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„Wunderschöne Gesichter und hässliche Fratzen“

Polizeikriminalrat Wolfgang Wenger, 57, hatte seinen ersten Dienst auf dem Oktoberfest am 27. September 1980. Seit zwölf Jahren ist er Pressesprecher des Münchner Polizeipräsidiums. Er ist eines der bekanntesten Gesichter der Wiesn.

 

Jetzt sind Sie 32 Jahre lang mit dabei. Irgendwann reicht’s einem doch, oder?

Nein, wir können uns sogar kaum retten vor Freiwilligen. Wir sind hier etwa 300 Kolleginnen und Kollegen. Eigentlich melden sich doppelt so viele für die Wiesnwache. Viele Menschen glauben, der Dienst sei ein Muss, aber das stimmt nicht. Die Wiesn ist für uns etwas Besonderes, man muss einmal dabei gewesen sein, um als Münchner Polizist komplett zu sein.

 

Das müssen Sie genauer erklären.

Was man hier an Erfahrung gewinnt, das ist unschlagbar. So einen Erfahrungsschatz können wir woanders nicht einmal in einem halben Jahr aufbauen. Jeden Tag die Enge zu haben, Körperkontakte, das hat einen besonderen Reiz. Dann spielt der Alkohol eine besondere Rolle. Gerade an den Wochenenden, wo nicht nur die Wiesn, sondern auch viele der Gäste rappelvoll und dicht sind. Das alles zu meistern ist für uns Münchner Polizisten eine besondere Herausforderung. Spätestens nach dem zweiten Tag ist ein totales Zusammengehörigkeitsgefühl da. Man muss sich auf die Kollegen ja verlassen können.

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Wolfgang Wenger, Pressesprecher des Münchner Polizeipräsidiums (Foto: privat)

 

Sie haben also nie einen Durchhänger?

Wenn ich so viel Dienst mache, freue ich mich am Anfang immer drauf und bin mit Vehemenz dabei. Und dann kommt irgendwann der Zeitpunkt, da werde ich nass, es ist kalt und ich bin etwas erkältet. Da denke ich mir dann: „Jetzt wird‘s Zeit, dass die Wiesn vorbei ist.“ Und am letzten Tag, wenn’s wirklich vorbei ist, fragen sich meine Kollegen und ich dann, was wir eigentlich morgen machen. Und freuen uns auf die nächste Wiesn.

 

Welche Erlebnisse sind für Sie am eindrucksvollsten?

Die Wiesn hat wunderschöne Gesichter und hässliche Fratzen. Wir sind für beides zuständig. Sehr positiv ist der Umgang mit unserer Bevölkerung. Die Leute freuen sich, dass wir da sind. Dieses Miteinander tut uns gut. Was natürlich nicht so schön ist, sind die Raufereien und anderen Straftaten. Speziell, wenn es mit Maßkrügen zugeht. Wir stoßen zum Teil auf äußerst aggressive Leute, das ist ein Problem.

 

Gehen Sie privat auch mal auf der Wiesn feiern?

Ich habe eigentlich kaum Zeit, ich arbeite jeden Tag. Meine Tochter kommt mich ab und zu mal besuchen, zusammen mit meinem Enkel, dem kleinen Justus. Die gehen dann ein bisschen raus und ich gehe eine Runde mit. Aber dann muss ich weiterarbeiten. Ich erkläre den Medienvertretern jeden Tag, was wir tun, was wir nicht tun und warum. Denn wenn unsere Arbeit richtig dargestellt wird, dient das dem subjektiven Sicherheitsgefühl der Menschen. Und wenn’s möglich ist, nehme ich mir immer einen Tag raus, wenn nicht viel los ist. Dann kommt mich meine Frau abholen, bringt eine Brotzeit mit, wir setzen uns irgendwo in den Biergarten und holen uns was zum Trinken dazu. Wir mögen mehr die traditionelle Wiesn. Sie werden mich nie irgendwo auf einer Bank herumhüpfen und den Anton aus Tirol singen sehen. Wenn ich mal was fahre, dann die Traditionsgeschäfte.

 

Interview: Marco Runge

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