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Der UniKater: Versunken im Winter-Wunderland

Streifzüge durch Münchner Geschichten

Ein kleiner Kater streift seit einigen Wochen durch die Münchner Straßen. Besonders im Univiertel häufen sich die Sichtungen – anscheinend ist er sogar Justus schon vor den Porsche gelaufen. Wir kennen weder seinen Namen noch seinen Hintergrund, haben aber festgestellt, dass er die tollsten Geschichten aus dem Münchner Alltag erzählen kann. Beim Zuhören scheint es sogar oft, als wäre er im Herzen einer von uns.

Miau, ihr Menschen!

Ich hoffe, ihr seid alle im Warmen und müsst euch dieses nasse Gestöber nur durch ein Fenster ansehen. Ich habe es ja versucht, nicht auf meine täglichen Spaziergänge zu verzichten, aber nachdem die zu einem echten Abenteuer wurden, zieht es mein Katzengemüt vor, sich auf einem gemütlichen Kissen vor der Heizung zusammenzurollen.

Es ging ja schon damit los, überhaupt das Haus zu verlassen. Vor mir türmten sich die weißen Mauern und ich konnte die Kälte förmlich riechen. Ein paar von euch Zweibeinern haben sich die Mühe gemacht und haben versucht den Weg freizuschippen, doch es ist vergebliche Müh. Mein glänzendes Katzenfell wird von dicken, schweren Schneeflocken durchweicht. Aber noch gebe ich nicht auf. Ich fixiere die noch einigermaßen schneefreie Stelle, spanne meinen Körper an und mit einem großen Satz springe ich über den Schneeberg vor meiner Nase hinweg. Ich spüre die Sprungkraft in meinem ganzen Körper, die Spannung und die Eleganz mit der ich über das weiße Meer hinwegsegle. Und ich sehe den halbwegs geschippten Weg vor mir, der Startpunkt meines Spaziergangs, ich sehe meine Pfoten bereits leise die Schneedecke aufwirbeln. Und ich will schon jubeln, als ich das kalte Nass spüre….

…Da versinken meine Vorderbeine immer tiefer im Treibsand der Kälte. Ich reiße meine Augen auf und recke den Kopf, meine Hinterbeine wollen meinen Körper nach vorne schieben, doch auch sie versinken und der pappige Schnee umschließt meinen Bauch, kitzelt an meinem Hals, frisst sich durch mein dickes Fell. Ich stecke fest. Eindeutig. Und mir ist kalt. Mein Katzenstolz ist tief beleidigt, dass ich mich in so einer demütigenden Situation befinde. Und noch beleidigter bin ich, nachdem ich tatsächlich von einem Zweibeiner gerettet werden musste. Das wars mit meinem Spaziergang für heute.

So schnell gibt der UniKater nicht auf! © Sophie Obwexer

Mein zweiter Versuch endete ähnlich verstörend. Da das Tauwetter eingesetzt hatte, dachte ich, ich würde jegliche peinliche Situationen, die mit Schnee zu tun haben, umgehen können. Dafür war es recht ungemütlich draußen, nicht nur kalt, sondern extrem nass. Kein Katzenwetter, aber immerhin kein tückischer Schneeberg.
Mit erhobenem Haupt, um die Schmach vom Vortag wiedergutzumachen, stolziere ich die Straße entlang. – Und auf einmal saugt sich mein Fell von den Pfoten herauf bis zum Bauch, Nacken und Rücken komplett voll mit eiskaltem Schneewasser. Ja, wer hätte denn auch ahnen können, dass diese Pfützen so tief sind! Als ich dann auch noch auf dem Rückweg direkt vor meiner Haustür fast von dem größten Eiszapfen, den München je gesehen hat, erschlagen werde, reicht es mir endgültig. Ich bin eben ein Kater und Kater bleiben bei so einem Wetter drinnen. Basta!

Bis bald, euer Unikater!