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„Wird man dann Schauspieler?“

Theaterwissenschaft: Bühne vs. Bibliothek?

Schon immer mussten sich Studenten für ihr Studium rechtfertigen. Warum sie sich denn ausgerechnet für dieses und jenes entschieden haben und überhaupt: Was macht man damit später mal? Jedes Studium bringt seine Vorurteile mit sich. Aber stimmen die auch wirklich oder eben so ganz und gar nicht? In der unikaten Serie „Mein Studium, seine Vorurteile und ich“ erzählen Münchner Studenten von ihren Erfahrungen.

Wenn ich erzähle, dass ich Theaterwissenschaft studiere, werde ich zu 98 Prozent gefragt, ob ich dann Schauspielerin oder Regisseurin werde und – nachdem ich dies verneint habe – mit einem großen Fragezeichen angeschaut. „Was macht man dann so in deinem Studium?“ ist anschließend die zweite Reaktion auf den Studiengang, manchmal auch kombiniert mit einem „Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt!“.

Nein, in der Theaterwissenschaft beschäftigt man sich – zumindest in München – kaum bis gar nicht mit der Schauspiel- oder Regiepraxis, auch wenn man sich bei Bedarf an der institutseigenen Studiobühne austoben kann. Aber man kann es den Fragestellern absolut nicht übel nehmen, dass sie davon ausgehen, wir würden alle Schauspieler werden – gerade im ersten Semester tummeln sich genügend junge Leute im Institut, die nach eigenen Angaben gut im Schultheater waren und Schauspieler/Regisseur werden wollen. Diese wurden wahlweise an den entsprechenden Schulen nicht angenommen oder haben sich tatsächlich nicht ausführlich genug über ihren Studiengang informiert.

Auf der Bühne performen: Der Traum eines jeden Theaterwissenschaftlers?

Auf der Bühne performen: Der Traum eines jeden Theaterwissenschaftlers?

Aber was macht man dann in der Theaterwissenschaft? Eben alles drumherum! In den ersten Semestern spielen Grundlagen wie Theatergeschichte und Schauspieltheorien eine große Rolle, außerdem das Rezipieren und Deuten von Theaterstücken und -texten. Außerdem steht Publikumsforschung auf dem Plan und es wird viel über Medien diskutiert. Denn in diesem Studienfach werden nicht nur Inszenierungen besprochen, auch Film und Fernsehen werden häufig behandelt. Mein persönliches Highlight bisher war ein Seminar über die Serie Breaking Bad.

Und was macht man jetzt damit? Worauf man Lust hat! Generell sollte man als Student der Theaterwissenschaft – wie in anderen Geisteswissenschaften auch – die Augen offen behalten und sich in Praktika ausprobieren. Berufe beispielsweise in der Dramaturgie, in der Öffentlichkeitsarbeit, im Journalismus oder in Verlagen passen zum Studium. Doch wer immer noch davon träumt, gefeierter Schauspieler zu werden, der sollte es lieber weiterhin mit den Bewerbungen an Schauspielschulen versuchen – vielleicht wird ja doch noch etwas draus!

Charlotte Horsch

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