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10 außergewöhnliche Methoden, um auswendig zu lernen

„Alles zu chaotisch? Dann lern‘ doch exotisch!“

Ob in Germanistik, Maschinenbau, Politikwissenschaft, Geschichte, Skandinavistik oder auch Kommunikationswissenschaft; jeder Student kennt wohl das Gefühl vor einem Stapel Papier zu sitzen, dessen Inhalt irgendwie in den Kopf gelangen sollte. Doch die Vorstellung dabei ruhig am Schreibtisch zu sitzen und stumpf vor sich hin zu lernen, entspricht nur selten der Realität. Dass Auswendiglernen sogar Spaß machen kann, oder zumindest Freunde, Familie und Mitbewohner zum Schmunzeln bringt, zeigen diese 10 außergewöhnlichen Methoden, um auswendig zu lernen!

1. Ab vor die Waschmaschine

Einfach mal was anderes: Vor der Waschmaschine auswendig lernen. ©Christina Bacher

Einfach mal was anderes: Vor der Waschmaschine auswendig lernen. ©Christina Bacher

Waschmaschine, Herd und Staubsauger werden in der Prüfungsphase immer unsere besten Freunde. Schließlich sind wir, wenn wir zu Hause lernen, über jede noch so kleine Ablenkung froh. Doch kann man die Haushaltsgeräte nicht nur zur Verdrängung, sondern auch zum tatsächlichen Lernen nutzen. Setzt euch mit euren Unterlagen einfach mal vor die Waschmaschine! Allein der Wechsel der Perspektive kann bei einer Lernblockade den Ausschlag geben. Und dann ist da noch dieses unaufhörliche, beruhigende Drehen der Trommel, das uns schnell klar macht: Hier bewegt sich was, also sollten sich auch der Lernstoff dringend wieder in unseren Kopf bewegen.

2. Laufend lernen

Wer vom Waschprogramm schnell die Nase voll hat, kann auch anders für Bewegung beim Lernen sorgen. Und zwar durch Laufen. Keine Sorge, die Rede ist hier nicht zwingend vom Joggen, Fitnessstudio oder Laufband. Auch ein Spaziergang entlang der Isar oder auch durch die eigenen vier Wände kann beim Auswendiglernen Wunder wirken! Auch Wissenschaftler sind sich einig: Gehen hat einen positiven Effekt auf die Leistung unseres Gehirn und befreit regelrecht unsere Gedanken. Schließlich soll es auch bei Albert Einstein ein Spaziergang gewesen sein, der den brillianten Physiker zum Verschriftlichen seiner Gedanken gebracht hat. Wenn das kein Grund für laufendes Lernen ist!

3. Auf die Umgebung kommt es an

Auch die Umgebung, in der wir lernen, wirkt sich bedeutend auf unser Gehirn aus. Jeder kennt wohl eine Situation wie die folgende: Man ist in der Bibliothek und hat ein wichtiges Buch im Schließfach vergessen. Also läuft man die Treppen hinunter zum Schließfach, öffnet es, wirft einen Blick auf das Handy, beantwortet Nachrichten und geht ohne das wichtige Buch wieder zurück an den Platz in der Bibliothek. Dort angekommen fällt es einem dann wieder ein: Ich wollte doch eigentlich das Buch holen! Eine Erinnerung ist also an einen bestimmten Ort gebunden. Und so auch das Lernen. Um die gelernten Inhalte bei der Prüfung problemlos abrufen zu können, sollten wir demnach am besten am Prüfungsort selbst lernen. Da das wahrscheinlich nur selten möglich ist, kann man mit anderen Mitteln Assoziationen zwischen der Lern- und Prüfungssituation schaffen. Man könnte beispielsweise für jedes Fach, das gelernt werden muss, ein bestimmtes Oberteil tragen (natürlich muss man dafür öfter einen Gang zur Waschmaschine vornehmen, siehe Methode Nummer 1). Trägt man in der Prüfung dann genau dieses Oberteil, kann Gelerntes in Erinnerung gerufen werden.

