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Mit dem Fernbus durch ganz Deutschland

160 Mal täglich von München in die Welt

Dass das Reisen mit der Deutschen Bahn gerade für Studenten oft viel zu teuer ist, wissen wir schon lange. Noch dazu haben in letzter Zeit einmal mehr Streiks und zahlreiche Zugausfälle zum reinsten Verkehrschaos und vor allem zu großer Frustration auf Seiten der Reisenden geführt. Als strahlende Retter in der Not erwiesen sich da die vielen Fernbus-Anbieter, die es mittlerweile in Deutschland gibt und die ratz fatz Zusatzfahrten anboten, um die Ausfälle bei der Bahn auszugleichen. Doch sind Fernbusse auch dann eine empfehlenswerte Alternative, wenn die Bahn fährt, wie sie soll? Dauert die Fahrt nicht ewig und ist super unbequem? Ich habe das am eigenen Leib getestet und bin in einem Fernbus mitgefahren.

Genau 431 Kilometer trennen mich als Wahl-Münchnerin von meiner Familie im Saarland — 431 Kilometer, die regelmäßig, das heißt alle drei bis vier Wochen, und dazu noch möglichst kostengünstig überwunden werden wollen. Ein Auto habe ich nicht und eine Flugverbindung zwischen München und Saarbrücken gibt es leider auch nicht. Bleiben also noch Bahn oder Bus. Da ich wegen Hausarbeiten, Referaten und Job nur spontan buchen kann, würde mich der ganze Spaß einer Hin- und Rückfahrt bei der Deutschen Bahn oft an die 100 Euro oder mehr kosten. Zu viel für eine Studentin, die in München eine Wohnung bezahlen muss (aber das ist eine andere Geschichte). Meine Wahl fällt daher in den meisten Fällen auf MeinFernbus. Das sind die quietschgrünen Busse, die ein bisschen Farbe in den deutschen Straßenverkehr bringen und außerdem als Einzige eine Direktverbindung zwischen meiner Neu- und meiner Alt-Heimat anbieten. Gerade mal 44 Euro muss ich hier berappen: Das klingt doch gleich viel besser! Der Preis-Punkt geht also eindeutig an das Team Fernbus.

Vom ZOB an der Hackerbrücke starten die Busse ihre Fahrt, (c) Richard Huber

Vom ZOB an der Hackerbrücke starten die Busse ihre Fahrt, (c) Richard Huber

Der Fernbus ist kein Ponyhof

Ist der Tag der Reise dann gekommen, geht’s ab zum ZOB an der Hackerbrücke, direkt am Hauptbahnhof und leicht zu erreichen mit den Tramlinien 16 und 17 oder der S-Bahn. Gerade tagsüber ist dort immer viel los und an den Bussteigen bilden sich schnell lange Schlangen. Deshalb heißt es früh da sein, um mir als eine der Ersten einen Platz im Bus zu erkämpfen. Dann stehen die Chancen nämlich gut, dass ich während der Fahrt die Aussicht von einem Fensterplatz aus genießen kann oder doch zumindest nicht direkt neben der Bustoilette sitzen muss (es gibt nicht viel Unangenehmeres auf dieser Welt, das kann meine Nase aus eigener Erfahrung versichern). Außerdem markiere ich auch gleich die Steckdose am Platz mit dem Ladegerät meines Laptops oder Smartphones als eigenes Territorium. Das mag etwas egoistisch sein, das gebe ich zu, aber das Leben im Fernbus ist nun mal kein Ponyhof: Pro Sitzreihe gibt es nämlich immer nur einmal Strom und den brauche ich für Unterhaltungszwecke, aber dazu später mehr.

Haben es auch die letzten der Mitfahrer in den Bus geschafft, kann es losgehen. Mit etwas Glück, meiner (extragroßen) Tasche auf dem Nebensitz und meiner grimmigsten Miene im Gesicht lassen mich die anderen Fahrgäste in Ruhe und ich habe den Doppelplatz für mich alleine. Dann kann ich es mir gemütlich machen, die Beine ausgestreckt, die zusammengeknüllte Jacke als provisorisches Kissen hinterm Kopf. So weit, so bequem, aber das funktioniert nur, wenn der Bus nicht vollkommen ausgebucht ist. Setzt sich dann doch jemand neben mich, wird es leider eng: Von Beinfreiheit kann in Fernbussen nämlich nicht wirklich die Rede sein, aber schließlich bezahlt man hier auch nicht den Preis einer Reise im Luxus Liner.

