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Gesundes Essen um jeden Preis?

Die Tücken eines gesunden Lebensstils

In den letzten Monaten und Jahren werden wir von einem Gesundheitswahn sondergleichen heimgesucht: Es gibt mittlerweile unzählige Ernährungsweisen und jede wird von der einen Seite als falsch, von der anderen als die einzig wahre konnotiert. Egal ob Low Carb, Vegan, Clean Eating, Basische Ernährung, Raw-Till-Four, Paläo-Ernährung und wie die etlichen Konzepte alle heißen – jede wird von ihren Vertretern als die ultimative Methode benannt, um nicht nur abzunehmen, sondern auch noch Symptome wie Migräne zu heilen. Die Haut soll besser werden, Kopf-, Bauch- und Regelschmerzen gehen zurück und das allgemeine Wohlbefinden steigt an. Und am besten wird zwischendurch alle paar Monate eine ordentliche Entgiftungskur eingelegt.

Salat - ein leckeres Abendessen oder Kaninchenfutter? (c) Charlotte Horsch

Salat – ein leckeres Abendessen oder Kaninchenfutter? (c) Charlotte Horsch

Mittlerweile scheint die Sehnsucht nach Gesundheit auch in der allgemeinen Gesellschaft angekommen zu sein. So gehen die Verkaufszahlen von McDonald’s und Co. beispielsweise deutlich zurück. Und selbst in Werbungen für Zigaretten wird nicht mehr geraucht, stattdessen werden junge, glückliche und erfolgreiche Menschen abgebildet – ohne Glimmstängel. Wer sich über eine bestimmte Ernährungsweise informieren will oder nach Rezepten sucht, muss nicht mehr ein teures Kochbuch besorgen, sondern kann sich von Food-Blogs aus aller Welt inspirieren lassen. Und auch auf Instagram wird gerade jungen Mädels genügend „Inspiration“ geliefert von jungen, schönen und perfekt trainierten Frauen, die natürlich nur Obst, Gemüse, Quinoa und Porridge zu sich nehmen. Selbst für den Sport muss man nicht mehr Geld ausgeben, auf Youtube gibt es genügend Fitness-Accounts, die uns in Yoga, Pilates oder andere Sportarten einweisen. Zudem tauchen selbst im Fernsehen immer öfters zwischen der Werbung für Lieferservices und Fertigpizza Spots für die Sportprogramme verschiedener C-Promis auf – Detlef D. Soost brennt nur so darauf, uns endlich sexy machen zu können!

Ein Eisbecher - leckeres Schlemmen oder unnötige Kalorienbombe? (c) Charlotte Horsch

Ein Eisbecher – leckeres Schlemmen oder unnötige Kalorienbombe? (c) Charlotte Horsch

An sich ist dieser Trend natürlich positiv – was ist verkehrt daran, auf seine Gesundheit zu achten, lieber zum Gemüse als nach den Fritten zu greifen und regelmäßig Sport zu machen? Doch wie so vieles hat dieser Trend zwei Seiten: Denn auch wenn es natürlich sehr gut ist, sich über seine Essgewohnheiten Gedanken zu machen und den Konsum von Fertiggerichten bei Betrachtung der Inhaltsstoffe vielleicht sein zu lassen – doch sollte man auf keinen Fall den Genuss und den Spaß am Essen verlieren! Es ist sehr nervig für beide Seiten, wenn bei einer Einladung zum Essen Extrawünsche gestellt werden, da man dieses oder jenes gerade nicht essen möchte. Ebenso kann man seinen Freunden beim gemeinsamen Restaurant-Besuch eine waschechte Geduldsprobe stellen, wenn man die Speisekarte aufs Äußerste studiert und mit dem Kellner über Zutaten und mögliche Änderungen diskutiert. Denn damit macht man nicht nur den eigenen Genuss zunichte, im schlimmsten Fall kann man so auch anderen die Freude am Essen vermiesen. Denn wer bestellt schon gerne guten Gewissens ein Schnitzel mit Pommes, während das Gegenüber in einem Salat mit separatem Dressing herumstochert und ja kein Weißbrot dazu essen möchte.

Grundsätzlich kann und sollte natürlich jeder das essen, was ihm schmeckt und gut tut, allerdings kann man einigen Mitmenschen raten, sich ein wenig zu entspannen! Ein Eisbecher, den man beim Treffen mit seinen Lieben einnimmt, ist selten tödlich. Und ein großer Teller Pasta kann glücklich machen. Man sollte sich nicht selbst verrückt machen, sondern sein Essen bewusst zu sich nehmen, gemeinsame Treffen zelebrieren und kein schlechtes Gewissen dabei haben. Und wen ein Abend der Völlerei mit Freunden doch wurmt, der kann ja gleich das nächste Treffen für den kommenden Tag organisieren – zum gemeinsamen Joggen im Park zum Beispiel.

Charlotte Horsch

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