Wir schreiben München – schreibt mit!

Der UniKater: Heimfahren

Streifzüge durch Münchner Geschichten

Ein kleiner Kater streift seit einigen Wochen durch die Münchner Straßen. Besonders im Univiertel häufen sich die Sichtungen – anscheinend ist er sogar Justus schon vor den Porsche gelaufen. Wir kennen weder seinen Namen noch seinen Hintergrund, haben aber festgestellt, dass er die tollsten Geschichten aus dem Münchner Alltag erzählen kann. Beim Zuhören scheint es sogar oft, als wäre er im Herzen einer von uns.

Miau, ihr Menschen!

Unter euch Studenten ist es ja eine weitverbreitete Praxis, am Wochenende nach Hause zu euren Eltern zu fahren. Zurück in das kleine Dorf am Rand von München, zurück in die Stadt am anderen Ende von Deutschland, zurück zu den Wurzeln eben. Ich selbst habe meine Katzenmutter auch schon lange nicht mehr besucht – mein Katzenvater war Erzählungen nach ein übler Streuner, der jeden Abend in der Dorfkneipe herumschlich und an den Zigarettenkippen der Menschen kaute, um seine Nikotinsucht zu befriedigen. Ich habe ihn nie gekannt und das kann auch gerne so bleiben.

Aber meine Mutter wohnt noch immer in derselben Scheune, in der ich und meine fünf Geschwister geboren wurden, auf einem kleinen Bauernhof mitten im bayerischen Nirgendwo. Meine drei Brüder wohnen auch noch in der Nähe, während meine Schwester sobald sie groß genug war bis in den hohen Norden getrampt ist. Es war schon viel zu lange her, dass ich meine Familie gesehen habe, also beschloss ich am Wochenende, einen Ausflug aufs Land zu unternehmen.

Die toughen Katzenbrüder des UniKaters. © Sophie Obwexer

Ich sprang in eine Regionalbahn, die aussah, als würde sie in die richtige Richtung fahren und versteckte mich die nächsten zwei Stunden in einer Ecke unter einem Sitz – was der Schaffner machen würde, wenn er eine schwarzfahrende Katze entdeckte, wollte ich lieber nicht in Erfahrung bringen. Tatsächlich fuhr der Zug auch zur richtigen Haltestelle, an der ich schnell durch die Tür schlüpfte und mich entlang eines Wiesentrampelpfads auf den Weg zu meiner alten Heimatscheune machte.

Meine Mama staunte nicht schlecht, als ich so plötzlich um die Ecke bog. Allerdings musste sie nach der freudigen Begrüßung erst einmal meine Körperhygiene bemängeln und fing an, mich wie ein Katzenkind von oben bis unten zu putzen. Iiih, dafür bin ich doch viel zu alt! Meine drei Brüder waren auch zu Besuch und hießen mich jeweils mit einer freundlichen Kopfnuss willkommen. Zur Feier des Tages fingen wir uns ein paar Feldmäuse. Ich stellte mich peinlicherweise ziemlich ungeschickt an. Die Stadt hat mich zu sehr verwöhnt, wo es doch an jeder Ecke einen Bissen zu klauen gibt. Abends stimmten wir ein vielstimmiges Katzengejammer an – ganz nach Familientradition.

Am nächsten Morgen machte ich mich wieder auf den Weg in die Stadt. Schön war es in Mamas alter Scheune – aber mein Zuhause ist jetzt München. Und da ist es auch schön.

Bis bald, euer UniKater!