Bin ich erst mal häuslich eingerichtet, stellt sich als nächstes die Frage: Wie verbringe ich die nächsten sieben Stunden meines Lebens? So lange dauert nämlich meine Reise in die Heimat. Der netter Busfahrer hat prompt einen Vorschlag parat. „Natürlich steht Ihnen an Bord unser kostenfreies W-Lan zur Verfügung!“, verkündet er und sofort werden allseits die Laptops ausgepackt. Facebook, Youtube & Co., ich komme! Doch halt, zu früh gefreut. Im nächsten Moment schiebt unser Fahrer kleinlaut hinterher, dass sich das ganze noch im Testbetrieb befinde. Und für Menschen wie mich, die grundsätzlich zu den Pechvögeln dieser Welt gehören, heißt das meistens schlicht und einfach: Doch kein Internet. Na gut, dann was anderes. Schließlich habe ich nicht umsonst meine halbe DVD-Sammlung in meine Tasche gestopft und mir gleich zu Beginn der Fahrt die Steckdose gesichert! Also fix die neueste Staffel der Lieblingsserie eingelegt, Kopfhörer aufgesetzt und weggebeamt. Realitätsflucht im Fernbus, da vergeht die Zeit doch erstaunlich schnell. Und weil Binge Watching ohne Snacks nicht funktioniert, werden zwischendurch eine Tüte Gummibärchen oder eine Dose Erdnüsse beim Busfahrer erstanden. So lässt es sich doch alles in allem ganz gut Reisen. Nur wenn die Natur ruft, könnte es noch mal unangenehm werden. Stops an Raststätten werden hier nämlich keine eingelegt, schließlich will ein strikter Zeitplan eingehalten werden. Wenn es dann nicht mehr anders geht, bleibt also nur der Gang zur Bustoilette. Ein schwankendes Fahrzeug, eine Haltestange an der Wand und eine viel zu kleine Kabine sorgen zwar für Akrobatikeinlagen, die durchaus einen Oscar für den besten Stunt verdient hätten, aber auf diese Erfahrung kann ich doch gern verzichten. Also lieber: Die Beine zusammenkneifen!

Wer hat die Nase vorne: Fernbus oder Bahn?, (c) Wikimedia Commons/Hoff1980

Wer hat die Nase vorne: Fernbus oder Bahn?, (c) Wikimedia Commons/Hoff1980

Wiedersehen macht Freude – und die Fahrt erträglich

Zwischen Filme schauen und Landschaften betrachten vergehen dann auch die längsten sieben Stunden und (meist pünktlich!) um 22.35 Uhr heißt es endlich: „Nächster Halt, Heimat!“. Ganz filmreif steige ich aus dem Bus, leicht zerknautscht aber glücklich, und umarme erst mal meine Lieben, die schon voller Vorfreude am Busbahnhof stehen. Lachen, Küsschen, Freudentränchen. Und ganz ehrlich? Das ist es immer wieder wert, in diesen Bus zu steigen. Gäbe es ihn nicht, könnte ich mir ein Wiedersehen mit meiner Familie nur alle paar Monate leisten — für mich unvorstellbar. Und deshalb, trotz Enge, etwas längerer Fahrtzeiten und nicht funktionierendem W-Lan: Danke, ihr Fernbusse! Ihr bringt mich zuverlässig und günstig nach Hause und letztlich ist es das, was mich immer wieder zum Einsteigen bewegt.

Wer jetzt nicht unbedingt das flächenmäßig kleinste Bundesland besuchen will, dem seien an dieser Stelle noch ein paar andere Ziele schmackhaft gemacht: Unter den rund 160 Städten, die täglich vom Münchner ZOB aus angefahren werden, finden sich etwa Berlin, Hamburg, Wien, Salzburg und Prag — klingt doch ganz wie die Must-See-Liste, die jeder von uns schon einmal im Kopf notiert hat, oder? Gibt’s alles schon für unter 30 Euro pro Strecke. Und wenn man auf den Städtetripgleich noch ein paar Freunde mitnimmt, gibt es bei MeinFernbus und DeinBus sogar noch einen vergünstigten Gruppenpreis. Die Buchung ist übrigens auch ganz easy: Einfach online die Fahrt aussuchen, Zahlungsdaten eingeben und schon kommt das Ticket zum Ausdrucken per Mail nach Hause oder auf das Smartphone. Und wenn doch mal was dazwischenkommen sollte, lassen sich die Fahrten natürlich auch stornieren, allerdings meistens nur gegen Ausstellung eines Gutscheins und manchmal sogar nur gegen Stornogebühr. Ärgerlich, ja, aber bei dem riesigen Streckennetz und den vielen tollen Städten, die man eh schon immer mal besuchen wollte, kommt die nächste Fernbusreise doch eh bestimmt.

Carina Diemann

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