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10 HipHop-Essentials, die man gehört haben sollte

Klassiker für Neulinge und Kenner

Die Geschichte des HipHop ist die Geschichte des Aufstiegs, von ganz unten nach ganz oben. Es gibt alle möglichen Anekdoten der einzelnen Vertreter dieser Musikrichtung, – ob real oder fiktiv – die zeigen sollen, wie aus Nichts Alles wurde. Dabei ist eines nicht von der Hand zu weisen – HipHop ist heute angesagter als je zuvor. Das beweisen nicht nur die Erfolge der Musiker Drake, Kendrick Lamar, A$ap Rocky usw. in den USA – dem Geburtsland des Rap und HipHop. Auch deutsche Künstler wie Bausa, Marteria, Casper oder die Jungs von der 187 Straßenbande um Raf Camora erfreuen sich gerade astronomischer Verkaufszahlen und Einzug in jede mögliche Sparte der Popkultur.

Die Anzahl der verschiedenen Musiker und der musikalischen Sub-Richtungen, welche sie besetzt haben, scheint in Anbetracht dieser Einleitung zu umfangreich und differenziert, um sie alle abzuhandeln. Man kann aber mittlerweile sicher sein, garantiert etwas im HipHop zu finden, was man gerne hört. Daher sollen hier 10 HipHop/Rap-Alben vorgestellt werden, welche aus rein subjektiver Sicht, jeder mal gehört haben sollte – kein Ranking, sondern vielmehr eine Aufzählung von bedeutenden Einflussgrößen. Dabei sind 10 Alben tatsächlich im Rückblick viel zu wenige, um die vielen Künstler und vor allem das Spektrum des HipHop gerecht zu beleuchten. Dennoch muss man sich beschränken, weshalb hier ein paar Klassiker aus dem Geburtsland des HipHop genannt werden sollen, die jedem hartgesottenen Kenner hoffentlich ein Schmunzeln entlocken und für jeden Neuling eine mögliche Orientierungshilfe sein können.

1. Dr. Dre – 2001 (1999)

Den Anfang macht Westcoast-Legende und Begründer des G-Funks André Young alias Dr. Dre. Nach seiner Trennung von N.W.A. schaffte es Dre, sich als erfolgreicher Rapper und Musikproduzent in den USA durchzusetzen. Vor allem sein Solo-Debüt „The Chronik“ gilt als waschechter Klassiker und Geburtsstunde des G-Funk. Mit diesem Album begann auch die Karriere eines gewissen Snoop Doggy Dogg. „2001“ war der nächste logische Schritt in der musikalischen Entwicklung von André. Der Name des Albums sollte andeuten, wie revolutionär und progressiv sein Sound mittlerweile geworden war. Die Produktion erfolgte durch Dr. Dre selbst und Mel-Man, die das Album durch die Synthesizersounds und einen tiefen Bass prägten. Auch atmosphärisch und textlich gelang es Dre (im Feature mit bekannten Musikern wie unter anderem Nate Dogg, Kurupt, Xzibit und Eminem) auf so gut wie jedem Track den Gangster-Rap salonfähig zu machen.

© pixabay

2. Snoop Doggy Dogg – Doggystyle (1993)

Das wohl am meisten antizipierte HipHop-Album der frühen 1990er Jahre. Nachdem Dr. Dre’s Album „The Chronik“ und damit verbunden vor allem seine Zusammenarbeit mit Snoop Doggy Dogg so erfolgreich gefruchtet hatte, konnten sowohl Fans als auch Kritiker auf der ganzen Welt das Debütalbum des Gangsta-Rappers aus Long Beach kaum erwarten. Das Album selbst zeichnet vor allem die Reimtechnik Snoop Doggs aus. Kaum ein anderer schafft es, komplexe Mehrfachreime auf eine gleichzeitig so witzige und lässige Art und Weise zu verpacken und sie perfekt auf langsame und basslastige Beats zu legen. Das Album selbst erhielt in der ersten Woche nach Erscheinung bereits den Platin-Status und stieg als eines der ersten HipHop-Alben auf Platz 1 der Billboard 200 ein.

