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Teilen statt Tonne

foodsharing.de: Eine Internetplattform soll helfen, Lebensmittel vom Wegwerfen zu bewahren

 

Der Trend geht zum Teilen. Neben Mitfahrgelegenheiten und Wohnzimmercouchen wird jetzt auch Essen geteilt. Nachhaltigkeit ist „in“. Ganz nach dem Motto: „Was der eine nicht mehr braucht freut den nächsten und was mein ist, ist auch dein.“

Das Problem ist allseits bekannt

Gähnende Leere im Kühlschrank bei den einen, abgelaufener Joghurt und schimmeliges Gemüse bei den anderen. Deutsche Haushalte werfen jährlich Lebensmittel im Wert von 20 Milliarden Euro weg. Im Schnitt sind das rund 80 Kilo Essen pro Kopf. Ein kleines, bunt gemischtes Team aus Köln möchte dies ändern. Bekanntestes Mitglied ist der Filmemacher Valentin Thurn. Er ist der Regisseur des Films Taste the Waste, ein Dokumentarfilm über Lebensmittelverschwendung. Mit dabei sind Journalisten, Marketingfachleute und Lebensmittelkontrolleure. Und Raphael Fellmer, der seit drei Jahren im Geldstreik lebt.

Die Idee ist simpel

Was wir nicht mehr brauchen und was ansonsten im Müll landen würde, wird an andere weitergegeben. Der Kühlschrank quillt über von den Resten der letzten Party? Die Semesterferien stehen vor der Tür und du möchtest deinen Vorrat an Nudelsoße loswerden? Das ist ab jetzt kein Problem mehr. Das Internetportal Foodsharing ist am 12.12.2012 online gegangen. Die Registrierung erfordert nur ein paar Klicks und ein Profil ist schnell angelegt. Dann gilt es nur noch, den Essenskorb zu benennen und eine Abholfrist festzulegen. Die Übergabe kann wahlweise am Wohnort oder an einem vereinbarten Treffpunkt stattfinden. Kostenlos – versteht sich. Bei Foodsharing spielt auch die ethische Dimension des Teilens eine wichtige Rolle.

Umgekehrt funktioniert es genauso einfach. Auf einer interaktiven Landkarte kann die passende Region ausgewählt werden und schon werden alle verfügbaren Essenskörbe angezeigt. Wer zum Beispiel seine Freunde zum gemütlichen Weißwurstfrühstück einladen will, für den steht in Unterschleißheim ein Kilo süßer Händelmaiersenf bereit. Oder wie wäre es mit selbst gemachtem Pflaumen-Chutney und getrockneten Chilis aus dem Garten?

Beim Tauschgeschäft zwischen Privatleuten gelten nicht die gleichen Bestimmungen wie bei Lebensmittelunternehmern. Produkte, bei denen das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten wurde, können oft noch Tage später bedenkenlos verzehrt – und deshalb auch getauscht – werden.

Grundsätzlich gilt die Regel: „Nichts an andere weitergeben, was man selbst nicht mehr essen würde“. Im Zweifelsfall bietet Foodsharing einen ausführlichen Ratgeber zum Thema Lagerung, Transport und Haltbarkeit von Lebensmitteln an. Nur besonders leicht verderbliche Lebensmittel wie Fisch, Hackfleisch und rohe Eierspeisen dürfen nicht geteilt werden.

Mitmachen kann jeder

Foodsharing ist nicht primär für Bedürftige eingerichtet worden, sondern für alle, die etwas gegen Lebensmittelverschwendung unternehmen wollen. Es geht darum, dass der Einzelne selbst aktiv wird. Denn sind wir doch mal ehrlich. Wir alle sind bestürzt, wenn uns der verantwortungslose Umgang mit Lebensmitteln in Zahlen vorgelegt wird. Aber tragen wir dazu bei, etwas daran zu ändern? Werfen wir nicht selber Essen weg? Und das öfter, als wir zugeben wollen?

Über 4.624 Kilo gerettete Lebensmittel

Das gerade einmal fünf Monate alte Portal hatte einen vielversprechenden Start. Laut Angaben auf der Website wurden mit Foodsharing bereits 4.624,88 Kilo Lebensmittel gerettet und es gibt derzeit mehr als 17.639 aktive Teilnehmer. Nichtsdestotrotz steckt das Projekt noch in den Kinderschuhen und die Anzahl der Essenskörbe ist besonders im Süden von Deutschland überschaubar.

Ziel des Portals ist ein flächendeckendes Netzwerk aufzubauen, damit man das Gesuchte bequem in der Nachbarschaft finden kann. Kostenloser Senf ist zwar toll, dafür 40 Kilometer weit zu fahren, macht aber keinen Sinn. Für die Gründer von Foodsharing spielen Nachhaltigkeit und der ideelle Wert des Essens eine wichtige Rolle. Vorstandsmitglied Valentin Thurn sagte im Interview mit dem WDR, dass es bei Foodsharing nicht nur darum gehe, einen Salatkopf zu retten, sondern auch die Köpfe der Menschen zu ändern.

Und wenn der Bauch das nächste Mal voll ist und ihr noch einen Salatkopf übrig habt, dann erstellt doch einfach einen Essenskorb. Oder noch besser, verabredet euch zum gemeinsamen Kochen. Weil zusammen zu essen doch doppelt so viel Spaß macht.

mnk

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