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Trautes Heim – Glück allein?

Die großen Erwartungen rund um die erste eigene Wohnung

Die erste eigene Wohnung. Das bedeutet für viele: Freiheit, Freiraum – Freimann? Ja, nach Freimann verschlägt es sicher auch einige TU-Studenten bei der Wohnungssuche, aber um was es mir hier eigentlich geht, ist nicht die vielleicht zu erwartende Diskussion um den nervig steigenden Mietspiegel in München. Mir geht es – aufgepasst, jetzt wird es tiefgründig: Um die großen Erwartungen der ersten eigenen Wohnung und die oft bittere Realität, die darauf folgt.

Die Studentenwohnung: Wie andere sie sich vorstellen und wie sie wirklich ist. (c) unikatmuc

Die Studentenwohnung: Wie andere sie sich vorstellen und wie sie wirklich ist. (c) unikatmuc

Auf Facebook habe ich letztens ein Bild von Leonardo DiCaprio gesehen mit dem Titel: „Mit 16 so: Juhu, bald bin ich 18 und ab 20 so: Scheiße, schon wieder Geburtstag, bald bin ich 30!“ und so ähnlich verhält es sich doch auch bei der ersten eigenen Wohnung. Anfangs ist man noch ganz euphorisch und freut sich, das Elternhaus endlich verlassen zu können, um auf eigenen Beinen zu stehen. Bis man dann aber nach ein paar Tagen in der kleinen Studentenbude merkt, dass doch nicht alles so rosig ist, wie man es sich vorgestellt hat.

Nach einer Vorlesung, zwei Seminaren und dem anschließenden fünf Stunden Nebenjob im Café ist man doch etwas enttäuscht, wenn man nach Hause kommt und nicht Mamas selbst gemachter Kaiserschmarrn auf dem Tisch steht. Dann schiebt man sich doch gerne mal aus Bequemlichkeit die Tiefkühlpizza in den Ofen. Das gleiche „Problem“ hat man natürlich auch mit all den anderen „Hausfrau-Arbeiten“, die anfallen und um die man sich jetzt natürlich ganz alleine kümmern muss: Glühbirnen austauschen (die richtige Energiesparlampe muss  allerdings erst gefunden werden), Staubsaugen (am besten mit dem günstigsten Staubsauger der Elektronikhandelskette, der erst nach drei Mal über den Staub fahren richtig saugt), Wäsche waschen (allerdings im Waschsalon) und so weiter. Klar ist das alles kein Weltuntergang – aber eine große Umstellung ist es allemal!

Die Studentenwohnung wie sie wirklich ist?

Die Studentenwohnung wie sie wirklich ist?

Spülmaschine voll, Klopapier alle und laute Musik all night long: Die typische WG?

Wer nicht den „Luxus“ hat, sich eine eigene Wohnung leisten zu können, bevorzugt ganz klar eine Wohngemeinschaft. Hier kann man Glück, aber auch Pech mit den Mitbewohnern haben. Beste Freunde werden auf einmal zu Nervensägen und die anfangs noch nett-wirkende-WG-Kandidatin entpuppt sich als größter Schmutzfink auf Erden. Die Spülmaschine wird nie ausgeräumt, das Toilettenpapier ist ständig alle und wenn man für die Klausur am nächsten Tag lernen will, müssen am Abend zuvor natürlich grad drei Freunde der Mitbewohnerin zu Besuch sein und lautstark Party machen. Und da merkt man auf einmal, wie einfach man es noch im alten guten Familienhaus hatte!

Hab‘ ich mich schon über die Nachbarn ausgelassen? Nicht alle Einwohner eines Hauses sind über WG-Partys erfreut und viele rufen da gerne mal die Polizei. Bei mir zum Beispiel hat sich einmal „jemand, dessen Name leider nicht genannt werden möchte“ beim Vermieter über das laute „Musizieren“, also Jammen, meines Mitbewohners und mir beschwert. Wir haben uns daraufhin bei allen „Verdächtigen“, die sich über uns beschwert haben könnten, persönlich entschuldigt, bis unsere links wohnende Nachbarin rausgerückt hat: „Ja, ich dachte, da wäre jemand bei euch zu Besuch und spielt so laut Klavier! Ich hab‘ nicht gedacht, dass ihr das seid!“ Klar – wer kennt ihn nicht: Den immer wiederkehrenden Besucher, der zum Klavier spielen vorbeischneit…

Ansonsten hat man natürlich auch noch die Messies oder Großfamilien im Haus, über die ich jetzt gar nicht erst anfangen muss zu erzählen. Aber malen wir mal nicht den schwarzen Peter an die Wand: Die erste eigene Wohnung hat natürlich auch sehr viel Gutes zu bieten – man muss für geplante Koch- oder DVD-Abende nicht mehr extra die Eltern um Erlaubnis fragen und man kann auch einfach mal nackt durch die Wohnung spazieren (Ok, ein komisches Beispiel: Aber das hat mein ehemaliger Nachbar zum Beispiel getan… Hilfe…) und so weiter und so weiter. Außerdem: Die eigene Familienwohnung kann ja dann auch wieder folgen!

Daniela Rothgang

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