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Fifty Shades of Fucked Up

Bye Bye Emanzipation

"Shades of Grey": Sexualität vs. Emanzipation?

„Shades of Grey“: Sexualität vs. Emanzipation?

„Anastasia“. Die Aufzugtüren schließen sich langsam. „Christian.“ Lippenbeißen. Close Up.

Ein sehnsüchtiger Blick auf die geschlossenen Aufzugtüren. Erotik pur. Wer da nicht angeturnt wird, der hat kein Herz, der hat kein Blut, der hat nur schlichtes Wasser in den Adern! Oder halt einfach mehr Erwartungen an Sexualität. Vielleicht reicht da einfach eine aufgepimpte Version von Twilight für Erwachsene schlicht nicht, um die Fantasie zu beflügeln.

Shades of Grey: Twilight für Erwachsene?

Vielleicht ist das Klischee des unnahbaren Mannes, der sich unsterblich in eine naive junge Frau verliebt (aber eigentlich nicht gut für sie ist) schon leicht ausgelutscht. Die Story ist simpel: „Komm her, ich brauch dich. Nein geh weg, ich werde dir wehtun. Komm her, es geht nicht anders. Geh! Ich tu dir nicht gut! Okay, du kannst bleiben.“

„Ich schlafe nicht mit jemandem. Ich ficke. Hart.“ Darf ich vorstellen: Christian Grey, der Mann der Sado Maso gesellschaftsfähig macht! Der Mann, der Frauen gerne den Arsch versohlt und sie mit Krawatten in 50 verschiedenen Grautönen fesselt. Der Mr. Grey, der Sie jetzt empfangen wird…“

Und dann gibt es da noch Anastasia Steele, die zwar noch Jungfrau ist, aber natürlich gerne über einen Vertrag nachdenkt, der sie zur Sexsklavin macht. Man lebt ja schließlich nur einmal! No risk, no fun!

No risk, no fun: Man gönnt sich ja sonst nichts

Aber mal ganz ehrlich: Man schaut sich doch den Film an, um mitreden zu können. Okay. Wirklich befürworten kann man den Kern dieser Story doch nicht wirklich. Vor allem als Frau. Da wird eine junge Studentin, die intelligent und selbstständig ist, zum Spielzeug eines stinkreichen Typen. Der hat Lust daran, sie zu unterdrücken und zwar nicht nur im Bett. Das ist ein Überbleibsel aus dem Jahrtausende andauernden Patriarchat, das anscheinend noch stark in Greys Gedächtnis verankert ist.

Totale Kontrolle, nicht nur im Schlafzimmer

Er will ihr vorschreiben, was sie zu essen hat, was sie zu trinken hat. Dass sie ihre Augen nicht mehr verdrehen darf, weil das unhöflich wäre. Entschuldigung, ich finde es viel unhöflicher, wenn man trotz seinen 21 Jahren von einem wildfremden Mann immer noch wie ein Kind behandelt wird. Natürlich könnte sie es darauf anlegen, aber dann wird sie bestraft. Die Klapse auf den Po sind ja noch lieb gemeint, aber sobald Grey den Gürtel auspackt, hört der Spaß doch definitiv auf. Das ist kein Schlafzimmerspielchen mehr, das  grenzt stark an Frauenverachtung.

Aber „Fifty Shades of Grey“ ist ja schließlich bloß ein Film. Die Geschichte ist dafür gedacht, um zu polarisieren. Also, was regen wir uns eigentlich auf?

Jana Heigl

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