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Er fragt – Sie fragt

Sie fragt ihn – Entscheidendes

Unsere beiden Autoren eint ein Wunsch: Das andere Geschlecht zu verstehen. „Schnurzelburzel“ und „Honigmäulchen“ stellen sich in dieser unikaten Serie regelmäßig Fragen, deren Antworten die Gemütslagen, Vorstellungen und Gedankengänge des anderen Geschlechts erhellen sollen. Diese Woche:

„Figur oder Charakter – was ist wichtiger?“

Puuh, das ist ja wieder eine Frage voller Fettnäpfen! Und egal, was ich schreibe, ihr glaubt es mir ja am Ende doch nicht. Aber gut, versuchen wir’s:

Zunächst die einfache Antwort: Beides. Aber jetzt nochmal ausführlich: Sicher, es würde weniger oberflächlich klingen zu sagen, dass es nur auf den Charakter ankommt. Aber machen wir uns nichts vor: Die wenigsten Leute lernen ihren Partner kennen, während sie eine Augenbinde tragen, insofern achtet man natürlich auch auf die Optik.

Aber das zu sagen, klingt irgendwie extrem falsch. Es klingt nach Macho, nach Sexist, nach einem Mann, der die Frau nur als Dekoration seines Auftritts betrachtet. Aber so ist es absolut nicht gemeint! Denn neben der intellektuellen Anziehung (ja, die muss es geben, später mehr dazu) spielt eben auch die Optik eine Rolle. Das ist bei mir so, bei anderen Männern und das dürfte bei Frauen ganz genau so sein. Je nachdem, wie man seinen Partner kennenlernt, fällt das nunmal zuerst auf. Man kann niemanden wegen seines tollen Charakters ansprechen. Das wäre ja auch irgendwie unheimlich. Oder würdet ihr euch von dem Spruch, wie „Hey, ich habe dich gesehen und ich glaube, du hast einen tollen Charakter. Wollen wir was trinken?“, wirklich angesprochen fühlen? Das Erste, das wir von einem Menschen sehen, ist sein Äußeres. Und das ist auch okay so. Denn wenn ich mir meine männlichen Freunde und ihre Freundinnen anschaue, sehe ich eine bunte Mischung. Es ist also beileibe nicht so, dass jeder auf die Mischung blond, schlank und vollbusig steht, sondern jeder findet andere Dinge gut. Deshalb ist es auch absolut legitim zu sagen: Ja, Optik und Figur sind wichtig (auch wenn ein sexistischer Nachgeschmack bleibt).

Nichtsdestotrotz: Der Charakter ist extrem wichtig! Denn wenn ich eine Person das erste Mal betrachte, weiß ich sehr schnell, ob sie mir gefällt oder nicht. Was ich nicht weiß ist: Wie ist sie drauf? Kann ich mit ihr lachen? Gibt es Dinge, die wir zusammen machen können, weil wir die gleichen Interessen haben? Oder kommt es ständig zu Spannungen, die auf Dauer niemandem Spaß machen? Das heißt nach diesem ersten Eindruck geht es erst ans Eingemachte: Euren Charakter. Denn auch wenn wir euch gerne ansehen, weil ihr uns gefallt, einen viel größeren Teil der gemeinsamen Zeit verbringen wir damit, uns mit euch zu unterhalten. Also bitte vergesst alle Klischees, die behaupten, Männer wären von selbstbewussten, intelligenten Frauen eingeschüchtert. In Zeiten, in denen wir die Worte Gleichstellung und Gender-Mainstreaming quasi mit der Muttermilch eingeflöst bekommen, sind sie längst nicht mehr aktuell. Sicher, für einige Männer sind Frauen Trophäen. Aber sind das wirklich die Männer, über die wir hier reden wollen?

Insofern hier mal eine ganz eindeutige Antwort: Beides ist wichtig. Aber wenn der Charakter nicht passt, kann die Optik noch so toll sein, meistens wird es nicht klappen (ob es umgekehrt auch so ist? Ehrlicherweise: Manchmal wahrscheinlich schon, Tschuldigung!).

Viele Grüße

dein Schnurzelburzel

2 Kommentare

  1. Wenn durch Gleichmachungsphantasien (Gender Mainstreaming) die eigentlichen weiblichen Vorteile und Überlegenheiten ausgeredet oder gar negativ bewertet werden, ist die innere Identität zerstört und es bleiben nur noch Äußerlichkeiten (der Body), die dann kultmäßig in den Mittelpunkt rücken.
    Gleichheit kann sich höchstens addieren, Verschiedenheit kann wesentlich mehr erreichen (siehe Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 4. erweitere Auflage, Logos-Verlag, Ansbach, 2014: ISBN 978-3-9814303-9-4)

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  2. Damit haben Sie sicher bis zu einem gewissen Punkt recht. Allerdings sollte der Tatsache Beachtung geschenkt werden, dass das Wort „Gender-Mainstreaming“ in diesem Fall nur als begriffliches Beispiel für die heutige Kindeserziehung verwendet wurde, in der die Gleichberechtigung inzident enthalten ist.
    Eine Wertung dieses Gedankens war nicht in meinem Sinne und Gleichmachungsphantasien stünden ja auch im Widerspruch zu den zentralen Aussagen des Artikels, der klarstellt, dass es aufgrund der vielfältigen Geschmäcker in unserer Gesellschaft für jeden Topf einen Deckel gibt, selbst wenn Äußerlichkeiten keine unbeachtliche Rolle spielen.
    Aber sollte ich mal eine Lektüre suchen finde ich Ihre Empfehlung dank der ISBN-Nummer bestimmt sofort, danke dafür ;)

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