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Ein klein wenig die Welt retten

„Hallo, ich bin Lars und wer bist du? Studierst du hier? Hast du Lust, ein wenig die Welt zu retten?“

Wer kennt es nicht – ich denke, jeder, der mal versucht hat, vom LMU-Hauptgebäude zur Giselastraße zu laufen, wurde schon mindestens einmal von jungen Leuten für eine wohltätige Organisation angesprochen. Oft beginnt es – wie oben geschildert – mit einem netten Smalltalk oder einem Flirt, bis das Thema schließlich auf die Armut in Afrika, das Leiden von Tieren oder den Klimawandel gelenkt wird. Natürlich handelt es sich bei alledem um wichtige Probleme, auf die aufmerksam gemacht werden muss. Doch die Art der Propaganda ist oft recht zweifelhaft. Denn diese netten jungen Leute, die selbst bei klirrender Kälte auf der Straße stehen und Passanten scheinbar aus reiner Überzeugung für ihre Organisation anwerben, sind nicht selten über eine Agentur gebucht. Sie sind also nicht zwingend selbst Mitglied und werben immer wieder für andere Organisationen.

Problematisch ist außerdem, dass häufig recht undeutlich formuliert wird, wofür denn Geld gesammelt wird. So manch einer unterschreibt ein Formular in dem Glauben, eine einmalige Spende zu leisten – und wird dann von monatlichen Abbuchungen überrascht. Wer also Gutes tun möchte, aber eben keinen Goldesel zu Hause hat, sollte die Formulare nochmal ganz genau durchlesen, um herauszufinden, ob sich diese mit dem Erzählten decken. Sonst könnte eine böse Überraschung drohen.

Natürlich sind nicht alle Organisationen hinterhältig und mies, denn wofür sie stehen, sind meist positive Dinge. Es ist sicherlich auch wichtig, auf die Missstände in dieser Welt aufmerksam zu machen, jedoch fühle ich mich durch dieses sehr direkte und hektische Anwerben oft überrannt. Schon mehrmals habe ich gefragt, ob ich das Formular mit nach Hause nehmen kann, um mir alles in Ruhe durchzulesen und nicht überstürzt zu handeln. Ich durfte es nie. Eine Unterschrift, inklusive Bankdaten, musste immer direkt vor Ort gegeben werden. Des Weiteren stößt mir immer wieder die Frage unangenehm auf, wohin genau mein Geld denn nun fließt? Helfe ich damit wirklich direkt den armen Kindern? Oder bezahle ich hier indirekt denjenigen, der mich angeworben hat? Einmal habe ich einem jungen Mädchen gesagt, dass ich gerne wissen will, dass ich mit meinem Geld helfen kann und nicht ihr Gehalt bezahle. Sie konnte mir darauf leider keine Antwort geben.

Doch durch ein Nicht-Spenden geht es den Benachteiligten in dieser Welt natürlich auch nicht besser. Deshalb gebe ich gerne einen kleinen Teil meines Geldes monatlich weiter, allerdings an eine Organisation, der ich vertraue. Diese Organisation nennt sich InGeAr – INitiative GEgen ARmut E.V. InGeAr wurde 2006 von Studenten gegründet, die sich – ähnlich wie ich – fragten, wie man in der Welt etwas verändern könnte, ohne sich großen Organisationen unterzuordnen. Mittlerweile unterstützt InGeAr Projekte in vier Ländern: Ein Aidswaisenhaus in Südafrika, eine Schule für Behinderte in Sri Lanka, ein Krankenhaus in Indien und ein Behinderten-Projekt in Ruanda. Zu allen Projekten besteht ein persönlicher Kontakt inklusive regelmäßigen Besuchen, in denen sichergestellt wird, dass das gespendete Geld nicht für falsche Zwecke verwendet wird.

Quelle: Ingear

Kinder mit einer Freiwilligen aus dem Behinderten-Projekt in Ruanda, (c) Ingear

Was InGeAr außerdem von vielen anderen Organisationen abhebt, ist, dass alle Mitarbeiter ehrenamtlich tätig sind, wodurch nur ein minimaler, unvermeidbarer Beitrag an Verwaltungskosten anfällt. Somit wird gewährleistet, dass das gespendete Geld auch wirklich vor Ort eingesetzt wird. Außerdem wird das Geld nicht nur durch reine Spenden gesammelt, es werden auch Partys und Infoveranstaltungen organisiert, deren Einnahmen an die Projekte weitergegeben werden. Des Weiteren werden Schulvorträge organisiert, welche schon junge Menschen über die wichtigen Themen wie Kinderarbeit oder -Armut aufklären. Dadurch, dass alle Wer mehr leisten möchte, als zu spenden, kann auch als aktives Mitglied für die Organisation arbeiten. Zwar hat InGeAr seinen Sitz in Niederbayern und verfügt über eine Zweigstelle in Regensburg, doch kann man durch eine gute Vernetzung auch von München aus mitarbeiten, zumal einige der Mitglieder mittlerweile hier studieren oder arbeiten.
Was mir außerdem gut gefällt, ist, dass man komplett selbst entscheiden kann, wie viel man spendet, ob dies einmalig oder monatlich der Fall sein soll und an welches Projekt das Geld weitergeleitet wird. So wird man eben nicht von horrenden Kontoabbuchungen überrascht und kann die Spende seinem Studentenbudget anpassen.

Grundsätzlich muss natürlich jeder für sich entscheiden, ob er spenden möchte und an wen er sein Geld geben möchte. Sicherlich leisten große Organisationen wie Unicef oder Amnesty International mehr in der Welt, als InGeAr dies tut. Aber hier kann man sich dafür sicher sein, dass sein Geld auch ankommt und nicht beispielsweise durch hohe Verwaltungskosten anderweitig eingesetzt wird. Wer mehr über InGeAr erfahren möchte, kann sich gerne auf der Website www.ingear.de informieren.

Charlotte Horsch

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