3. Outkast – ATLiens (1996)

Das Rapduo Outkast, bestehend aus André 3000 und Big Boi steht für ein ganzes Subgenre des HipHop. Sie stehen als Mitbegründer des Dirty South – Musik aus dem amerikanischen Süden – für Experementierfreude. Zwar erreichten sie ihren musikalischen und kommerziellen Höhepunkt mit Singles wie Mrs. Jackson und Hey Ya! in den frühen 2000er Jahren, doch war es das zweite Musikalbum „ATLiens“ aus dem Jahre 1996, welches ihren eigenen Musikstil vollends einfangen konnte. Dabei klingen die Tracks auf der Platte alle sehr ruhig und introvertiert. Als Außenstehende (in Anlehnung an den Titel des Albums) wollen André 3000 und Big Boi der Welt mit ihrer extraterrestrischen Symbolik mitteilen, dass auch sie eine Daseins-Berechtigung im HipHop verdient haben. Ein in sich sehr stimmiges und atmosphärisches Album, welches man mehrfach durchhören kann, ohne ein einzelnes Lied zu überspringen.

4. Busta Rhymes – The Coming (1996)

Busta Rhymes zählt ohne Zweifel zu den besten und vor allem schnellsten Mcs in der HipHop-Geschichte. Sein Erstlingswerk „The Coming“ mit seinen grollenden Basslines und Busta’s Hochgeschwindigkeitsversen ist genauso chaotisch wie genial. Der Rapper zeichnet hier mit seiner bedrohlichen Bariton-Stimme absurde und witzige Sprachbilder, welche unter anderem durch Produzenten wie Q-Tip (A Tribe Called Quest) und Dj Scratch musikalisch untermauert werden. Dabei schafft es Busta Rhymes auf erstaunliche Art und Weise, einen Spagat zwischen der nötigen Street Credibility und dem kommerziellen Erfolg zu schaffen. Mit seinem Charisma schlägt der wildgewordene Rastafari aus Long Island auf „The Coming“ musikalisch zu wie ein Boxer.

5. Eminem – The Marshall Mathers LP (2000)

Eminem ist der bekannteste Vertreter seiner Zunft. Die Musik von Marshall Bruce Mathers III. hat wohl mehr Menschen erreicht als je die eines Rappers vor oder nach ihm. Nach einer Rap-Olympiade, in welcher Em‘ nur den zweiten Platz belegen konnte, wurde Jimmy Iovine, einer der Gründer von Interscope Records auf ihn aufmerksam und leitete sein Mixtape an keinen Geringeren als Dr. Dre weiter. Dieser war sofort begeistert von dem weißen Rapper aus Detroit und nahm ihn sogleich unter Vertrag. Im Mai 2000 erschien die „Marshall Mathers LP“ – das kommerziell erfolgreichste Album des Musikers – und für viele Kritiker eines der besten Rap-Alben aller Zeiten. Ein sehr persönliches Album, in welchem sich Eminem mit seinem Aufstieg zum Superstar, seinem Einfluss auf die Popkultur befasst und nebenbei sowohl Probleme mit seiner Ehefrau Kim als auch seine sehr schwierige Kindheit behandelt. Dr Dre. übernahm den Großteil der Produktion der Platte, die insgesamt eher düster herüberkommt. Hier rappt ein zorniger Mann mit einer Wut auf gefühlt Alles und Jeden. Dabei lebt er seine Gewaltfantasien aus und rappt mit so viel Energie, dass man als Hörer gleichzeitig erschrocken und fasziniert zuhören muss. Ein sehr ausgewogenes Album, in welchem sich Chart-taugliche Lieder und sehr persönliche Tracks fast fließend abwechseln.

6. Nas – Illmatic (1994)

Wir schreiben das Jahr 1994. Der damals 21 Jahre alte Nasir bin Olu Dara Jones – besser bekannt als Nas – debütiert mit seinem Album „Illmatic“ und setzt damit einen Meilenstein in der HipHop-Geschichte. Nas rappt hier melancholisch und romantisch über die Straßen von Queensbridge, wo er in den Projects – der Sozialwohnungssiedlung aufwächst. Dabei ist er zugleich Reporter und Geschichtenerzähler und behandelt in seinen Texten Themen der Gewalt und Kriminalität in seinem Umfeld. Nas bedient er sich sehr komplexer Stilmittel und Reimschemata. Die musikalische Begleitung erfolgt durch Dj Premier und Large Professor, was das Album sehr grooveorieniert erscheinen lässt, durch kurze Loops und Anlehnungen an andere Stücke aus dem Genre des Soul. Stilistisch ist es eine großartige Platte, welche in ihrer Laufzeit von knapp 40 Minuten fast alles umfasst, was den HipHop so besonders macht.

