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Studium fertig – und jetzt? Teil 3: Erst mal die Welt sehen

Wege nach dem Studium gibt es so einige. Welchen ihr gehen wollt, ist ganz euch überlassen und richtet sich nach euren Interessen, eurer Lebensart und euren Zukunftsplänen. In unserer Folge aus dem August hat Karriere-Coach Petra Carlile die Festanstellung näher betrachtet, im September erklärte sie Wege in die Selbstständigkeit. Heute folgt eine weitere Möglichkeit:

Folge 35:

„Gibt es den richtigen Zeitpunkt für eine mehrwöchige oder gar mehrmonatige Reise?“

Unser unikater Karriere-Coach beantwortet eure Fragen!

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Gibt es den perfekten Zeitpunkt für eine mehrwöchige oder gar mehrmonatige Reise? Immer! Es liegt an uns selbst, wie und wann wir uns Reisewünsche erfüllen. Ich kenne jedoch viele, die bereits mitten im Berufsleben stecken und zutiefst bedauern, dass sie nicht VOR Berufsstart ihrer Lust auf Ferne nachgegangen sind. Jetzt stecken sie in verantwortungsvollen Jobs, haben schulpflichtige Kinder und vieles mehr.

Das Gap Year

… ein Zeitraum beziehungsweise eine Pause zwischen einem abgeschlossenen und einem neuen Lebensabschnitt – egal ob über mehrere Monate oder ein komplettes Jahr. Wie ihr dieses verbringen möchtet, ist euch überlassen. Ob mit „Work and Travel“, im Rahmen eines Zusatzsemesters an einer ausländischen Universität, für Praktika an einem bestimmten Ort im Ausland, für ein freiwilliges Engagement in einer Hilfsorganisation oder einfach nur als Weltenbummler mit der Kamera vor dem Bauch und dem Rucksack auf dem Rücken quer durch die Welt.

Praktische Erfahrungen sammeln

Wer sich für ein oder mehrere Praktika entscheidet, weil das Studium doch sehr theorielastig und verschult ablief, kann sich mit Unternehmen in Verbindung setzen, die sogenannte Gap-Year-Programme anbieten. Hiervon gibt es einige in Deutschland. Sie wissen, dass Absolventen zunächst auch eine Zeit weg von den Büchern brauchen und bieten ihren künftigen Nachwuchskräften entsprechende Möglichkeiten.

Reisen ist teuer – woher soll ich das Geld nehmen?

Von „Work and Travel“ habt ihr sicherlich schon gehört. Eine gute Möglichkeit, sich Geld während der Reise zu verdienen UND mit Einheimischen fernab von Touri-Pfaden in Kontakt zu kommen UND die Fremdsprache wirklich zu verinnerlichen. Wer also nicht über unerschöpfliche Geldquellen verfügt, kann sich dennoch eine Reise nach seinen Vorstellungen organisieren.

Mir fällt dabei ein Buch von Meike Winnemuth ein: „Das große Los – Wie ich bei Günter Jauch eine halbe Million gewann und einfach losfuhr“. Ja, sie hatte ausreichend finanzielle Sicherheit. Doch ihr Fazit am Ende ihrer Reiseschilderung: Sie behielt das meiste des Geldes noch übrig. Die Journalistin hatte unterwegs gearbeitet und dennoch ausreichend Zeit für ihre Reiseeindrücke. Hoch lebe unser Online-Zeitalter! Nur Mut also, auch wenn der Lottogewinn fehlt und Opi nicht mit der dicken Brieftasche winkt! Es gibt für alles einen Weg.

Unser unikater Karrierecoach: Petra Carlile, (c) Angelika Güc, semikolon

Unser unikater Karriere-Coach: Petra Carlile (c) Angelika Güc, semikolon

Lücke im Lebenslauf und schlechte Einstiegschancen?

Wer sich wirklich abschottet und auch während der Reisezeit keinen Kontakt in die Heimat hält, hat es schwerer beim Einstieg nach der Rückkehr. Dann bitte auf jeden Fall dafür mehr Zeit einplanen für Orientierung und eine längere Bewerbungsphase.

Ich empfehle, schon vor Reiseantritt die Fühler auszustrecken, mit dem ein- oder anderen Personaler ins Gespräch zu kommen und auszuloten, welche Unternehmen oder künftigen Arbeitgeber nach Eurer Rückkehr Interesse haben (auch in einem Jahr ist der Nachwuchskräftemangel nicht vorbei). Haltet auch während der Reisezeit immer wieder Kontakt.

Und die Argumentation im Lebenslauf? Auf keinen Fall eure Auszeit verschweigen! Das würde ohnehin hinterfragt werden. Und wenn ihr geschickt ein Reiseziel gewählt habt, bei dem ihr zum Beispiel eure Englischkenntnisse vertieft habt, könnt ihr das auf jeden Fall zusätzlich erwähnen!

Jeder Personalentscheider mit Menschenkenntnis weiß, dass ein selbst organisiertes Auslandsjahr diejenige Person prägt. Selbständigkeit, Organisationstalent  und Improvisationsstärke – das sind Eigenschaften, die Rückkehrer einer solchen Reise garantiert mitbringen und nicht nur als leere Floskel auf dem Papier zu stehen haben.

Blog oder eigene Website

Wem es liegt, während der Reise einen Blog mit Erfahrungen und Erlebnissen zu füllen oder die Reiseberichte gar auf eine eigenen Website stellen kann – bitte tut das! Und notiert diese Webadresse im Lebenslauf zu Eurem Gap-Year. Besser könnt ihr nicht für euch werben, wenn ihr Inhalte überlegt und mit Geschick einstellt.

Ich wünsche euch viel Spaß, gute Reise und viele tolle Eindrücke. Ich freue mich schon auf eure nächsten Fragen!

Eure Petra Carlile

Schickt uns eure Fragen! Mail an: karrierefragen@unikatmag.de

Unikate Unterstützung: Der Karrierecoach beantwortet eure Fragen!

Unikate Unterstützung: Der Karrierecoach beantwortet eure Fragen!

Mehr unikate Hilfe und Tipps und Tricks für deinen absoluten Traumjob findest du auch in den letzten fünf Folgen des Karriere-Coaches:

Folge 30 „Neugierde wecken im Lebenslauf“

Folge 31 „Welches Stipendium?“

Folge 32 „Geht nicht, gibt’s nicht!“

Folge 33 „Studium fertig – und jetzt? Teil 1: Das Angestelltenverhältnis“

Folge 34 „Studium fertig – und jetzt? Teil 2: Sich Selbstständig Machen“