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Zu gut für die Tonne

Wenn Essen im Müll landet – Containern als letzte Rettung

Über die immense Menge an noch haltbarem Essen, die jeden Tag weggeschmissen wird, weiß inzwischen wohl jeder mehr oder weniger Bescheid. Trotz Institutionen, wie beispielsweise der Bahnhofsmission, landen zu viele Lebensmittel noch immer im Müll. Die Essensretter haben sich entschieden, etwas aktiv dagegen zu tun. Sie möchten Lebensmittel retten,anstatt sie teuer im Laden zu kaufen. Unikat hat ein exklusives Interview mit einem Aktivisten der Essensretter geführt. Ein Gespräch mit dem Münchner Umweltaktivisten und Studenten Frank M. (Name geändert) über Container Hopping.

Lebensmittelretter suchen in Mülltonnen nach noch gutem Essen

Lebensmittelretter suchen in Mülltonnen nach noch gutem Essen

Seit wann gibt es die Essensretter und wie wurde die Community gegründet?

„Die E-Retter sind mehrere kleine Gruppen, die regelmäßig containern. Soweit ich weiß, stammt der Name von einer Aktiven, die eine Zeit lang direkt auf fremde Leute zugegangen ist und auch „Führungen“ gemacht hat. Ich selbst benutze den Begriff noch nicht. Da sich zurzeit aber auch einiges tut, könnte es durchaus bald zu mehr Vernetzung kommen. Auch verstärkt durch Projekte wie foodsharing.de.“

Wie läuft eine Container Hopping „Session“ ab? Was muss man beachten und welche Planungen gehen voran?

„Was man unbedingt dabei haben sollte, ist eine Taschenlampe, im Idealfall eine Stirnlampe. Dann hat man die Hände frei und sieht, was sich in den Mülltonnen befindet. Außerdem macht sich ein großer Rucksack bezahlt, nebst vielen kleinen Plastiktüten. Manche Verpackungen sind von ausgelaufenen Flüssigkeiten überzogen, die man ungern im eigenen Rucksack haben will. Damit kann es dann auch schon losgehen.

„Je nach Supermarkt ist man dann in einem dunklen, ruhigen Hinterhof oder auch auf der beleuchteten Straße unterwegs.“

Generell ist es nicht verkehrt, sich ruhig zu verhalten, was angesichts des immer wiederkehrenden Staunen oft gar nicht so einfach ist. Wenn man dennoch mal Passanten vor sich hat, hat es sich bewährt, ganz offen zu erklären, was man gerade macht und warum. Da trifft man in der Regel auf Verständnis. Vor 22.00 Uhr sollte man nicht aufbrechen, da ich schon einmal zu früher Stunde auf einen erbosten Mitarbeiter getroffen bin. Manche Standorte sind recht nah beieinander. Da lohnt es sich auch, gleich mehrere Läden hintereinander zu besuchen.“

Wie sieht es mit der rechtlichen Lage aus?

„Ein ungeklärter Punkt. Angeblich schwingen beim Containern die beiden Tatbestände Hausfriedensbruch und Diebstahl immer etwas mit. Das klingt jedoch vermutlich schlimmer als es in der Praxis ist. Problematisch wird es natürlich, wenn Einbruch oder Sachbeschädigung dazukommen. Zum Beispiel dann, wenn in einen abgesperrten Bereich eingedrungen wird oder Mülltonnen demoliert werden. Es ist selbstverständlich, dass sowohl Polizei, Eigentümer und auch Passanten da empfindlicher reagieren. Solange die Tonnen ohne Weiteres zugänglich sind, und man sich vernünftig verhält, sollte man sich meiner Meinung nach keine grauen Haare wachsen lassen.“

Wie viele Studenten machen derzeit aktiv bei den Essensrettern  mit?

„Nicht, dass ich es für repräsentativ halte, aber von den containernden Leute, die ich getroffen habe, sind nicht mehr als die Hälfte Studenten. Und von Jugendlichen bis zu Senioren ist aber alles dabei.“

Wie siehst du die Tendenz in die Zukunft? Mehr Kooperation mit den Geschäften oder eher das Gegenteil?

„Das ist eine schwierige Frage! Was mir auffällt:

„Bio-Supermärkte sind in Gesprächen scheinbar tendenziell entgegenkommender als andere.“

Wünschenswert wäre es aber allemal, dass das nicht völlig legale Containern durch mehr Kooperation mit den Geschäften abgelöst wird. Ich selbst habe noch nicht versucht, einen Deal mit dem Geschäftsführer eines Supermarktes auszuhandeln, aber für unmöglich halte ich es nicht. Meine Befürchtung ist allerdings, dass durch die strikte Unternehmenspolitik der großen Ketten auch interessierten Filialleitern oftmals die Hände gebunden sind. Eine andere Möglichkeit wäre natürlich, Lebensmittelverkäufern durch neue Gesetze Anreize zu geben, Lösungen für die Problematik zu finden.“

Was empfiehlst du Leuten, die einsteigen wollen?

„Bevor ich das erste Mal containern war, habe ich es mir vor allen Dingen eklig vorgestellt.“

„Das ist es zwar hin und wieder auch, aber wer einmal erlebt hat, wie einwandfreie Lebensmittel einfach so in der Mülltonne liegen, wirft die allgemeine Skepsis recht schnell über Bord. Man kann es anfangs überhaupt nicht fassen, was da vor sich geht. Und allein das ist schon ein wichtiger Lerneffekt. So etwas ringt völlig anders ins Bewusstsein, als Fotos, Videos oder gigantische Zahlen. Einige Supermärkte beliefern die Tafel oder andere karitative Einrichtungen. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Supermärkte nichts wegwerfen.“

Wer sich für die Essensretter interessiert und vielleicht selbst das Containern ausprobieren möchte, findet auf der Website von Dumpstern weitere Informationen dazu.

Alexander Zacharias, Andrea Hornsteiner

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