© Mali Maeder / Pexels

7. 2Pac – Me Against The World  (1995)

Mit Tupac Shakur war es so eine gesellschaftskritische Sache. Dabei sollen sein künstlerisches Schaffen und seine politische Message auf keinen Fall kleingeredet werden. „Me Against The World“ ist sein wohl emotionalstes, drittes Album. Dabei kann man nicht wirklich sagen, dass Tupac eine so außergewöhnliche Reimtechnik besitzt, oder die musikalische Produktion besonders hervorstechend ist. Es ist mehr sein Charisma und die Themen, welche er anspricht. Diese belaufen sich auf die polizeiliche Gewalt gegen die afroamerikanische Bevölkerung, seine Inhaftierung und sein Credo „Thug Life“ und alles was dazu gehört. Aber er beschäftigt sich auch mit dem kurz vorher erfolgtem Attentat auf ihn und seiner Beziehung zu Gott. Dies wird in ein solides Gerüst verpackt, wodurch das ganze Album im Ganzen sehr abgestimmt und klassisch erscheint.

8. Lauryn Hill – The Miseducation of Lauryn Hill (1998)

Das einzige Solo-Album der Sängerin Lauryn Hill ist auch gleichzeitig ihr bestes Werk. Ein sehr persönliches Album, welches Stile aus dem HipHop, R&B, Soul und Reggae vereint und mehrfach ausgezeichnet wurde. Lauryn Hill singt, bzw. rappt über verschiedene Themen, wie ihren musikalischen Werdegang bei den Fugees, ihre Schwangerschaft, Liebe, Gott und die Welt. Dieses Album ist sehr progressiv und vermittelt eine weibliche Sicht auf die Dinge im Leben, wie es sie vorher im HipHop nicht gegeben hatte. Ihr musikalisches Schaffen setzt Hill mit dem Schaffen von Leben gleich. Durch ihre starke Stimme, die Balance zwischen ernsten Themen und Gefühlen gelingt ihr ein Album, welches musikalisch und lyrisch perfekt ist.

9. Wu-Tang-Clan – Enter the Wu-Tang (36 Chambers) (1993)

Ein sehr düsteres Album, welches New York als Geburtsort des HipHop festigte. Die Rap-Gruppe Wu-Tang-Clan etablierte seinen ganz eigenen prägnanten Sound, der auf dieser Platte dank des damaligen schlechten Aufnahme-Equipments sehr roh und experimentell rüberkommt. Dabei erzählen die einzelnen Mitglieder des Clans abwechselnd von den sozialen Zuständen in ihrer Heimat Staten Island, dem Drogenkonsum und ihrer Liebe zu alten Kung-Fu Filmen und der Mythenwelt der chinesischen Volkskultur. Interessant ist, dass jeder in diesem Rap-Kollektiv seine eigene Aufgabe hat. Vom Produzieren der Beats bis hin zum Verfassen der Lyrics und der Veröffentlichung der Platte: Alles selbst gemacht. Diese Arbeitshaltung ermöglichte den einzelnen Mitgliedern des Wu-Tang-Clans erfolgreiche Solo Veröffentlichungen in den Folgejahren und eine Etablierung als Trendsetter. „36 Chambers“ ist dabei der Beginn eines Hypes, der bis heute anhält und den Hörer mit auf eine Tour durch die düstere, aber auch faszinierende Welt des Wu-Tang mitnehmen möchte.

10. Kendrick Lamar – good kid, m.A.A.d. city (2012)

Der aktuell wohl wichtigste Vertreter der HipHop-Bewegung: Kendrick Lamar hat in seiner Karriere wohl schon jeden wichtigen Preis abgestaubt, den man sich als Musiker nur wünschen kann. Sein Album „To Pimp a Buttterfly“ erhielt 11 Grammy Nominierungen – nur der King of Pop, Michael Jackson hatte für sein Thriller-Album zwei Nominierungen mehr. Kendrick erhielt 2017 sogar den Pulitzer-Preis für sein Werk DAMN. Die Kritiker feiern ihn als Poeten, Songwriter und Wunderkind des HipHop. So war es jedoch erst sein zweites Studioalbum „good kid, m.A.A.d. City“ welches ihn als feste Größe im HipHop etablierte. Seine Stimme ist einzigartig und Kendrick weiß sie einzusetzen. Gleichzeitig erübrigen sich Diskussionen über inhaltsleere Musik. Kendrick nimmt auf „good kid“ den Hörer mit in seine Heimat Compton, bedient sich verschiedener Sample- und Rap-Stile, zeigt gleichzeitig ein Händchen für massen-taugliche Pop-Melodien und versucht Teile seiner Lebensgeschichte auf glaubwürdige Weise zu schildern. Seine musikalische Treffsicherheit ist überragend und selten wurde Technik auf so ansprechende und angenehme Weise vermittelt.

Nikita Mejerovski