Wir schreiben München – schreibt mit!

Incredible India

 Reisen einmal anders

Bereits Oscar Wilde stellte im 19. Jahrhundert fest: „Reisen veredelt wunderbar den Geist.“ Diese Meinung teile auch ich, denn Reisen ist ein absoluter Genuss. Während es für die einen das Entdecken traumhafter Landschaften und kultureller Highlights ist, sind andere auf der Suche nach den weltweiten Hotspots des Nachtlebens. Aber egal, wie oder wohin man reist, landestypische kulinarische Leckerbissen sind fester Bestandteile einer jeden gelungenen Reise. Klar, dank der Globalisierung bleibt uns in Deutschland keine Küchentradition verwehrt und doch schmecken landestypische Gerichte immer noch dort am besten, wo sie ursprünglich herkommen. Das sollte man zumindest meinen.

Als meine beste Freundin und ich uns für eine Reise in Indiens kleinsten Bundesstaat Goa entscheiden, bin ich mir einer bevorstehenden kulinarischen Ektase sicher. Schließlich soll die Reise in das Land der Gewürze gehen. Die Besonderheit Goas besteht zudem darin, dass dem typisch Indischen auch ein Hauch Europa innewohnt. Und so sind die Einschläge der portugiesischen Kolonialzeit eben nicht nur in Religion, Architektur und Kultur zu spüren. Der westindische Bundesstaat ist außerdem bekannt für die, in den 70er Jahren gestrandeten Hippies und Aussteiger, die die legendärsten Partys an Goas Traumstränden feierten. Aber da das Leben hier zwar günstig, aber eben auch nicht umsonst ist, eröffneten sie zahlreiche Cafés und Strandbuden, in denen sie auch heute noch die verschiedensten Köstlichkeiten aus ihrer Heimat anbieten – mit indischen Zutaten und einer Menge Phantasie.

Indien ist eben nicht Europa

Klingt doch eigentlich verlockend, oder? Naja, dieser Anfangseuphorie wird man relativ schnell beraubt, sobald man den ersten Reiseführer aufschlägt oder Freunden von seinem Reisevorhaben erzählt. Dass Asien nicht Europa ist und über ein ganz anderes Ausmaß an Menschen, Armut und Müll verfügt, ist auch mir als Asien-Anfänger klar. Auch wenn Goa für indische Verhältnisse reich ist, gibt es aber auch hier nach wie vor Probleme, sauberes Trinkwasser bereit zu stellen.

Deshalb Tipp Nummer eins: Kein Leitungswasser trinken und auch die Zähne nur mit abgepacktem Wasser putzen. Auch der Verzicht auf meine bisherigen Essensgewohnheiten erscheint mir im Vorhinein nicht schlimm.

Allerdings fängt es an schwer zu werden, wenn einem an jeder Straßenecke frische und
exotische Früchte, Säfte oder bunte Salate angeboten werden. Aber auch hier ist laut dem Auswärtigen Amt Vorsicht geboten. Denn sobald Obst und Gemüse durch das Waschen mit Wasser in Berührung kommen, können sie sich als Garant für eine beschleunigte Verdauung entpuppen. Dem echt verlockenden Angebot an Früchten, steht die rudimentäre Auswahl in den „Supermärkten“ entgegen. Dass diese zumindest in den meisten Orten mit unseren Vorstellungen nichts gemein haben, stellen wir fest, als wir vor einer Wellblechhütte stehen.

Wie gerne würde man bei den tropischen Temperaturen ein Eis schlecken. Über
ununterbrochene Kühlketten darf man dann jedoch nicht nachdenken. Überhaupt sind
funktionierende Kühlschränke eher eine Seltenheit in Indien. Auch unsere Restaurantbesuche sind gezeichnet von inneren Konflikten. Besonders in den Strandlokalen werden die unterschiedlichsten Fischarten angeboten. Nachdem wir aber einen landestypischen Fischmarkt besucht hatten, bei dem die Ware auf Zeitungspapier zwischen Ratten und Hunden in der Sonne lag, sind wir uns nicht mehr sicher, ob wir dem goanischen Traditionsgericht Fisch-Curry-Reis eine Chance geben sollen.

„Cook it, peel it or leave it!“

Als Garant für Keimfreiheit lehren uns andere Backpacker folgenden Leitsatz: „Cook it, peel it or leave it!“ Dieser Weisheit folgend stellen wir unser Stammessen bestehend aus Naan, Dal und Reis zusammen, welchem wir auch ohne große Ausnahmen treu bleiben. Besonders angetan hat es uns das lediglich aus Wasser und Mehl bestehende Naan, das auf einem kugelartigen Ofen gegart wird. Auch wenn es aus den immer wieder gleichen wenigen Zutaten besteht, schmeckt es überall anders. Auch das typisch indische Gericht Dal, welches vorwiegend aus gekochten Hülsenfrüchten, Kreuzkümmel, Koriandersamen, Chilis und Ingwer besteht, schafft es unter unsere Top drei. Durch das stundenlange Kochen verschmelzen die Zutaten zu einem bräunlichen Brei. Sieht nicht immer lecker aus – schmeckt aber meistens doch recht gut.

So lernen wir also ziemlich schnell auf die kulinarischen Genüsse und Besonderheiten eines Sommerurlaubs zu verzichten. Meiner Meinung nach liegt die Problematik auch nicht darin, dass man viele Dinge nicht essen oder trinken kann. Als anstrengend erweist sich uns eher die ständige Vorsichtshaltung, die man irgendwie doch nie so ganz ablegt. Aber wenn man nur knapp drei Wochen in Goa ist, will man diese ja auch nicht im Bett oder Krankenhaus verbringen. Reist man jedoch öfter und vor allem länger nach Indien, erscheint einem Menschenmenge, ständiger Stromausfall und Schmutz wahrscheinlich irgendwann als Normalität. Gerade viele Deutsche und Engländer überwintern gerne in Goa und haben über die Jahre Wege und Mittel gefunden, ihren Genuss kaum einschränken zu müssen. Für uns Goa-Anfänger kann man das jedoch nicht behaupten und so stürzen wir uns vermehrt auf das relativ gute Angebot an Coca Cola und Lay‘s-Chips. Klarer Vorteil: Man kann wenig falsch machen und es ist abgepackt.

Auch wenn mein Bericht vielleicht etwas negativ klingen mag, so soll er das gar nicht sein. Denn obwohl das beschriebene Szenario uns schon ab und zu auf die Härteprobe gestellt hat, möchte ich sämtliche Erfahrungen nicht missen. Jeder nimmt solche Begebenheiten ja auch anders wahr und vielleicht schrecken einen Schmutz und Hitze auch mehr ab, als überhaupt notwendig. Ich habe mit Goa lediglich einen Bruchteil Indiens kennengelernt, aber ich bin nach wie vor von der wahnsinnigen Vielfalt fasziniert. Und das in jeglicher Hinsicht. Dennoch würde ich mein Credo „Wer nicht wagt der nicht gewinnt“ auch bei der nächsten Indienreise nicht unbedingt auf das Kapitel Nahrungsaufnahme anwenden.

se

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.