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Der Ernst des Lebens

Warum uns spätestens das Studium erwachsen macht

„Wenn ich später mal groß bin, mach‘ ich alles anders!“, das war als Kind meine Standartantwort. Heute klingen mir diese Worte immer noch nach. Früher war man sich eben sicher: Ich werde als Erwachsener mal viel cooler als alle anderen. Endlich so lange aufbleiben wie man möchte, bis spät in die Nacht Gruselfilme anschauen und dabei so viel Eis, Süßes und Fast Food essen bis einem schlecht wird. Aber heute ist von diesen Träumen nicht mehr viel übrig geblieben. Haben wir uns also doch schon längst in unsere ach so spießigen Eltern verwandelt?

Haben wir uns das Erwachsensein als Kind nicht immer viel cooler vorgestellt?

Haben wir uns das Erwachsensein als Kind nicht immer viel cooler vorgestellt?

Die Realität hat uns längst eingeholt

Denn mal ganz ehrlich: Mitten in der Nacht noch vor der Glotze zu sitzen, ist mittlerweile wohl eher erbärmlich als cool und gewagt. Und bevorzugen wir nicht auch schon längst Mamas selbstgemachten Kaiserschmarn als die bestellte Fertigpizza? Wo sind nur unsere Kindheitsträume geblieben? Die wurden von der Realität schlichtweg erschlagen. Als Erwachsene jagen wir der Zeit hinterher. Alles muss einen Sinn machen und uns ja weiterbringen im Leben: Das richtige Studium und der spannende und lukrative Nebenjob, damit aus uns auch was wird! Einfach mal barfuss über die Wiese laufen, Blumenkränze flechten und gewagte Sandburgen bauen – dafür haben wir längst keine Zeit mehr. Denn  allein schon der Alltag muss immer wieder aufs Neue gemeistert werden. Die tägliche Liste ist lang: Kochen, putzen, einkaufen… Als Kind wäre das unvorstellbar gewesen, damals war schon das Zimmer aufzuräumen die größte Herausforderung für uns. Nicht zu vergessen sind da dann noch die absolut nervige Steuererklärung, die tausend verschiedenen Versicherungen, Strom- und Heizkosten und die ganzen anderen Dinge, vor denen wir uns am liebsten immer noch verstecken würden. Aber anstatt vor ihnen wegzulaufen, stellen wir uns ihnen – jedes Mal aufs Neue.

Das Studium: Endstation der Kindheit

Während wir in der Schule im Pausenhof noch verstecken gespielt haben und in den Freistunden an der Tafel Galgenmännchen gemalt haben, ist in der Uni damit schlagartig Schluss. Und plötzlich muss man auf eigenen Beinen stehen und ist selbst für sein Studium verantwortlich. Nach dem ersten großen Schritt – was studiere ich denn bloß? – stehen wir also da. Kein hilfsbereiter Lehrer, der mal ein Auge zudrückt, wenn wir in der Früh noch müde sind. In der Uni sind wir ein Niemand und gehen in der breiten Masse unter. Nur die Starken schwimmen nach oben, alle anderen müssen ertrinken. Außer: Wir passen uns an, übernehmen Verantwortung, kurz um: Werden erwachsen. Und so basteln wir uns unseren eigenen Stundenplan, schreiben die zahlreichen Hausarbeiten und lernen artig für die Prüfungen, naja meisten. Denn irgendwie steckt ja doch noch ein wenig Kind in uns.

Der Ernst des Lebens

Der Ernst des Lebens

Andrea Hornsteiner

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