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Britney Spears in der Metropole Oberhausen

Ein heimlicher Mädchentraum wird wahr 

„Sie und Ihre Kommilitonin sind herzlich willkommen. Die Info, die Sie haben, stimmt. (…) Wir setzen Sie mit auf die Akkreditierungsliste und freuen uns auf Donnerstag.“

Fassungslos starre ich auf den Bildschirm und kann mein Glück kaum glauben: Ursprünglich hatten wir die Information, dass die Princess of Pop deutschen Boden betreten sollte, von einer „Klatsch und Tratsch“ – Seite im Internet. Angeblich sollte sie ihre neue Unterwäschekollektion ausgerechnet in einem Einkaufszentrum der Weltstadtmetropole Oberhausen präsentieren – natürlich „live und persönlich und in Farbe“.

Hellauf begeistert und mit Britney Spears Dancemoves vor unserem geistigen Auge wie Dagobert Ducks Dollarzeichen schlugen wir das Thema in unserer Radiokonferenz vor: „Das glaubt ihr doch nicht wirklich!“, lachte eine unserer Kolleginnen. „Das ist doch nur PR!“, meinte ein anderer.

Als wir daraufhin die Presseabteilung des Shopping-Centers anschrieben, um uns zu vergewissern, ob die „Klatsch und Tratsch“- Seite ausnahmsweise die Wahrheit schrieb, sollte sich unsere kindliche Naivität bezahlt machen. Nun hatten wir es schwarz auf weiß: Britney sollte tatsächlich nach Oberhausen kommen. In das wunderschöne Oberhausen mitten im Ruhrpott. Wohin sonst? Die Standorte der Shops in München und Berlin wären ohnehin viel zu attraktiv. Außerdem schien in Deutschland so gut wie niemand von diesem „Großereignis“ zu wissen – äußerst untypisch für einen alten Medienmogul wie Britney Spears. Auf ihre alten Tage braucht es Britney scheinbar alternativ, denn in Oberhausen steppt der Bär…nicht.

Doch zu diesem Zeitpunkt war uns erst mal egal, wieso und warum – die  Frage war vielmehr: Wie kommen wir zu unserem Idol aus Kindertagen, dessen Auf- und Abstieg uns unsere Jugend lang begleitete?

 

Die Pop-Ikone Britney Spears

Für diejenigen, die immer noch keinen blassen Schimmer haben, um wen hier eigentlich so ein krasser Hype gemacht wird (wobei der – oder diejenige sicher nicht bis hierhergekommen wären J) – Britney Spears: das ist DIE Pop-Ikone aus den späten 90’er und 2000’er Jahren. Mit „Baby one more time“ gelang ihr 1998 der internationale Erfolg und Durchbruch. Die Single verkaufte sich weltweit über 28 Millionen Mal. Wer erinnert sich nicht an das unschuldige Mädchen, das im Video mit geflochtenen Zöpfen und in Uniform durch die Schulgänge tanzt?

Auch wenn sich so manch Betrunkener in der Disco nicht mehr auf den Beinen halten kann, der Songtext zu „…Baby one more time“ sitzt immer.

 

10 Stunden Zugfahrt durch die Nacht

Gesagt, getan. Nachdem Carmen und ich uns noch am selben Tag für einen unsagbaren Preis ICE-Tickets nach Oberhausen gekauft hatten, ging es über Nacht in den Nordwesten Deutschlands. Selbstverständlich hatten wir uns für den Fall der Fälle, dass wir Britney kurz interviewen könnten, bei einem ausgiebigen Brainstorming (10 Stunden Zugfahrt boten ja genügend Zeit dazu) etliche Fragen ausgedacht und aufgeschrieben. „Ich würde sie ja zu gerne fragen, was mit ihren „Dance moves“ passiert ist!“, meinte meine Freundin. Es ist wirklich vertrackt: Ich hege ja persönlich die Theorie, dass die Popprinzessin einfach ausgetauscht wurde. Oder vielleicht haben ihr die Eskapaden und Strapazen im Jahr 2007 so sehr zu schaffen gemacht (man rufe sich das Bild der kahlgeschorenen Frau Spears bewaffnet mit einem Rasierer in einem Friseursalon ins Gedächtnis), dass es unwiederbringlichen gesundheitlichen Schaden hinterlassen hat. Die Britney wie vor gut 15 Jahren gibt es nicht mehr. Oder vielleicht doch? Alle Informationen, die wir bisher gesammelt hatten, Fotos, Videos, Fernsehberichte und Zeitungsartikel, waren lediglich medial konstruierte Übermittlungen aus zweiter Hand. Wir wollten herausfinden, wie Britney Spears in Wirklichkeit ist – wie sie leibt und lebt. Und nun hatten wir die einmalige Gelegenheit dazu…

