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A guada Bayer grantelt

Episode 1 – Fahrkartenkontrolle

Man steigt morgens in den Bus und hat den Kopf schon ganz woanders. Wie krieg‘ ich das mit der Arbeit auf die Reihe, wenn die Hausarbeit am Montag fertig sein muss? Wieso hab ich Vollidiot eigentlich nicht früher angefangen? Und komme ich heute überhaupt noch rechtzeitig nach Hause, um was einzukaufen? Oh nein… im Kühlschrank ist absolute Ebbe. Zaaack! Ein lautes Geräusch im Bus lässt einen aufhorchen:

„Grüß Gott, die Fahrscheine bitte!“

Na servus, zivile Fahrkartenkontrolleure. Es gibt bestimmte Menschen mit bestimmten Berufen, die rauben mir den letzten Nerv. Und die Undercover-Wächter der MVV gehören mit Sicherheit dazu. Wer kennt sie nicht? Genau wie bei vielen Securitys scheint den meisten zivilen Fahrkartenkontrolleuren dank ihres Berufs ein überdimensional großes Ego eingepflanzt worden zu sein.

Das „Grüß Gott, die Fahrscheine bitte“ klingt nicht nach einem normalen Satz, vielleicht einer Bitte. Nein, es klingt nach „Wodka Martini, geschüttelt, nicht gerührt“, nach „Schau mir in die Augen, Kleines“ nach „Nun nehmen Sie mal schön die Hände hoch und Ihnen wird nichts passieren“. Im Hintergrund Donnergrollen, die Erde bebt. Gibt es da vielleicht eine Schulung vor dem ersten Einsatz? „So verschaffen Sie sich Respekt – wie ich, wie ein adliger Patriarch klinge“. Wobei – dass es wirklich eine Schulung gibt, halte ich für höchst unwahrscheinlich. Natürlich gibt es auch nette, kompetente Kontrolleure, eine Entschuldigung an dieser Stelle! Aber die Mehrheit? Sieht aus wie ein heruntergekommener Ethanolfetischist, der sich so sein Geld für das nächste Schnäpschen verdient.

Kermit - der grantige Bayer

Und leider haben wohl die Wenigsten bis heute eine Ahnung, wie das mit dem Semesterticket in München eigentlich genau funktioniert. Sollten sie sich den Durchblick im Fahrkartendschungel aber antrainiert haben, dann Gnade euch Gott, wenn da auch nur das kleinste Fitzelchen der Norm widerspricht. Ein Bekannter musste einmal für angebliches Schwarzfahren blechen, weil er in der Tram vorne eingestiegen ist und dann auf dem Weg zum Automaten in der Tram noch keine Fahrkarte vorweisen konnte: „Wenn er wirklich die Absicht gehabt hätte einen Fahrschein einzulösen, wäre er ja wohl bei der anderen Türe direkt beim Automaten eingestiegen!“ Jaa, genau.. Her mit dem Zaster! Scheiß auf Sex und Kartoffelsalat, sowas verschafft wirkliche Befriedigung!

Viele beharren ja immer noch auf dem Vorurteil, Maurer würden sich so viele Bierchen während der Arbeit einbauen. (Anm. d. Red.: Zwei Maurer fahren an einer Wiese vorbei. Mitten auf der Wiese steht ein Kasten Bier. Da sagt der eine Maurer zum anderen: Hee, was wird denn da gebaut?) Das halte ich für ein Gerücht. Spätestens wer Monika Grubers altes Bühnenprogramm gesehen hat, weiß, dass Maurer Bionade zapfen. Ganz klar, die müssen ja im Zweifel auch noch Auto fahren. Der gute Fahrkartenkontrolleur aber zuckelt den ganzen Tag mit den Öffentlichen durch die Gegend. Gelegenheit macht… Saurausch.

Natürlich möchte ich an dieser Stelle nicht nur die Agenten in Zivil verurteilen. Wenn man grantelt, dann auch gscheid. Die sächsischen Kollegen habe ich ja noch viel lieber. Und dann erst die Bahnsicherheit! Wer sich nicht mehr vor einem fragwürdigen Nachtclub in Bomberjacke beweisen muss, sondern in blau-rot mit Franzosenkapperl auf der Rübe durch die heiligen Bahnhofsmeilen marschieren darf, hats im Grunde geschafft. Welche Frau könnte nicht schwach werden bei den neckischen Handschellen und dem Schlagstock im Anschlag. Puhhh.. aber ich schweife ab.

Viel Spaß bei eurer nächsten Kontrolle. Ob man da ein gültiges Fahrticket hat, ist wirklich das kleinste Problem.

P. S.: Ein paar Tage nach Verfassen des Artikels bin ich in der U-Bahn von einem wirklich ziemlich schnuckligen Agenten in Zivil kontrolliert worden. Schande über mich! Aber so lässt man sich doch gerne eines Besseren belehren.

Julia Haas

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