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Fasten 2.0

Warum fasten junge Menschen?

40 Tage: So lange dauert im Christentum die Fasten- oder Passionszeit an. Der Bibel nach verbrachte Jesus im Anschluss an seine Taufe 40 Tage in der Wüste und widerstand dort den bekannten drei Versuchungen  des Satans –  noch heute gedenken viele Christen dieser Leidenszeit Jesu, indem sie bewusster leben und den kleinen „Versuchungen“ des Alltags gegenüber standhaft bleiben. Doch wie genau wird das im Hier und Heute tatsächlich umgesetzt? Was bedeutet „Fasten“ eigentlich, worauf wird verzichtet und warum, und werden die Vorsätze dann auch eingehalten? Gehört Fasten überhaupt zum Christ – Sein dazu?  Inga (18), Melina (19), Max (19) und Jeannine (18) stehen Rede und Antwort zum Thema „Fasten“.

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Inga (18): Fasten hat etwas mit Besinnung zu tun.

Inga (18), Auszubildende zur Rettungsassistentin

Inga (18), Auszubildende zur Rettungsassistentin, (c) Inga C.

„Fasten bedeutet für mich, auf etwas zu verzichten, was mir nicht unbedingt leicht fällt, aber letztendlich gut für mich ist. Wie fast jedes Jahr faste ich auch heuer wieder. Ehrlich gesagt habe ich mir noch nie so besonders viele Gedanken darüber gemacht, warum eigentlich, aber jetzt, wo ich so drüber nachdenke, glaube ich, es hat was mit Besinnung zu tun, aber nicht nur.

„Die Herausforderung und das Gefühl hinterher, es geschafft und etwas Gutes für mich getan zu haben, reizen mich.“

In diesem Jahr mache ich es mir nicht ganz so schwer und verzichte nur auf Alkohol, im Gegensatz zu manch anderen Jahren, in denen ich z.B. auf alles, was Zucker oder viele Kohlenhydrate enthält, oder Fernsehen verzichtet habe. „

Ihre Vorsätze hält die 18-Jährige bis auf eine Ausnahme auch ein: „Meine Geburtstagsparty, ist halt einfach blöd, in der Fastenzeit Geburtstag zu haben.“

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Melina (19): Religion muss nicht, kann aber

 „Wir alle können es uns leisten, einige Wochen auf etwas verzichten, was wir sonst gerne haben.“

Melina (19), Studentin an der LMU (Literaturwissenschaften)

Melina (19), Studentin an der LMU (Literaturwissenschaften), (c) Melina B.

„Fasten bedeutet für mich, über einen vorab festgelegten Zeitraum auf etwas zu verzichten, das man normalerweise oftmals genießt und daher zur Gewohnheit geworden ist. Auch wenn ich nicht streng gläubig bin, ist es für mich ein Zeichen der Erinnerung und Dankbarkeit gegenüber Christus, der Leiden auf sich genommen hat, um die Welt zu erlösen. Fasten muss meiner Meinung nach nicht einen religiösen Grund haben. Auch dem Menschen selbst tut es gut, sich durch den Verzicht auf eine Sache Bewusstsein zu verschaffen und Dinge nicht für selbstverständlich zu halten, sondern Dank für den Genuss zu entwickeln.

Wenn ich mir vornehme zu fasten, mache ich mir vorher Gedanken, welche Dinge in meinem Leben momentan Überhand gewonnen haben. Das kann immer etwas anderes sein. Vor ein paar Jahren habe ich während der Fastenzeit auf Facebook verzichtet, einige Male habe ich keine Süßigkeiten gegessen. Dieses Jahr habe ich mich gegen Alkohol entschieden.

