Wir schreiben München – schreibt mit!

Cum Tempore: Dürnecker

15 Minuten mit Univ. Prof. Dr. Dürnecker

Student auf Dozent ist wie Bier auf Wein – das lass sein, oder? In weniger als 15 Minuten bringen unsere Redakteure die Wahrheit ans Licht. Zur Abwechslung stecken LMU-Dozenten nicht ihre Nase in Bücher, sondern vor unser unikates Mikrophon. Nach einem Gespräch voller wertvoller Tipps, Inspiration und echter Einfühlsamkeit garantieren wir: Wein auf Bier – das rat‘ ich dir!

Wenige Tage vor der Klausur, die Nerven liegen blank. Die Vorlesungszeit verstrich so rasend schnell. Sämtliche Antworten sind unter hunderten von Post-It’s, Karteikarten und Vorlesungsfolien verstreut – doch die Antwort auf die eine Frage lässt sich nicht finden. Notgedrungen wird eine E-Mail an den betreffenden Professor geschrieben. Mit einem lässigen „Servus Professor“ ließ sich die Nervosiät seitens des Studentens verbergen und sorgte bei Herrn Prof. Dürnecker, Ph.D.  für Abwechslung in den sonst sehr formellen E-Mail-Ansprachen. Er selbst erklärte uns im Interview:

Ich bin kein Anhänger des Titelkultes im deutschsprachigen Raum!

Wöchentliche 90 Minuten aufmerksames Zuhören und doch stellt man fest, dass man fast nichts weiß, und wenn dann mehr über den Inhalt der Vorlesung, als über den Dozenten. Im Exklusiv-Interview verriet uns Herr Dürnecker mehr über seine Inspirationsquelle seiner zielstrebigen Karriere als VWL-Profi.

Aus Pflicht wird ernstes Interesse

Das Unterrichtsfach Geographie und Wirtschaftskunde, eins wie jedes andere: Nicht für Georg. Mit der Liebe zum Detail und einem Sinn für Komplexitätsreduzierung gesamtwirtschaftlicher Konzepte entflammte seine damalige Professorin im Gymnasium das lodernde Interesse an Wirtschaft. Sie gab ihm damals die nötigen Anreize quadratmetergroße Wirtschaftsartikel sinnerfassend zu lesen und sie heute selbst zu verfassen und darüber hinaus Denkanstöße weiter zu geben, und das sogar in seinem Wunschseminar:

Die Traumveranstaltung, die mach ich eigentlich schon. Die ist im Masterbereich und ist darauf ausgelegt, Methoden beizubringen, wie man komplizierte Modelle mit Hilfe des Computers löst und dann auch verwendet, um an Hand von reellen Daten z. B.: Firmendaten, die Pararmeter der Modelle zu schätzen.

In der Natur liegt die Kraft

Herr Prof. Dürnecker ist überzeugt von Erholung durch frische Luft. Entweder geht er auf die Jagd (nach Fischen oder Wild) oder Berg steigen. München bietet ihn auf jeden Fall den nötigen Uniausgleich:

Das Angebot an Freizeitaktivitäten ist sehr viel breiter und kultureller- Generell ist die Lebensqualität hier höher.

Zuvor lehrte er an der Universität in Mannheim, die in Sachen Verwaltung mehr auf Zack war. Als Grund für die ineffizienz der LMU meint er:

Die LMU ist ein richtiger Koloss, da sind die Prioritäten anders.

Als Vorteile sieht er auf jeden Fall in der gebotenen Interdisziplinarität:

Wenn Sie interdisziplinär arbeiten wollen, haben Sie hier viel mehr Ansprechpartner und Kontaktmöglichkeiten. Das ist sehr angenehm und ich muss auch dazu sagen, dass innerhalb der volkswirtschaftlichen Abteilung das persönliche Klima sehr sehr angenehm ist. Man fühlt sich sehr willkommen, sehr gewertschätzt, dh. den Input den man liefert, der wird auch aufgenommen.

Herrn Dürnecker genießt die Aufmerksamkeit, die ihm hier die Studenten und Kollegen entgegen bringen sehr. Auf die Frage nach dem lustigsten Ereignis im Dozentenalltag antwortete er mit folgender Geschichte:

In Mannheim unterrichtete ich eine mittelgroße Klasse, die alle sehr aufmerksam waren – bis auf zwei Jungs. Die quatschten ständig und beendeten Ihre Gespräche auch nicht nach mehrmaliger Aufforderung. Selbst die Kommilitonen haben die Zwei schon drauf aufmerksam gemacht, weil es so störend war. Ich bin dann zu den beiden hin, hab ihnen 5 € auf den Tisch gelegt und gesagt, sie mögen ins Kaffeehaus gehen und dort weiter plaudern. Diese liefen Knallrot an und haben die 5 € genommen und sind aus dem Hörsaal raus. Nach Ende der Veranstaltung hatten sie draußen gewartet. Es war ihnen furchtbar peinlich und sie haben mir die 5 € wieder gegeben und sich entschuldigt. Ich habe mich selbst überrascht. Also meine eigene Reaktion auf die Situation, aber auch wie positiv die Studenten das aufgenommen haben. Sie waren nicht sauer, sondern es war vielmehr ein Lerneffekt auf beiden Seiten.

Im Punkto „Lebenslanges Lernen“ macht uns Herr Dürnecker nichts vor. Er verriet uns im Interview sein Motto dazu und gibt sie euch auf den Weg gepflastert mit Klausuren und Abgaben mit:

Bestehendes Wissen nicht als Gegeben hinzunehmen, sondern zu hinterfragen. Immer die Augen offen halten.

Nadine Nopppinger