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Interview mit den KYTES – Klappe, die Zweite

Der große Durchbruch

Mehr als zwei Jahre ist es her, dass Unikat mit den KYTES gesprochen hat und in diesen Jahren hat sich einiges bei der Münchner Band getan. Ich treffe Michi und Timothy in ihrem Bandraum im schönen Giesing und sie erzählen mir von ihrem großen Durchbruch. Der fand in den letzten Monaten genau hier statt – und zwar mit Schutzbrille und Vorschlaghammer. Jetzt sitzen sie zufrieden im doppelt so großen Bandraum und erzählen mir von ihrer Geschichte, ihrer Musik, ihren Plänen und auch von ihrer Münchenliebe. Denn, was die New York Times erst kürzlich festgestellt hat, wissen die Jungs von KYTES schon lange: München ist cool.

In den Anfängen von KYTES musste sich die Band aber gerade dafür ständig rechtfertigen: Eine Indie-Band wäre doch in Berlin viel besser aufgehoben. Wieso denn ausgerechnet München?

Michi: Wir haben hier alles, was wir brauchen, uns gefällts hier voll gut. Und man ist eh selten hier, deswegen ist es immer schön wieder hierherzukommen.

Zum Glück für München sind Michael Spieler, Kerim Öke, Thomas Sedlacek und Timothy Lush ihrer Heimatstadt treu geblieben. Wie froh sie sind, in München zu sein, wird klar, als sie über ihren geliebten Bandraum reden, über die sommerlichen Schreibpausen an der Isar oder einfach über die Zeit, die sie in ihrer Jugend am Hohen Weg in Harlaching verbracht haben. Und wie froh die Münchner darüber sind, zeigte sich spätestens beim Finale ihrer Club Tour im Dezember 2018: Auf der Bühne im STROM spielte die Band gleich zwei Konzerte vor ausverkauftem Haus.

Die KYTES zurück im ausverkauften Strom in München.

Die KYTES zurück im ausverkauften Strom in München.

Bei einem der Konzerte war auch ich Teil der glücklichen Münchner-Schar, die vor der Bühne stand. Und noch immer lässt mich die Erinnerung an den durchtanzten Abend den Rest der Welt für einen Moment vergessen. Mit „Remedy“ kam ein bisschen Sommer in den Winter, „Take it Easy“ hat gezeigt, wie wundervoll verrückt das Leben manchmal sein kann und als sich bei „I Got Something“ der ganze Club gemeinsam und aus vollem Hals daran erinnert, wie wichtig es ist, nach vorne zu schauen, schafft KYTES genau das, was die Jungs erreichen wollen: Den Leuten einfach ein gutes Gefühl geben!

Timothy: Unser Musik soll tanzbar sein, aber auch so, dass man nach dem Konzert rausgeht und vielleicht mal für ein paar Stunden aus seiner Welt rausgerissen wurde. Wir beschäftigen uns auch viel mit Politik und wollen uns auch einsetzen. Aber wir wollen den Leuten auch einfach mal den Kopf freimachen, bei allen Sorgen, die jeder hat. Natürlich könnte man auch direkt darüber reden und einen traurigen Song darüber schreiben, wie die Welt kaputt geht, aber wir haben eher den umgekehrten Ansatz: Wir reißen die Leute mal kurz raus, vergessen das alles mal kurz und genießen den Moment.

Und das gelingt der Münchner Band nicht nur in ihrer Heimatstadt, sondern auf der ganzen Welt. Die KYTES-Reise hat schließlich schon bis in die USA geführt, aber auch nach England, Italien oder Ungarn. Dabei standen Michi, Kerim, Thommy und Timothy sowohl in Konzerthallen als auch in kleineren Clubs und auf Festivalbühnen – was ihnen am besten gefällt, lässt sich da schwer sagen. Doch blicken sie in die Zukunft, steht für Timothy definitiv ein Festival in England auf der Liste der Wunschbühnen, bei Michi ist das ganz klar die Olympiahalle. Auf ihren Reisen sammelt die Band aber nicht nur Bühnenerfahrung, sondern auch Inspiration für die vielen Songs mit Ohrwurm-Potenzial. Nach ihrer Kalifornien-Reise hatten KYTES so die Idee für die kürzlich veröffentlichte Single „Remedy“ im Gepäck.

Michi: „Remedy“ ist ein Wundermittel, ein Heilmittel und das könnte viele gestresste Seelen heilen, wenn man einfach mal diesen kalifornischen „Vibe“ mitbekommt. Keiner hupt dich an, wenn du über die Straße gehst und mitten auf dem Zebrastreifen deinen Schuh zubindest. Dieses entspannte Lebensgefühl haben wir versucht, in die Single mit reinzubringen und festzuhalten.

Die KYTES bringen mit "Remedy" sofort Sommer in den Winter. ©KYTES

Die KYTES bringen mit „Remedy“ sofort Sommer in den Winter. ©KYTES

„Remedy“ ist ein echter Sommer-Song von einer Band, die den Sommer liebt und den Winter am liebsten auf den Zeitraum zwischen erstem Advent und 6. Januar begrenzen würde. Die Sommerliebe der Band sorgt auch jetzt dafür, dass wir den kalten Winter für kurze Zeit vergessen können. Im Sommer 2018 ist schließlich ganz viel Musik von der EP entstanden, die wir schon morgen zu hören bekommen. Und mit der EP, die 5 facettenreiche Songs enthält und den fabelhaften Namen „Frisbee“ trägt, fasst KYTES auch einen wichtigen Entschluss. Das Frisbee begleitet die Band von nun an auf jedem Schritt ihrer musikalischen Reise – und zwar in Form des neuen KYTES-Labels „Frisbee Records“. Gemeinsam mit dem Produzenten filous nimmt die Band, ganz einfach und doch raffiniert, im eigenen Bandraum-Studio auf – mit Field Recordern und iPhone-Mikro. Damit sind wir viel näher am Bandgeschehen dran, bekommen schneller neue Songs auf die Ohren und die Jungs von Kytes können dabei auch noch sich selbst und ihrer Musik voll und ganz treu bleiben.

Timothy: Für uns hat es sehr viel verändert, als wir gemerkt haben, wir können in unserem Lieblingsraum aufnehmen, müssen nicht in ein Studio fahren, sondern können es hier machen, in unserer Komfortzone.

Und damit schaffen sie Musik, die bei jedem, der sie hört, für gute Laune, für kleine Alltagsausbrüche, für ein kleines bisschen Komfortzone sorgt – und das jederzeit und überall!

Wir sind schon gespannt, was wir in zwei Jahren wieder über KYTES berichten können und freuen uns schon riesig auf den EP-Release morgen!

Und ich sage: „Danke für das längste Interview der Welt“! :-)

Christina Bacher