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Ankunft in der 200.000 Seelen – Metropole Oberhausen

Mit Augenringen bis zum Boden (an Schlaf war bei dem Geschnarche im Zug nicht im Traum zu denken), Jogginghose und zerzausten Haaren, kamen wir um halb 8 Uhr morgens endlich am Einkaufszentrum „Centro“ in Oberhausen an. Aber wir befanden uns in bester Gesellschaft: Aus einem krachenden Ghettoblaster dröhnte uns schon von weitem „Work Bitch“ (aus dem aktuellen Album „Britney Jean“, 2013)  entgegen. In der Warteschlange vor dem Eingang erwarteten uns nicht minder übernächtigte Gesichter. Denn viele Fans warteten bereits seit 5 Uhr morgens hier, feierten und tanzten. Die hartgesottenen Britney-Verehrer waren aber schon am Vortag gekommen und hatten auf dem gemütlichen Kopfsteinpflaster vor dem Einkaufszentrum campiert, um unter den 450 freien Plätzen im Fanbereich den besten zu ergattern. Eins war uns schnell klar: Auch wenn es um Britney Spears in deIMG_4709n letzten Jahren in Deutschland ziemlich still geworden ist, gibt es doch noch einige treu ergebene Fans, die sie umso mehr bewundern: „Wenn ich ‚Oops…I did it again‘ höre, fühl‘ ich mich als wäre ich wieder ein neunjähriger Junge!“, gestand ein eingeschworener Britney-Fan in der Warteschlange vor dem Centro Oberhausen.

 

Britney Spears zu treffen ist schwieriger als Obama

Aber warum kam Britney nun ausgerechnet nach Oberhausen? „Damit es nicht so viel Trubel für die arme, schüchterne Britney gibt, findet das Event nun hier statt. Oder vielleicht auch weil sie heute Abend ja noch nach Kopenhagen muss – dort stellt sie ihre Kollektion auf einem Riesen-Event vor, bei dem man nur mit Eintrittskarte Britney zu sehen bekommt. Und Oberhausen ist ja näher an Kopenhagen als München zum Beispiel!“, wusste ein erfahrenes Britney-Fangirl. Obwohl Britney laut der Meinung des Fans schwieriger zu treffen sei als Obama, sollte sie nun bald vor uns stehen. Carmen und ich konnten es kaum erwarten.


Nur die Harten kommen in den Garten

Zunächst hatten wir aber noch zwei Stunden Zeit. Also ab in unser bayerisches Dirndl und die Lederhos‘n (wir wollten schließlich auffallen), das Lebkuchenherz für Britney um den Hals geschwungen (natürlich original vom Münchener Oktoberfest) und los gings in den heiß umkämpften Pressebereich. Neben Fotografen von RTL, ProSieben und der Bunten kriegen wir zum ersten Mal mit, mit welch harten Bandagen man als Journalist um seinen Platz im Pressebereich kämpfen muss. Doch wenn es um Miss Spears geht, kennen wir keine Gnade. Eisern verteidigen wir unseren Platz gegen Größen wie Sat1 und die dpa (Deutsche Presse-Agentur). So meinte beispielsweise ein Kameramann „just in the minute“ dreist zu uns: „Tschuldigung – ihr müsst mal schnell weg. Der Platz gehört uns!“ Nix da!

Pressebereich

 

Britney Bitch in fu**ing Oberhausen!

