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Das Geschäft mit dem flüssigen Gold

Wir Deutschen lieben Honig. Jedes Jahr verzehren wir pro Kopf über 1,1 Kilo davon – ein absoluter Rekord! Aber mit dem vermeintlich gesunden Naturprodukt nehmen wir auch in den meisten Fällen unbewusst Antibiotika und Gentechnik zu uns. Denn Honig ist schon lange nicht mehr einfach nur Honig.

Wenn deutscher Honig aus Südamerika kommt

In Südamerika wird die Biene mit Antibiotika behandelt; (c) Jasmin Huber

In Südamerika wird die Biene mit Antibiotika behandelt; (c) Jasmin Huber

Und weil das Naturprodukt so beliebt ist, kommen unsere heimischen Imker mit der Herstellung schon lange nicht mehr hinterher. Nur knapp 20 Prozent produzieren wir in unserem eigenen Land noch selbst – der Rest kommt aus der ganzen Welt. Brasilien, Mexiko, Kanada, China, Bulgarien, Uruguay, Ukraine, Polen – kaum ein Land, das nicht in der regionalen Honigabteilung zu finden ist. Der Großteil stammt aus Südamerika, wo Gentechnik im Gegensatz zu Deutschland schon lange erlaubt und üblich ist. Und auch Antibiotika ist quasi in jedem Honig zu finden. In Südamerika werden die Bienen und selbst die Waben schon seit vielen Jahren legal mit dem Arzneimittel behandelt. Und so isst der deutsche Verbraucher diese Rückstände später auch  mit.

Ein Etikett, das nichts aussagt

Natürlich kann man versuchen, ausländischen Honig zu vermeiden. Doch ganz so einfach ist das nicht. Denn wenn „Deutscher Honig“ auf dem Glas steht, heißt das noch lange nicht, dass es auch ein solcher ist. Nur zehn Prozent des Inhalts muss tatsächlich aus deutscher Imkerei bezogen werden, der Rest kann und ist meist auch aus dem Ausland. Die meisten Etiketten der Honiggläser sagen allerdings nur aus, ob der Inhalt aus EG- oder Nicht-EG-Ländern stammt. Mehr als diese bereits veralteten Begriffe müssen die Unternehmen nicht angeben. Aus welchem Land oder Kontinent der Honig ursprünglich stammt, kann der Verbraucher daher nicht nachvollziehen. Nur wenige Unternehmen geben das Herkunftsland freiwillig an. Für den Konsumenten gleicht ein Honiglas aus dem Supermarkt also einer Überraschungstüte.

Wer sicher gehen möchte, gesunden und natürlich Honig zu kaufen, der sollte auf das Siegel des Deutschen Imkerverbundes achten. Dieses garantiert, dass der Honig tatsächlich aus deutschen Imkereien gewonnen wird und frei von Antibiotika und anderen Schadstoffen ist. Auch Imker aus der Nachbarschaft sind dem Supermarkt definitiv vorzuziehen – damit Honig auch zukünftig das flüssige Gold bleibt und nicht zum Medikamenten-Cocktail wird.

Andrea Hornsteiner

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