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„Als Student hat man doch immer Zeit!“

Über die vermeintliche Dauer-Freizeit als Student

Studenten haben immer Zeit - denkt man jedenfalls

Studenten haben immer Zeit – denkt man jedenfalls

Wer kennt’s nicht? Endlich sind Semesterferien, die Vorlesungszeit ist noch weit entfernt und damit vermeintlich auch alle Sorgen und Pläne. Aber nein, es soll einfach nicht sein – ein Anruf von Zuhause und man findet sich in der gewohnten Stressphase wieder. „Du, sag mal, ist schon ein bisschen her, dass du beim Zahnarzt warst oder? Außerdem müsste dein Ausweis auch bald ablaufen. Jetzt wo du Zeit hast, könntest du dich um sowas ja mal kümmern, hm?“ Ja, Mama… Okay, also ab ans Termine planen. Nur wie bitteschön soll ich das tun? Da Zahnärzte, Ämter und andere öffentliche Einrichtungen erfahrungsgemäß entweder zu absolut unstudentischen Zeiten geöffnet haben oder aber monatelange Wartezeiten die Planung erschweren, fällt es einem eben nicht so leicht, einen Termin auszumachen. Keine Ahnung wie mein Stundenplan für das kommende Semester aussieht. Da hilft auch kein Augenrollen, ich muss warten und notfalls erstmal mit abgelaufenem Ausweis durchs Leben ziehen.

Familienfeiern, Geburtstage – Klausurenphase

„Du weißt, dass deine Tante nächstes Wochenende runden Geburtstag hat?“, eine Frage auf die auf jeden Fall ein „Na klar, da komme ich ganz sicher!“ folgen sollte – leider nicht immer möglich. „Sorry, aber da kann ich nicht. Hab‘ am Montag danach ein Referat…“ – angesäuertes Schweigen am anderen Ende der Leitung. Hüsteln, Räuspern, schließlich: „Hrmpf. Na gut, kann man nichts machen.“ Als würde ich nicht lieber am Buffet sitzen und lecker essen als sonntags in der Bib zu sitzen und Stoff über was auch immer zu sammeln. Das mit dem schlechten Gewissen einreden, klappt dann aber trotzdem immer – als könnte man was dafür.

Wieso hab‘ ich eigentlich nie Zeit – so als Student?

Für Studenten scheint die Zeit nie still zu stehen

Für Studenten scheint die Zeit nie still zu stehen

Das absolute Studentengrauen ist aber immer noch unangefochten die Klausurenphase im Sommersemester. Dank Murphy’s Law ist es fast unvermeidbar, dass kurz vor den Prüfungen bestes Wetter das Lernen erschwert. Man sitzt vor dem Schreibtisch, versucht die Sonne auszublenden und trotz Schweißperlen auf der Stirn irgendwas zustande zu bringen, doch kurz vor dem Ziel: Gelächter von draußen und alles scheint zerstört. Wagt man es tatsächlich, hinter dem Vorhang hervorzulinsen, um zu sehen, wer zur Hölle es wagt, gute Laune zu haben, trifft den lernenden Studenten meist der Schlag. Fröhliche Mitmenschen in kurzen Hosen, Flipflops, Badetaschen und mit unverschämt viel Zeit. Wieso habe ich eigentlich nie Zeit – so als Student? Nach den Prüfungen, schwört man sich, mache ich einfach mal nichts und lege mich in die Sonne. Hat man sich ja auch verdient, sollte man meinen. Am Tag der letzten Prüfung, kurz vor dem Ziel – graue Wolken und eine Radiosprecherin, die sich ihre Sympathiepunkte nun endgültig verspielt hat: „Tief Günther sorgt die nächsten Tage erstmal für Regen.“ – „Haha“, lacht das Leben, „haste dir so gedacht.“

Irgendwann wird alles besser

… denkt man sich und soll zum Glück Recht behalten. Irgendwann ist der Stundenplan endlich fertig, der Zahnarzttermin geplant, der neue Ausweis fertig, und Tief Günther verschwunden. Und tatsächlich findet man dann endlich mal Zeit – für was auch immer. Und sei es einfach „nur“ mal Zeit, morgens auszuschlafen – denn an Schlaf mangelt es dem ein oder anderen armen Studenten unter dem Semester oft am meisten.

Manja Faulhaber

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