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Ohrbooten: „Für richtige Exzesse sind wir zu alt“

Ihre Texte sind ehrlich, wenn auch provokant. Es ist wohl aber ihr ganz eigener Sound, mit dem sie schon seit über elf Jahren auf ganzer Linie überzeugen. Im Interview spricht Gitarrist Matze nicht nur über persönliche Laster und typische Klischees, sondern auch über den Erfolg bei Frauen.

Wie viel Bedeutung steckt in eurem Bandname, was wollt ihr damit aussagen?

„Der Bandname Ohrbooten ist spontan vor dem ersten Auftritt entstanden, weil man musste ja was aufs Plakat schreiben. Bedeutung hat er mehr und mehr erfahren über den mittlerweile achtjährigen Gebrauch, vom Bootfahren im Fluss über Nachrichtenübermittlung durchs Ohr bis hin zu den „Boten des Untergangs“, was wohl mit dem Reim zu Vorboten zu tun hat. Such dir deins aus!“

Musikalisch kann man euch ja nicht so einfach in irgendeine Schublade stecken oder?

„Ganz al gusto: Für einige Reggaeheads machen wir solchen, Freestyle Rap ist dabei und auch auf Rockfestivals geben wir den Leuten das nötige Futter zum Ausrasten und Crowdsurfen. Wir haben das für uns zusammengefasst als GypHop.“

 Mal ehrlich: Wie sieht’s denn mit Lastern aus?

„Von Saufen über Kaffee, von Sexsucht bis Kiffen ist alles dabei und individuell abgestimmt. Für richtige Exzesse sind wir zu alt. Auf Tour sind wir ganz artig und diszipliniert. Frag Leute aus unserer Crew.“

Ohrbooten: Matze (r.); (c) Sven Hagolani

Ohrbooten: Matze (r.); (c) Sven Hagolani

„Ohne Musik…“?

„…is leise. Hab mal gehört, dass Stille die schönste Musik ist. Lässt sich nur nicht pogen dazu. Aber keine Bange: Musik ist inklusive auf jedem Erdentrip.“

Sind Musiker, wie angeblich alle Künstler, Chiller und Chaoten eher weniger auf ihre Hygiene bedacht? Was ist wirklich dran an diesem Klischee?

„Klischees gibt es so viele, nicht nur in der Musik. Sie versperren uns den Blick ins Weite. Fragst du mich jetzt ernsthaft, ob wir dreckige Assis sind? Ich steh auf Provokation. Nein, sind wir nicht. Chaoten? Ja. Chaos ist das Prinzip einer größeren Ordnung, nach deren Pfeife hier alles tanzt. Auch wenn das für uns kontroll- und sicherheitsbedürftige Menschen sehr erschreckend wirkt. Fair play für alle.“

 Gibt es bei euch noch einen typischen Alltag?

„Auf Clubtour gibt es für uns das routinierteste Leben. Aufstehen am frühen Nachmittag, Frühstück, Soundcheck, rumhängen / Stadt ankucken / lesen, Abendessen, Einlass, Aufwärmen, Show, danach Fanbetreuung (individuell – denk jetzt was du willst, die Wirklichkeit ist nicht so spannend), abhängen, um drei/vier Uhr in die Heia, Fahrt zum nächsten Auftrittsort. Toll, wa!? Das ist eine Alltagssituation. Leben im Bus. Gibt noch andere, zum Glück.“

In „An alle Ladies“ sprecht ihr davon, dass ihr „stundenlang mit ihnen reden könntet“. Wie sieht es damit in der Realität aus? Fällt es euch leicht, Frauen anzusprechen?

„Ich glaub, es fällt keinem von uns schwer, eine Frau anzusprechen. Und ja, natürlich macht es einen super Eindruck, wenn man in ner tollen Band spielt, aber da pfeif ich drauf. Für mich persönlich ist die Musik zu wertvoll, um sie für solcherlei Bedürfniserfüllung zu missbrauchen. Siehe oben: Klischees. Wenn in mir jemand einzig den Gitarristen von den Ohrbooten sieht, fühl ich mich nicht gesehen. Wenn ich jemanden kennenlerne, erzähl ich meist nur gefragt davon. Nach Konzerten verwandelt sich die vulgäre Superschnitte aus der ersten Reihe erfahrungsgemäß in ein scheues Reh, das sich nicht traut, wenn man es überhaupt zu sehen bekommt. Schade.“

 Was ist eure Einstellung zu Sex, Drogen und Rock`n Roll?

„Wir begrüßen diese Dinge. Exzess und Rausch können sehr schöne Erfahrungen sein, jeder wie er mag. Wobei ich in dieser Reihe dem Sex die größte Bedeutung beimesse.“

Ein Blick in die Zukunft: Ohrbooten in zehn Jahren?

„Wir verbringen die vier, na sagen wir fünf Wintermonate, in den Subtropen, spielen 30 Shows im Jahr, das Geld verdient sich von allein und wir können uns gemeinsam weiteren Experimenten und Forschungen hingeben. Denn eine erfolgreiche Band zu sein ist noch längst nicht alles!“

 Andrea Hornsteiner

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