„Frau Spears ist im Centro Oberhausen eingetroffen. Es kann sich nur noch um wenige Minuten handeln, bis sie hier bei uns auf dem roten Teppich eintrifft!“. Unter hysterischem Jubelschrei und johlenden Fangesängen verkündete der Moderator seine frohe Botschaft. Nach ewigem Hin und Her hatten auch Carmen und ich die Fragen endlich abgeklärt, das Aufnahmegerät fürs Radio gezückt und die Kamera zum Knipsen bereit. „Ich kann sie schon von weitem sehen. Es sind nur noch dreißig, vierzig Meter bis Frau Spears hier bei uns ist!“. Dann war es soweit: Die Fan-Meute stimmte lauthals „If U seek amy“ an und so sehr wir uns um unsere Plätze bemüht hatten: plötzlich war jegliche Aufstellung wie weggeblasen und der Pressebereich glich eher einem wildgewordenem Rudel Wölfe, die sich um ein einziges Lamm rissen. Inmitten davon stand die kleine (1,63 m), schüchterne Britney Spears mit gefalteten Händen, nach innengedrehten Füßen und einem vom Botox versteinerten Lächeln. Während der Rest der Presse versuchte das beste Bild zu schießen, blieb Carmen die Spucke weg und auch ich stand nur regungslos da. „Mach Fotos Dani – mach Fotos!“, schrie Carmen mechanisch. Zack! Und schon ist Britney an uns vorbeigelaufen (Das Bild ist natürlich unscharf geworden).

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Sie drückte den roten Buzzer, der Vorhang des Dessous-Ladens fiel, die Models kamen, Britney lachte, winkte unscheinbar… und ging. Innerhalb von zehn Minuten war alles vorbei. Ohne dass Frau Spears ein einziges Wort verloren hat. „Verdammt – wir hätten ihr doch das Lebkuchenherz schon geben sollen, als sie einen Meter vor uns vorbeigelaufen ist!“, äußerte Carmen enttäuscht.

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Die Frustration ist kaum in Worte zu fassen: da hat man einmal die Chance seinem Idol etwas zu schenken und dann verpufft diese Chance wie ein kleines Seifenbläschen – als sei Britney Spears niemals dagewesen. „Wenigstens habt ihr der nervigen Kamerafrau schön die ganze Zeit die Sicht versperrt!“, lachte eine Bloggerin. Na gut – ein kleiner Trost ist das wirklich.

 

Pfannkuchen und Sekt statt Autogramm und Selfie

Letztlich sahen wir uns noch kurz die Kollektion an und wir stellten fest: der Name Britney Spears ist in diesen Läden alles. Einen Bezug zu dem Star ließ sich nicht wirklich herstellen – zumindest wenn man an ihre sexy Bühnen-Outfits denkt. Das Lebkuchenherz gaben wir dem Chef vom „Change“-Store, in der Hoffnung, dass er es unserer Britney noch überreichen würde.

 

Aber was bleibt nun von unserem Besuch? Für uns war es Britney, die wir als Kinder verehrt haben und nun „in real“ getroffen haben. Für andere sind vielleicht die Backstreet Boys oder Johnny Depp die Stars, mit denen sie unbedingt ein Selfie knipsen und damit auf Facebook angeben wollen. Aber trifft man sie, merkt man, dass das selbstverständlich auch nur Menschen sind und vor allem die Medien einen unglaublichen Hype um sie produzieren, den es in echt vielleicht gar nicht (mehr) gibt.

 

Also fuhren wir, komplett fertig mit den Nerven, nach einer kleinen Stärkung im „Pannekoeken-Haus“ wieder zurück in den schönen Süden. „Und – würdest du dir so nen Stress für Britney nochmal antun?“, fragte mich Carmen.

„Vielleicht sogar schon!“

„Let’s do the Vegas!“, schmunzelte Carmen.

(Britney Spears hat derzeit eine zweijährige Residenz im „Planet Hollywood“ in Las Vegas, wo sie dreimal pro Woche auftritt)

 

Daniela Rothgang, Carmen Thornton

Bevor wir das Riesenspektakel in Oberhausen miterlebt haben, hätten wir „live und persönlich“ (wie in der Pressemitteilung angekündigt) wahrscheinlich noch wortwörtlich verstanden. Rückblickend betrachtet war die Präsentation zwar definitiv live – aber über persönlich lässt sich streiten. Wer weiß, ob sie’s wirklich war? Wir werden es nie erfahren…

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