Wir schreiben München – schreibt mit!

Petition für faire Studienbedingungen

Ein Kann-Semester als Lösung für verunsicherte Studenten?

Die gegen das Corona-Virus ergriffenen Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen haben das deutsche Bildungssystem binnen kurzem ins Chaos gestürzt. Um den Lehrbetrieb dennoch am Laufen zu halten, wurden bereits diverse Maßnahmen vorgeschlagen: Abiturprüfungen in Schleswig-Holstein sollten entfallen, die Universität Göttingen will ihren Studierenden für ihr Engagement gegen Covid-19 ECTS verleihen und die LMU München setzt auf Lernplattformen und Live-Konferenzen. Da länderübergreifende Lösungsvorschläge bislang jedoch fehlen, befinden sich Millionen Schüler, Auszubildende und Studenten weiterhin im Unklaren darüber, welche Unterrichtsbedingungen sie in den nächsten Monaten zu erwarten haben. In dieser Situation hat die StuVe der Hochschule München eine Petition gestartet, um wenigstens im Hochschulbereich mehr Sicherheit zu schaffen.

Die pandemiebedingten Ausgangssperren zwingen die Studierenden, zu Hause zu lernen. (c) pixabay

Aus Sicht der Studierendenvertretung der Hochschule München stellen die Planungsrisiken, die aus der schnellen Umstellung auf Distanzunterricht resultieren und derzeit viele Studenten betreffen, eine große Herausforderung dar, mit der die Studenten nicht alleine gelassen werden sollten. In ihren Augen sind die größten Gefahren dabei „soziale Nachteile wegen Belastung, Stress und Unsicherheiten“, „wirtschaftliche Nachteile wegen Verlängerung der Studienzeit“, „fachliche Nachteile wegen mangelndem Zugang zu wissenschaftlicher Information“ und „Bildungsnachteile wegen ungleicher Rahmenbedingungen“. Die Lösungsversuche der Hochschulen und Universitäten gingen zwar in die richtige Richtung, wären aber dennoch nicht ausreichend.

Die Digitalisierung der Lehre ist ein wichtiger und zukunftsweisender Aspekt der Hochschulbildung; jedoch erzeugt die äußerst schnelle Implementierung neue Belastungen und ungleiche Rahmenbedingungen für Studierende. […] Die Hochschulen leisten einen erstaunlichen Beitrag, sind jedoch weit davon entfernt, Online-Lehre auf dem Level von Präsenzlehre anbieten zu können. (Begründungstext der Petition)

Doch wie lassen sich diese Probleme bewältigen? Die SuVe schlägt vor, den Studierenden mehr Eigenverantwortung zu übertragen, da einige dieser Probleme nicht von den Hochschulen und den Universitäten selbst gelöst werden könnten. Dies betrifft beispielsweise die häusliche Pflege von Angehörigen oder den Verlust eines Praktikumsplatzes. Daher fordert sie eine „Aussetzung der Regelstudienzeit„, die „freiwillige Nutzung von Lehrangeboten„, die „Verschiebung aller Abgabefristen“ und ein „Recht auf Wiederholung von Prüfungen„. Nur so könnte die im Grundgesetz formulierte Chancengleichheit gewahrt werden.

Nur die Studierenden selbst können beurteilen, ob die Bewertung ihrer Prüfungsleistung unter den besonderen Umständen gerechtfertigt ist oder die Prüfung wiederholt werden sollte. (Begründungstext der Petition)

Doch ist ein solches „Kann-Semester“ wirklich die Lösung? Für manche Studenten bestimmt. Die relevantere Frage dürfte jedoch lauten, ob sich das „Kann-Semester“ politisch verwirklichen lässt. Hierfür müssten alle Bundesländer gleichermaßen das Konzept des „Kann-Semesters“ einführen, um zu vermeiden, dass sich die Ausbildungsbedingungen der Studierenden je nach Bundesland zu stark unterscheiden. Wie sich jedoch beim gescheiterten Vorstoß der schleswig-holsteinischen Landesregierung für ein Entfallen des dortigen Abiturs gezeigt hat, dürfte das Finden einer gemeinsamen Linie schwierig werden. Zudem ist es dem Bund auf Grund des Kooperationsverbots zwischen Bund und Ländern in der Bildung nur bedingt möglich, gemeinsame Lösungen zu forcieren. Dass die Petition von studentischen Organisationen aus ganz Deutschland unterstützt wird, wie dem Studierendenrat der Hochschule für Musik Franz Liszt aus Weimar oder der Studierendenvertretung der Fachhochschule Kiel, könnte trotzdem ein gutes Zeichen für ihre Umsetzbarkeit sein.

Sebastian Schindlbeck

Den Link zum Unterzeichnen der Petition, die bereits über 10.000 Unterstützer hat, findet ihr hier.