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Er fragt – Sie fragt

Er fragt sie – Männertypen

Unsere beiden Autoren eint ein Wunsch: Das andere Geschlecht zu verstehen. „Schnurzelburzel“ und „Honigmäulchen“ stellen sich in dieser unikaten Serie regelmäßig Fragen, deren Antworten die Gemütslagen, Vorstellungen und Gedankengänge des anderen Geschlechts erhellen sollen. Diese Woche:

„Bad Boy oder netter Kerl – auf wen steht ihr Mädels wirklich?“

Ehrlich gesagt bin ich fest davon überzeugt, dass jede Frau sich im Laufe ihres Lebens irgendwann einmal in einen Bad Boy verliebt – das scheint fast eine Art Naturgesetz zu sein. Die Frage ist nur, ob sie aus dieser Erfahrung lernt und sich anschließend den netten Kerlen zuwendet, oder ob sie weiterhin auf den Charme der „bösen Kerle“ reinfällt. Doch bevor ich dieses Dilemma weiterausführe, lasse mich dir doch zuerst eine kleine Anekdote aus meiner Jugend erzählen:

Sein Name war Philipp*. Er war sowas wie der Anführer unserer Clique und wurde von allen nur mit seinem Nachnamen angesprochen. Er rauchte, hatte mit 17 schon einen Dreitagebart, den ich unglaublich sexy fand (okay, vielleicht ist meine von bittersüßen Teenie-Tränen getränkte Erinnerung ein wenig unscharf, aber da waren auf jeden Fall ein paar Stoppel!), und brachte alle zwei Wochen ein neues Mädel zu unseren Treffen mit. Bei einer Runde „Wahrheit, Pflicht oder Risiko“ gab er mir meinen ersten Kuss. Während ich vor Aufregung fast in Ohnmacht fiel, blieb er ganz cool, schließlich gehörte Rummachen zu seiner Expertise. Ich war 15 und – vermutlich überflüssig, das noch zu erwähnen – unsterblich in diesen Bad Boy verknallt.

Es wird dich wohl kaum überraschen, wenn ich dir nun erzähle, dass Philipp und ich natürlich niemals „miteinander gegangen“ sind. Doch während er meine Annäherungsversuche gewissentlich ignorierte, klammerte ich mich noch monatelang verzweifelt an meinen Phantasien fest. Ich glaube, der Grund hierfür sind all diese beim weiblichen Geschlecht so beliebten Rom Coms, in denen der Bad Boy für die (natürlich wunderschöne und absolut unschuldige) Heldin seine zerschlissene Lederjacke mitsamt seinen Bindungsängsten und schlechten Manieren abstreift, um anschließend mit ihr ein glückliches und monogames Leben bis in alle Ewigkeit zu führen. Wenn Mr. Big Carrie nach sechs Staffeln Sex and the City endlich ins Ohr flüstert, „Du bist die Eine!“, dann erweckt das bei uns Frauen die Illusion, dass wir Lebemänner und notorische Fremdgänger in handzahme Schmusekater verwandeln könnten.

Und so jagen ganze Horden von Möchtegern-Bekehrerinnen den Bad Boys dieser Welt hinterher, die, ich muss es an dieser Stelle zugeben, auf den ersten Blick durchaus sehr viel Charme und Anziehungskraft besitzen. Freiheitsdrang, Abenteuerlust, eine Prise Rücksichtslosigkeit und diese gewisse „Mir egal, ich mach‘ was ich will“-Attitüde sind vielleicht einfach Charaktereigenschaften, die wir auch in uns selbst ab und zu gern sehen würden. Doch letztlich werden diese Frauen nur immer wieder auf’s Neue enttäuscht. Das Problem bei der ganzen Sache ist nämlich, dass wir die Macht, solche Männer tatsächlich zu ändern, überhaupt nicht besitzen. Und wenn Frau dieser Irrtum endlich aufgegangen ist, dann, ja dann kommt der nette Kerl von nebenan ins Spiel. Mit jeder Menge Geduld, Ehrlichkeit und Hingabe öffnet er uns die Augen für unsere vergangenen Torheiten und zeigt uns, dass aufrichtige und liebevolle Beziehungen doch noch möglich sind. Den Nice Guys – und ich bin der festen Überzeugung, dass auch du ein Exemplar dieser wunderbaren Gattung bist – bleibt also nichts anderes übrig, als abzuwarten. Aber keine Sorge, tief in unserm Inneren wissen wir Frauen, dass es für etwas Festes nur euch gibt. Und die meisten von uns gelangen zu dieser Erkenntnis zum Glück eher früher als später.

Liebe Grüße,

dein Honigmäulchen

*Der Name wurde von der Redaktion absichtlich nicht geändert. Soll dieser Kerl doch ruhig mal erfahren, was er mit meinem unschuldigen Teenager-Herz angestellt hat!

1 Kommentar

  1. Der letzte Satz ist super :D Haha, und hat mich zum Lachen gebracht :D „Soll dieser Kerl doch ruhig mal erfahren, was er mit meinem unschuldigen Teenager-Herz angestellt hat“
    Ich mag eure Texte und lese sie normalerweise auch regelmäßig, aber anscheinend war ich schon länger nicht mehr herinnen ^^ drei neue ‚er fragt sie fraft‘ :D

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