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Der Serienguide: Mord, Drama, Leidenschaft

Auf der Suche nach Serien-Nachschub?

Seit einigen Jahren wandelt sich die TV-Landschaft. Galt es früher noch als Todesurteil für die Karriere eines Schauspielers, wenn er vom Film zu einer Serie wechselte, toben sich die Darsteller mittlerweile sowohl auf den großen, als auch auf den kleinen Leinwänden aus. Doch nicht nur, dass Serien immer hochkarätiger besetzt werden, auch inhaltlich trauen sich die Produzenten immer mehr! Bei der Flut an neuen und grandiosen Serien kann man allerdings leicht den Überblick verlieren. Deswegen möchte ich euch regelmäßig einige Serienjuwele vorstellen, die ihr vielleicht noch nicht kennt. Dieses Mal geht es um:

Élite

© Manuel Fernandez-Valdes

Wer kennt das nicht? Ihr habt eure letzte Serie durchgesuchtet und nun seid ihr wieder bei 0. Ihr sucht eine packende Story mit der ihr den alltäglichen Stress vergessen und die täglichen To-Do´s verdrängen könnt. Das Überangebot von sämtlichen Streaming-Diensten wirkt auf den ersten Blick erschlagend. Dennoch muss man gar nicht lange suchen und schon sieht man, dass die spanischen Serien derzeit ganz vorne das Rennen bei den Usern machen. Neben „Haus des Geldes“ („La casa de Papel“) und „die Telefonistinnen“(„Las chicas del cable“) ist mit „Élite“ den spanischen Regisseuren Carlos Montero und Darío Madrona eine leidenschaftliche Drama-Serie gelungen.

Aufgrund des Zusammenbruchs einer Schule im Armenviertel wird vom Bauunternehmen ein Stipendium in der Schule „Las Encinas“ für die Schüler Samuel, Nadia und Christian zur Verfügung gestellt. Zwei grundlegend unterschiedliche Gesellschaftsklassen treffen mit dem Schulbeginn aufeinander. Ideologische und soziale Konflikte sind durch Vorurteile und Abneigung seitens der wohlhabenden Schüler vorprogrammiert, was ein soziales Miteinander erschwert. Darüber hinaus wird die sowieso schon zerrüttete Situation durch den Mord an der Schülerin Marina aufgerissen.

Der Fokus der Handlung konzentriert sich einerseits auf das Zusammenleben und der daraus folgenden Konflikte und Beziehungen der Schüler, andrerseits zentriert sich der zweite Strang auf die Aufklärung des Mordes an Marina. Dabei wird sequenzartig jede Person, die mit dem Opfer Kontakt hatte, interviewt und die möglichen Motive beleuchtet. Wer hat ein Motiv? Diese Frage scheint nach jedem einzelnen Interview und der daraus folgenden Geschichte zur Person deutlich beantwortet zu sein. Sehr schnell wird aber klar, dass jede Person mit persönlichen Zerwürfnissen in Bezug auf freundschaftliche und familiäre Beziehungen zu kämpfen hat und somit auch hinsichtlich des Mordes einen Grund gehabt hätte diesen zu begehen.

© Manuel Fernandez-Valdes/Netflix

Die Serie schafft es die Spannung konstant, vor allem durch die lebhafte und realistische Darstellung der Charaktere, den Intrigen und den gesellschaftlichen und menschlichen Konflikten emotionsgeladen aufzuspannen. Die Personen, welche teils tiefgründige persönliche Entwicklungen im Verlauf der Handlung durchleben, werden sehr lebhaft und ambivalent charakterisiert. Das gezielte Ansprechen und Behandeln von veralteten Wertvorstellungen hinsichtlich Einklang religiöser Normen und sexueller Bedürfnisse, Homosexualität, sozialer Ungleichheit, erlaubt eine eindeutige Identifikation mit den Charakteren und die realitätsnahe Glaubhaftigkeit der Handlung. Es lohnt sich definitiv die Serie anzusehen. Bisher sind drei Staffeln erschienen und eine vierte ist in Planung.

Carolina Polo Villafan