Durch das Fasten Jesus’ selbst gehört der Begriff „Fasten“ meiner Meinung nach definitiv zum Christentum und jeder sollte sich dessen bewusst sein. Die Handlung aber, auf etwas zu verzichten, für mich weniger. Es ist weder Pflicht, noch auf irgendeine Weise vorgeschrieben und jeder sollte dies für sich entscheiden und gegebenenfalls durchführen. Es ist einfach ein schönes Zeichen, wenn jemand es setzen möchte, wie ich finde.“

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Max (19): Eine Grundhaltung des Christentums

Max (19), Student an der LMU (katholische Theologie)

Max (19), Student an der LMU (katholische Theologie), (c) Maximilian M.

„Fasten heißt Verzicht. Man zeigt dadurch, dass das, worauf man verzichtet, das Leben nicht bestimmt. Dadurch setzt man ein Zeichen, was wirklich wichtig ist und worauf man nicht verzichten kann. Ich verzichte momentan auf Alkohol und versuche, weniger Fleisch zu essen. Das ist bei mir definitiv religiös motiviert – eben als Vorbereitung auf das Osterfest. Die Fastenzeit ist auch Bußzeit, darum sollte man sich besinnen, ruhig werden und für sich selbst und andere deutlich machen: Es geht auf Ostern zu, das Zentrum des Glaubens.“

Max hält seine Vorsätze dann auch konsequent ein. Fasten gehört für ihn zum Christentum dazu. Schließlich sei es „neben Beten und Almosen geben eine der Grundhaltungen des Christentums.“ Ist verzichten zu können eine Voraussetzung, um ein „guter Christ“ zu sein? „Ich würde das andersrum formulieren – ich würde es eher so sagen:

„Aus einem „guten“ gelebten Christentum erfolgt die Bereitschaft und Fähigkeit, verzichten zu können.“

Wer Christ ist, der kann auch verzichten, oder will zumindest auch verzichten können.“

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 Jeannine (18): Ein Blick für das Wesentliche

Jeannine (18), Studentin an der LMU (Psychologie)

Jeannine (18), Studentin an der LMU (Psychologie), (c) Jeannine F.

„Fasten bedeutet für mich, sich von dem ganzen Überfluss und Konsum, den wir in Europa genießen dürfen, zu distanzieren und sich zu besinnen. Erst wenn ich mich mal bewusst zurücknehme, kann sich auch mein Blick für die vielen Menschen öffnen, die nichts haben, und die mit dem absoluten Minimum an Konsum absolut zufrieden sind. Wie absurd ist es, sich aufzuregen, dass der Coffee-to-go heute von der Verkäuferin nicht so gemacht wurde, wie ich ihn am liebsten mag, wenn am anderen Ende der Welt Menschen um ihre Existenz hungern? Fasten kann uns offener für diese furchtbare Realität machen und bei der Frage, worauf es im Leben wirklich ankommt, viele Dinge in unserem Fokus wieder geraderücken.

Dieses Jahr ist mir aufgefallen, wie viel Zeit ich bisher dafür verwendet habe, mir Filme und Videos anzuschauen, und wie viel sinnvollere Dinge ich in diesen verlorenen Stunden tun könnte. Deshalb bleiben in der Fastenzeit mein Fernseher und YouTube aus. Außerdem gehe ich bewusst nicht ins Kino, ins Restaurant oder auf Partys. Ich will mich nicht von allen Seiten berieseln lassen, sondern zur Ruhe kommen und mich auf das Wesentliche im Leben besinnen. Ich habe gemerkt, dass gerade dann, wenn es wehtut, der Verzicht am wertvollsten ist.“

Worin liegt für dich der Sinn der Fastenzeit?

„Mich von weltlichem Konsum, der nur kurzfristige oberflächliche Freude bringt, aber mich letztendlich nicht befriedigt, sondern allerhöchstens in Abhängigkeit treibt, zu distanzieren und mich Gott zuzuwenden, bei dem ich wahres Glück und Zufriedenheit finde, das ist für mich als Christin der tiefste Sinn des Fastens.“

Mehr Infos zum Thema Fasten findet ihr auch hier.

 WR

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