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Die Cashew-These

Einem Mysterium auf der Spur

Die Cashew-These, ein Mysterium? Wie ich dazu komme, mich solch ernsten Themen zu widmen? Ein Wort: Bachelorarbeit. Die Prokrastinationsphase ist in vollem Gange, man hat bereits den kompletten Facebook-Feed auf und ab gelesen, sämtliche Artikel angeklickt, die auch nur annähernd interessant klingen, Videos und Vines gesehen, den Instagram Feed inspiziert, alle Mailkonten gecheckt und Freunden geschrieben. Wenn man damit fertig ist, beginnt alles wieder von vorne. Und da sagt noch einer das Perpetuum Mobile gäb’s nicht. Ich wäre eines, wenn sich nicht irgendwann mein schlechtes Gewissen einschalten würde. Gut, also ab vor die Literatur. Ran ans Schreiben. Aber hmm… irgendwie fühle ich mich komisch, irgendwas stimmt da nicht. Hmm, was könnte dieses Gefühl sein? Das muss Hunger sein! Ganz klar. Zackig vom Schreibtischstuhl aufgehopst und ab an die Vorräte. Jeder kennt es, naschen zwischendurch muss sein. Nun aber zum wirklich ausschlagenden Punkt für den Verlauf dieser Geschichte.

Eigentlich hat alles ganz harmlos begonnen

Ich hamstere seit einiger Zeit Cashewkerne. Am liebsten gesalzen und geröstet. Mal ehrlich, Nüsse sind schon einfach lecker und ich meine Nervennahrung ist auch gut für den Kopf, hallo? Das kann ja nur förderlich sein. Wie ist es jetzt dazu gekommen? Erinnert euch an folgende Situation. Eine nette Runde mit Freunden, Familie, man knabbert etwas beim gemütlichen Zusammensitzen. Manchmal neben den obligatorischen Chips vielleicht eine Packung Studentenfutter, ein kleiner Nussmix. Meine Güte, wie gierig habe ich da immer alle Cashewkerne rausstibitzt, von denen natürlich nur besonders wenige drin waren! Erdnüsse waren ein notwendiges Übel, wenn man mal daneben gelangt hat. Ach, aber das war es wert, wenn man dann wieder die wohlgeformte Sichel in der Hand hatte. Jedes Mal habe ich mich gefreut, wenn ich ganz unten vergraben doch noch eine entdeckt habe.

Cashewkerne - Kommt zu Mama!

Cashewkerne – Kommt zu Mama!

Also Schluss mit den Träumereien, was habe ich schlauer Fuchs natürlich gemacht, da ich alleine wohne und nur noch einkaufe, was mir schmeckt? Ich kaufe mir einfach gleich eine Packung Cashewkerne! Man, bin ich raffiniert.

„Bye, bye, nervige Erdnüsschen, bye, bye, Macadamia, lebt wohl ihr trockenen Mandeln und was da sonst noch drin rumfleucht.“

Klingt ja erstmal klasse. Aber wie ist es mir damit ergangen? Zurück zu vorheriger Situation. Ich sitze also seelig auf meinem Bett und gönne mir meine Cashewkernchen. Aber irgendwie, klar sie schmecken lecker, aber jeedeer Griff in die Packung schmeckt lecker, da gibt es keinen Aha-Genussmoment mehr. Das Ganze habe ich mir irgendwie geiler vorgestellt. Ich habe das Gefühl, dass ich mir zwar jetzt die blöden Erdnüssen aber auch die richtige Gaumenfreude erspart habe. Und wenn ich so darüber nachdenke… eine Sorte Gummibärchen schmeckt jedem Menschen am besten, welche das auch sein mag. Aber kommt man deswegen auf die Idee eine Packung nur mit der Sorte zu kaufen? Nein. Das wäre ja irgendwie fad, so freut man sich viel mehr, wenn man sich ein gutes erkämpft hat. Ein anderes Beispiel: Popcorn. Jeder kennt die goldgelben, riesigen Knusprigen, die soo wahnsinnig gut schmecken, dass man sich am liebsten in ein Bett damit legen möchte. Aber warum kommt uns das so vor? Weil wir vorher die ganze Zeit auf mittelmäßigen Material rumgekaut haben. Ganz in Ordnung, aber hat uns nicht derartig umgeföhnt. Eine ganze Packung nur mit Superyummy? Ich glaube, das könnten wir nicht handlen… genauso wenig wie ich die ganze Packung Cashews.

Gute Männer sind wie Cashewkerne

Treiben wir die steile These mal etwas weiter. Was wäre, wenn man diese Ansicht auf alle Bereiche des Lebens übertragen könnte? Jeder kennt zum Beispiel diesen Satz von Frauen: „Ich hatte in letzter Zeit so ein schlechtes Händchen bei Männern. Immer treffe ich nur Arschlöcher“. Aber jetzt mal angenommen, wir würden ständig nur supertolle Menschen treffen, die wahnsinnig gut zu uns passen und die uns gut behandeln. Würden wir sie noch zu schätzen wissen? Vielleicht klappt es mit manchen Menschen gerade deshalb so gut, weil wir vorher ein paar Erdnüsse erwischt haben und dann plötzlich einer in unser Leben tritt wie ein superköstlicher Cashewkern? Ich glaube, da ist was dran. Gut nur, dass es auch genug Menschen gibt, die eine Schwäche für Erdnüsse haben oder für gelbe Gummibärchen…

Julia Haas

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