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Schwerwiegender als gedacht

Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Kinder

Der Lockdown brachte uns dazu, unseren Alltag umzustellen, unsere Ansichten umzudenken. Über das Homeoffice konnte man mithalten, die Umarmung eines Kollegen aber nicht nachahmen. Im 21. Jahrhundert soziale Kontakte reduzieren zu müssen, konnte sich keiner vorstellen. Erwachsenen fiel es schwer zuhause zu bleiben. Wie sollen denn Kinder innerhalb der vier Wände ihre Energie vertreiben? Die Frage beschäftigte vor allem die Experten des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), und das Thema wurde zu einer bundesweiten Studie. 

(c) pixabay

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*Dazu wurden Jugendliche, bei kleineren Kindern die Erziehungsberechtigten über Veränderungen in der Lebensqualität, in der Gesundheit und im Verhalten während der Sperre befragt. Das Ergebnis wurde mit Befragungen aus früheren Zeiten verglichen. Auffällig war es, dass psychische Störungen wie Angst, Depressionen und familiäre Konflikte in der Corona-Phase drastisch zugenommen haben. Eine Schutzmaske vor dem Mund erhöhte bei den Kleineren die Todesfurcht. Gesperrte Spielplätze, geschlossene Schulen und kaum Freizeitaktivitäten verstärkten zusätzlich die bedrückende Stimmung. Laut Wissenschaftlern waren besonders stark sozial schwächere Familien betroffen: Denn kleinere, engere Wohnräume ermöglichen einem kaum sich zurückzuziehen, gezielt zu fokussieren oder zu entspannen.*

Im Homeschooling war bestimmt der eine gestört durch die Baustelle nebenan, die andere durch den Lärm des Dunstabzugs aus der Küche. Vielleicht fielen weite Strecken zum Zurücklegen zur Schule weg, aber einfacher wurde das Lernen garantiert nicht. Vor allem den Jüngeren ist es sicherlich schwer gefallen, sich selber Inhalte beizubringen. Kleinkindern mit einem Migrationshintergrund wurde die Chance über zwei, drei Monate genommen, sich mehr deutsches Vokabular anzueignen.

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Auf dem Spielplatz des Kindergartens und im Klassenraum waren wir alle gleich. Wir müssen versuchen, die Gleichheit weiterhin zu gewährleisten. Maßnahmen müssen getroffen, das versäumte Halbjahr muss wieder aufgeholt werden. Ideen müssen gesammelt werden, um im Falle einer zweiten Welle, soziale Unterschiede auszugleichen. Präventiv muss gehandelt werden, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Emotional muss aber auch gehandelt werden, um das Gemüt wieder aufzuhellen und schöne Erinnerungen vom Jahr 2020 zu hinterlassen.

Özge Enis

*Indirektes Zitat: www.uke.de, www.nrd.de, www.tagesschau.de