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Das Paragraphenzeichen ist unser Schwert

Jura: Trocken und antiquiert oder praxisrelevant?

Schon immer mussten sich Studenten für ihr Studium rechtfertigen. Warum sie sich denn ausgerechnet für dieses und jenes entschieden haben und überhaupt: Was macht man damit später mal? Jedes Studium bringt seine Vorurteile mit sich. Aber stimmen die auch wirklich oder eben so ganz und gar nicht? In der unikaten Serie „Mein Studium, seine Vorurteile und ich“ erzählen Münchner Studenten von ihren Erfahrungen.

Neulich saß ich mit einem Freund beim Lernen im Stucafe, als ein älterer Mann uns ansprach. Der hatte erkannt, dass wir beide Jura studieren. Auch wenn er selbst ein bisschen seltsam war, sind mir seine Worte im Gedächtnis geblieben: „Ihr seid ja dann quasi Paragraphenritter und das Paragraphenzeichen ist euer Schwert.“

Dies möchte ich zum Anlass nehmen, um kurz einmal zu überlegen, was ich da eigentlich studiere. Lerne ich wirklich, die Paragraphen als Waffe zu nutzen? Oder anders formuliert: Was macht mein Studium aus? Wie wirkt es auf andere? Und was bedeutet es für mich? Wenn ich anderen Leuten sage, was ich studiere, ernte ich oft ein bemitleidendes Lächeln:

„Puuh, da musst du ja sehr viel lernen.“

Wenn eines bei Jura nicht wegzudenken ist, dann sind es Bücher, (c) Philipp Früh

Wenn eines bei Jura nicht wegzudenken ist, dann sind es Bücher, (c) Philipp Früh

Ein anderer Klassiker ist auch:

„Das ist aber ganz schön trocken oder?“

Allgemein denkt man scheinbar, dass Jura lernintensiv und trocken ist. Es geht aber auch anders. Das Netteste, was ich jemals gehört habe, war aber: „Jura, wow! Das sind sehr intelligente Leute, die das studieren!“ Ach, war das ein Freudentag für das Ego!

Ich persönlich habe mein Studium auch aus pragmatischen Gründen gewählt. Ich bin politikinteressiert, habe aber in der Politikwissenschaft selbst keine Zukunft für mich gesehen. Andererseits bin ich ein strukturierter Mensch, der sich selbst Regeln auferlegt und anderen Regeln folgt. Aufrührerisch zu sein, war noch nie mein Ding. Da passt Jura. Denn für mich (und ich glaube auch allgemein) ist Jura ein sehr strukturiertes Fach, das lange nicht so trocken ist, wie alle sagen! Wenn ich einen Fall bearbeite, finde ich das deutlich praxisrelevanter, als über den Einfluss des Internets auf unsere Sprachkultur zu sinnieren. Immer wieder beeindruckt mich, wie viel der Gesetzgeber in so wenigen Paragraphen geregelt hat und das es selbst für den ausgefallensten Fall eine passende Entsprechung im Gesetz gibt. Dies ist eine der Seiten, die mir an den Rechtswissenschaften gefällt. Nicht bestreiten lässt sich aber, dass es nun mal ein sehr lernintensives Studium ist und auch die „Ferien“ oft nicht als solche gesehen werden können. Aber von Nichts kommt nun mal Nichts oder?

Ist das Paragraphenzeichen also mein Schwert? Ich denke nein. Es ist vielmehr mein Handwerkszeug, das zusammen mit meinen persönlichen Formulierungen die Menschen von meiner Auslegung des Rechts überzeugen soll. Denn: Alles ist vertretbar.

Philipp Früh

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