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Steffis queeres München

Mein München

München – Eine so große Stadt mit so vielen unterschiedlichen Vierteln und Ecken, dass man kaum alles entdecken kann, denkt Ihr? Grade wenn man sich in einer Gegend eben nicht auskennt, findet man ja nie das nette kleine Café mit dem tollen Kaffee oder den kleinen Park, der so schön versteckt liegt? Da haben wir eine Lösung! In der Reihe „Mein München“ zeigen euch unsere Redakteure München aus ihrer ganz persönlichen  Perspektive, mit all seinen Vor- und Nachteilen. Sie geben euch Insidertipps, persönliche Empfehlungen und Hinweise, was man unterwegs in München auf keinen Fall verpassen sollte! 

Die bunteste Woche des ganzen Jahres ist gerade in vollem Gange. Letzten Samstag hat das lesbische Angertorstraßenfest offiziell die Pride Week eingeläutet! Jeden Tag gibt es verschiedene kulturelle, musikalische und politische Veranstaltungen, die am 13. Juli im Christopher Street Day ihren Höhepunkt erreichen. Aber auch während der anderen 51 Wochen im Jahr ist München very, very gay – man muss nur wissen, wo man suchen muss. Ich nehme euch mit auf eine kleine Tour durch meinen queeren Münchner Mikrokosmos.

Gemütliches Ratschen und Kochen im IMMA-Café

Als ich für mein Studium vom oberbayrischen Dorf nach München gezogen bin, war ich noch ein zartes Baby-Gay – gerade die ersten paar Male geoutet, voller Hoffnung, dass ich mich in der großen Stadt endlich ausleben dürfte, aber auch nervös davor, was mich in der gruselig klingenden „Szene“ denn erwarten würde. Mein erster Stopp war bei Julez München. Julez steht für „Junge Lesben bei Zora“, ist eine Gruppe für alle queeren Mädels bis 27 Jahre und gehört der Initiative für Münchner Mädchen (IMMA) an. Mittlerweile sind ein paar Jahre vergangen und ich fühle mich hier immer noch sehr gut aufgehoben. Die Gruppe trifft sich zweimal im Monat, um zusammen zu kochen und zu essen, Spiele- und Themenabende zu veranstalten und über alles mögliche zu ratschen. Gerade zur Pride ist immer viel los: Als Gruppe laufen wir in der Parade beim CSD mit und dafür müssen natürlich knallbunte T-Shirts bedruckt, Schilder gebastelt und Zebrastreifen in Regenbogenfarben auf die Straße gemalt werden. Neben Julez gibt es übrigens noch viele andere Gruppen, in denen sich junge, queere Menschen treffen können, zum Beispiel beim Jugendzentrum Diversity oder – speziell für Studenten – bei QueerCampus.

Ziehen wir durch’s Glockenbachviertel

In diesen verschiedenen Gruppen lernt man natürlich sehr viele Leute kennen. Das hat zur Folge, dass sich blitzschnell diverse WhatsApp-Gruppen formieren, um Stammtische im Glockenbachviertel zu organisieren oder sich für die nächste queere Party zu verabreden. Für einen gemütlichen Abend mit leckerem Essen zieht es mich zum Beispiel ins Café Glück, ins Heimwerk, ins Sax, oder in den Trachtenvogl. Als ausgesprochener Party-Muffel bin ich auf dem Gebiet keine Expertin, aber die Queere Rooftop Party im Upside East kann ich alleine schon wegen der Aussicht empfehlen – man muss allerdings ordentlich vorglühen, denn die Getränkepreise sind nicht gerade studentenfreundlich. Während es zahlreiche Schwulenbars gibt, haben die wenigen Lesbenbars in München in den letzten Jahrzehnten leider alle nacheinander dicht gemacht. Immerhin ist gerade ein Lesbenzentrum in Planung, das das Gegenstück zum Sub, dem Schwulen Kommunikations- und Kulturzentrum München, werden soll.

Musik macht Community

Für mich hat sich letztens eine ganz neue Welt geöffnet, als ich zwei Chören beigetreten bin. Der eine ist ein Trans-Chor, der Transmenschen und allen anderen, die Transmenschen gegenüber freundlich gesinnt sind, offen steht. Der andere ist der Lesbenchor Lilamunde, den es schon länger gibt als ich auf der Welt bin. LGBT-Chöre gibt es etwa seit den 1970er Jahren. Seitdem haben sie einen beeindruckenden Mikrokosmos innerhalb der Chorwelt aufgebaut: Zum Beispiel werden deutschland- und europaweit Chorfestivals veranstaltet, bei denen zahlreiche queere Chöre zusammenkommen und ihr Repertoire zum Besten geben. Am bekanntesten ist vermutlich Various Voices, das 2018 in München stattfand. Andere queere Chöre in München sind zum Beispiel der Regenbogenchor, die Philhomoniker oder der Lesbenchor Melodiva. Das gemeinsame Singen, vor allem wie in meinem Fall in kleinen Chören, wo es auch mal vorkommt, dass man eine Stimme alleine singt, schweißt ziemlich zusammen – umso schöner finde ich es, dabei noch ganz verschiedene Menschen aus der Community kennen zu lernen und mich mal außerhalb meiner studentischen Blase zu bewegen.

Highlights des Jahres

Natürlich gibt es auch Events, die nur einmal im Jahr stattfinden und dadurch was ganz besonderes sind. Zum Beispiel das Queer Film Festival, das eine ganze Woche mit LGBTI-Filmen füllt. Im Winter darf Pink Christmas nicht fehlen, der queere Weihnachtsmarkt, der den ganzen Stephansplatz in pinkes Licht taucht und den besten Apfelpunsch hat. Jeden Mai findet die Demo am IDAHOBIT, dem Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie, statt. Jeden Juli eröffnet das lesbische Angertorstraßenfest die Pride Week. Letzte Woche habe ich dort wieder den Stand von Julez einige Stunden lang mitbetreut und mich mit vielen interessanten Menschen unterhalten. Und wie immer freue ich mich schon auf den Christopher Street Day, bei dem wir dieses Jahr dem 50. Jahrestag der Stonewall Riots in New York City gedenken und daran erinnern, dass Pride nicht nur Party bedeutet, sondern auch Protest.

Stephanie Berens