Soldaten und Soldatinnen der Heuschnupfenfront (darunter – zum Leidwesen aller sich um mich herum befindlichen Personen – auch ich) nicht unterkriegen. Eine Kampfansage.

 „Wieso hilft das Zeug nicht?“

Ich habe gefühlt schon 100 verschiedene Mittelchen, Nasensprays, Tinkturen und ja, auch Globoli ausprobiert, um gnädigerweise eventuell auch nur für ein Jahr mal Ruhe zu haben. Beziehungsweise keine Tropfnase. Und kein Jucken, was mich überall und nirgendwo in den unmöglichsten Situationen in den Wahnsinn treibt. Und wenn es geht, vielleicht auch kein verschleimtes Husten, Niesen und Keuchen mehr. Das wäre nett. Aber der Heuschnupfen-Guru meint es nicht gut mit mir. Nichts. Hilft.

Triefnase & Co.: Heuschnupfer haben immer Taschentücher für den Notfall dabei

Triefnase & Co.: Heuschnupfer haben immer Taschentücher für den Notfall dabei

Naja, egal, denke ich mir jedes Mal kurz vor Frühjahr und blicke optimistisch nach vorne, in der Hoffnung, dass es dieses Jahr nicht so schlimm wird. Die geheimen Freuden eines Heuschnupfengeplagten liegen nämlich darin, zu wetten, welche Gräser, Blumen, Blüten und Blätter dieses Jahr wann, wo, wie lange und wie stark blühen. Ähm, ja. Nein, uns interessieren keine Sport-, Spaß-, Pferde-, oder egal, welche Wetten. Nein, wir setzen auf die Halbwertszeit des blühenden Schreckens in der ansonsten oh so wunderschönen, grünenden, sprießenden Natur. Frühlingsgefühle mal anders.

Dabei müssten wir es mittlerweile besser wissen und uns wappnen. Viele von uns haben den Dreh auch schon raus:

1. Regel: Verlasse nie das Haus ohne…

Gehe niemals (vor allem nicht, um kurz Semmeln zu holen, eine Freundin zu besuchen oder U-Bahn zu fahren – oh, gerade dann nicht. Du kannst. Nicht. Raus.) ohne folgende Utensilien aus dem Haus: Sonnenbrille, Taschentücher, Handy (für den Notfall), Rückenkratzer mit Teleskopauszug und zuletzt ein niemals ohne ein portables Musikabspielgerät mit aufgespielten Beruhigungsmantras (gesprochen oder gesungen).

2. Regel: Freue dich nicht über Regen*

* Regen, der: Niederschlag, der in Form von Wassertropfen herunterfällt, die mit verflüssigten und aufs konzentrierteste mit Blüten, Pollen und Sporen aller in den Alpträumen von Heuschnupfern vorkommenden Art angereichert sind. Vorrangig zerplatzen sie auf den diversen reaktionsfreudigen Körperteilen der genannten Zielgruppe.

3. Regel: Kopf hoch!

Lass‘ dich nicht unterkriegen und mach‘ trotzdem genau das, was dir Spaß macht. Zur Not halt auch mit laufender Nase.

Das Wichtigste bei Heuschnupfen: Durchhalten und immer schön locker bleiben.

Das Wichtigste bei Heuschnupfen: Durchhalten und immer schön locker bleiben.

Ich selbst muss mich vor allem immer wieder an diese Regel erinnern. Denn allzu oft vergisst man als heuschnupfengeplagter Mensch schon mal das Leben während der Heuschnupfensaison. Anstatt sich zu fragen, warum man ausgerechnet zu der Zeit des Jahres mit triefenden Augen und juckender Nase herumlaufen muss, zu der man (als Single) einen besonders filigranen, betörenden Eindruck beim anderen Geschlecht machen möchte, oder sich (als Pärchen-Teil) schon so auf  das liebevoll organisierte Picknick auf der grünen Wiese mit dem Liebsten gefreut hat, sollten wir uns auf eines besinnen: Wir leben noch, wenn auch mit Rotz und Juckreiz, aber wir leben. Und um diese pathetische Nachricht ein wenig auf den Boden der Realität zu holen: Zur Not gibt’s auch die Desensibilisierung.

„Achso“, werden jetzt viele von euch fragen, „und wieso machen das dann nicht einfach alle mit Heuschnupfen?“. Und alle Soldaten und Soldatinnen der Heuschnupfenfront werden nur verschmitzt lächeln und sagen:

„Naja, der Heuschnupfen macht mich halt aus.“

Teresa Frank

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.