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Der UniKater: Kaltwettergedanken

Streifzüge durch Münchner Geschichten

Ein kleiner Kater streift seit einigen Wochen durch die Münchner Straßen. Besonders im Univiertel häufen sich die Sichtungen – anscheinend ist er sogar Justus schon vor den Porsche gelaufen. Wir kennen weder seinen Namen noch seinen Hintergrund, haben aber festgestellt, dass er die tollsten Geschichten aus dem Münchner Alltag erzählen kann. Beim Zuhören scheint es sogar oft, als wäre er im Herzen einer von uns.

Miau, ihr Menschen!

Wollt ihr mich eigentlich auf den Arm nehmen? Jetzt reicht’s aber langsam!

Oh, tut mir leid. Das ist natürlich nicht an euch gerichtet, ihr lieben Menschen, sondern mehr gen Himmel oder Universum – oder whatever. Seit Tagen ist es nun schon kalt, kälter, am kältesten. Und seit Tagen bete ich nun schon Bastet an, dass sie ihrem Vater Bescheid sagt, seinen Job ein bisschen besser zu machen. Immerhin ist er der Sonnengott Ra und kann dafür sorgen, dass es wieder wärmer wird. Ansonsten wüsste ich nicht, wofür ein „Sonnengott“ gut sein sollte.

Außerdem bete ich natürlich gerne zu Bastet, weil sie als katzenartige Göttin so eine Art Superstar in meinen Kreisen ist. Hach, ihr Menschen mit eurem einen Gott. Ich weiß ja, dass ihr nicht alle an diesen einen Gott glaubt. Vor allem der Großteil der jungen Leute in meinem Viertel glaubt ja an gar nichts mehr so wirklich – teilweise nicht mal mehr an sich selbst. Aber soweit ich gehört habe, beten die meisten Gläubigen in meiner direkten Umgebung nur einen einzigen Gott an. Das habe ich nie so recht verstanden.

Der UniKater versucht, die Menschheit zu verstehen, aber es ist manchmal so schwierig.

Ich frage mich immer: Wieso fühlen sich Menschen von einem einzigen Gott repräsentiert? Wie soll dieser eine Gott alle Menschen widerspiegeln und vertreten, wenn es doch so viele unterschiedliche Exemplare von euch gibt? Und vor allem: Wer glaubt anhand dieser Tatsachen wirklich daran, dass der Mensch als Spezies „nach Gottes Ebenbild“ geschaffen wurde? Es ergibt einfach alles so wenig Sinn. Ich streune manchmal durch die Straßen und sehe die verschiedensten Leute: Kurzhaarmenschen, Langhaarmenschen; Menschen mit dunkler Haut, mit heller Haut, mit unreiner Haut; Menschen mit dunklen Haaren, mit blonden Haaren, mit gar keinen Haaren. Wie soll dieser Gott bitte schön aussehen, wenn die Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen wurden?

Aber da gibt es dann ja diesen Trick: Die Gläubigen sollen sich kein Bildnis von ihrem Gott machen – und schon ist das Problem geklärt. Dass dann aber in den riesigen Gebetshäusern die Wände mit Bildern von ihrem Gott vollgemalt sind, zeigt, dass sich da auch niemand so wirklich dran hält. Beziehungsweise legt jeder die Worte so aus, wie er mag. Da bin ich kein Fan von. Wenn man Worte so interpretiert, wie man es selber gerne hätte und vor allem auch nur gewisse Passagen, dann können bestimmt gefährliche Dinge passieren – unberechenbare Dinge.

Oh Katzenklo! Jetzt bin ich in Gedanken total abgeschweift. Dabei wollte ich mich doch eigentlich nur ordentlich über das Wetter und die Kälte beschweren… Naja, ich suche mir am besten mal einen kuscheligen Platz, um diese eklige Zeit so gemütlich wie möglich rumzukriegen. Mit Glück finde ich einen Kamin oder eine Heizung, an die ich mich kuscheln kann. Oder ich fahre einfach ein wenig U-Bahn – da ist es eigentlich immer warm. Hoffentlich werden meine Gebete erhört und der Frühling steht bald endlich vor der Tür.

Bis bald! Euer UniKater