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Redakteur: Der Beruf von gestern?

Der steinige Weg in die Medien

Ich habe über 10 Jahre bei einem renommierten Radio-Sender gearbeitet, bis ich gehört habe, dass irgendwann Autos selber fahren können. Und was passiert, wenn man später nicht mehr selber Auto fahren muss? Man braucht kein Radio mehr! Also habe ich meinen Job gekündigt und bin online gegangen.“

Solche Aussagen nerven. Nicht nur, weil man gerade in einem Seminar sitzt, das vom Radio angeboten wird, sondern weil man sich schon seit längerem die Frage stellt, welcher Job nach dem Bachelor „in den Medien“ überhaupt geeignet ist.

Sind Tageszeitungen schon von gestern?

Sind Tageszeitungen schon von gestern?

Den Tageszeitungen geht es schlecht, wer nicht crossmedial denkt, ist von gestern und das Fernsehen funktioniert eh bald nur noch über PC, Laptop oder Tablet. Achja, und natürlich:

„Der deutsche Journalismus hat gegen junge, ehrgeizige Bogger keine Chance!“

Und leider ist da auch etwas Wahres dran: Da man Kommunikationswissenschaft beispielsweise nur mit einem Einser-Schnitt studieren kann, locken viele „Akademien“ und „Hochschulen“ ihre Studenten mit Ausbildungen zur fertigen Redakteurin oder Politik- oder Sportjournalistin an. Abschlüsse, die nach etwas klingen. Einziger Nachteil: Die Kurse kosten insgesamt ein paar Tausend Euro

Ein absolviertes Praktikum ist nur der erste Schritt zum nächsten

Das bedeutet für viele: Nebenher Geld verdienen, wenn man nicht gerade die Eltern hat, die einem alles über mehrere Jahre nach dem Schulabschluss „pampern“. Danach am besten noch drei Praktika absolvieren, wobei allesamt entweder über gemeinnützige Vereine laufen oder von namhaften Sendern sind, die aber trotzdem unentgeltlich sind, selbst wenn die eigenen Beiträge ausgestrahlt werden. Und dann auch noch Rundgebühren dafür bezahlen. Dabei ist das erste Praktikum nur der Schritt zum nächsten Praktikum. Jobaussichten versprechen weder die akademischen Hochschulabschlüsse, noch die absolvierten Ausbildungen oder Hospitanzen…

Am besten kommen Blogs mit Kim Kardashians Arsch an

Und selbst wenn man das langersehnte Volo ergattert, erhält man höchstens 1.000 Euro monatlich, in einer Stadt wie München, die schon mindestens 600 Euro Miete verlangt. Die einzig Klugen sollen also die Blogger sein, die mit ihren ausgewieften, noch nie dagewesenen Ideen online die Welt regieren. Am besten kommen da natürlich Artikel, Videos oder Bilder mit Katzen-Content, Kacke-Emojis oder Kim Kardashians Arsch. Und es geht noch weiter: Selbst diese Blog-Artikel werden von Usern auf Smartphones weniger auf Startseiten von spezifischen Medien aufgerufen, sondern auf Facebook, WhatsApp oder Twitter, wenn Freunde sehen, was Freunde gerade geteilt haben. Das wiederum wird sich auch sehr stark auf die Workflows von Medien auswirken.

Cat Content geht immer!

Cat Content geht immer!

Aber wie es halt nun mal so ist und leider schon immer war, interessieren sich anscheinend mehr Menschen für „Bauer sucht Frau“ als für eine Doku über „Tadschikistan“. Kein Grund zur Annahme, dass deswegen die anerkannten Tageszeitungen mit gut recherchiertem Inhalt aussterben – sie verlagern nur mehr und mehr das Medium, über das sie publizieren. Und junge, innovative, ehrgeizige Blogger sind ja schön und gut, aber qualitativ hochwertige Inhalte, sofern man diese sucht, sollte man schon noch voneinander unterscheiden können, genauso wie im Fernsehen oder in den Zeitschriften. Wir leben nun einmal in einer Zeit, in der sich medial vieles sehr schnell ändert und ob das nur schlecht ist, sei außer Frage.

Ich kann denjenigen, die einen harten und steinigen Weg bis zum Beruf „Journalist“ oder „Redakteur“ noch vor sich haben, nur Folgendes raten: Wenn es das ist, was man machen will, sollte man sich nicht unterkriegen lassen. Immer noch besser als etwas zu studieren, das einem keinen Spaß macht und sich deshalb später dafür ärgern!

Daniela Rothgang

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