4. Einfach mal Selbstgespräche führen

Ein auditiver Lerntyp lernt am besten durch das Hören. Doch nicht jeder hat eine motivierte Lerngruppe um sich, mit der er über das Gelernte sprechen kann und ab einem gewissen Punkt hat auch der Mitbewohner genug davon, sich die Grundlagen der Journalismusforschung anzuhören. Daher bleibt in vielen Fällen nur das Selbstgespräch. Durch das Aufsagen der Lerninhalte werden mehr Sinne aktiviert, als dies beim bloßen Lesen der Fall wäre. Wer nicht gerne mit sich selbst spricht, sich aber trotzdem gerne hört, kann den Lernstoff auch einmalig laut aufsagen und sich dabei aufnehmen. So kann man das zu Lernende sogar bei Spaziergängen (siehe Methode 2) oder auch während langer Auto- oder Zugfahrten anhören. Um etwas Abwechslung in stumpfes Vorsagen zu bringen, kann man währenddessen auch verschiedene Rhythmen klatschen oder andere Bewegungen ausführen. Noch mehr Sinne bedeutet schließlich noch besseres Lernen!

5. Lachen hilft immer

Lernen und Lachen – zwei Worte die einfach nicht zusammengehören wollen. Doch so unglaublich es scheint, Lachen hilft auch beim Auswendiglernen. Amüsieren wir uns über etwas, wird unsere Aufmerksamkeit dafür direkt erhöht und unsere Aufnahmefähigkeit automatisch verbessert. Müssen wir beispielsweise seitenlange Theorie auswendig lernen, können wir uns diese in unterschiedlichster Art und Weise vorsprechen. Wie wäre es beispielsweise mit verschiedenen Dialekten oder Akzenten? Den einen Teil in ganz hoher, den anderen in ganz tiefer Stimmlage? Oder lieber während des Lernens vor dem Spiegel stehen und Grimassen ziehen? Was es auch ist, wenn es zu einem Lachen führt, kann man sich später nachweislich besser daran erinnern!

6. Yoga ist die Lösung

Yoga: der Alleskönner macht auch vor dem Auswendiglernen keinen Halt ©Christina Bacher

Yoga: der Alleskönner macht auch vor dem Auswendiglernen keinen Halt ©Christina Bacher

Für echte Yoga-Fans gibt es auch beim Auswendiglernen keine Pause. Ein Freund beschreibt mir seine ganz persönliche Yoga-Lernmethode und verwendet dabei überraschend oft das Wort „effektiv“:

Ich stell‘ mich in den Raum, am besten mit den Kopfhörern auf. Ohne Musik – nur, um nichts anderes zu hören. Vor mir auf dem Boden liegen die Blätter, die ich lernen muss, nebeneinander. Ich befinde mich in irgendeiner Yoga Position. Natürlich eine, die nicht anstrengend ist. Anschließend werfe ich mit den Händen irgendwelche Begriffe in den Raum. Ich lerne die einzelnen Sachen auswendig, indem ich sie räumlich irgendwo in meinem Kopf ablege. Nachdem eine Seite durch ist, mache ich einmal den Sonnengruß als Belohnung. Dann ist das nächste Blatt an der Reihe.

Das klingt verrückt? Vielleicht. Aber auch verrückt effizient!

7. Lernen fürs Auge

Was der visuelle Lerntyp längst weiß, der auditive jedoch meist völlig vergisst: Auch das Auge lernt mit! Auswendiglernen muss nicht zwingend kariertes Papier und blauer Kugelschreiber bedeuten. Karteikarten, Mindmaps oder auch Plakate bringen Schwung in den Lernstoff. Und außerdem bleibt schon bei deren Erstellung so einiges von den Inhalten im Gedächtnis. Um dennoch jeglicher Langeweile vorzubeugen, können Farben oder Bilder das Lernen noch spannender machen und unterstützen durch einen gezielten Einsatz noch dazu den Lernprozess. Schwierige oder besonders wichtige Begriffe sollten daher stets farblich markiert, unterstrichen oder anderweitig hervorgehoben werden.

8. Verrücktes Kopfkino

Das Gehirn arbeitet mit Bildern, wenn es sich etwas langfristig merken will. Verrücktes Kopfkino scheint also die perfekte Lernmethode für alle kreativen Köpfe und Tagträumer zu sein. Anstatt abstrakte Worte vor Augen zu haben, sollte man sich diese mittels Bildern im Kopf vorstellen. Um sich einen bestimmten Namen zu merken, nehmen wir an, bei diesem handelt es sich um „Bruno Taschenbier“, könnte man sich beispielsweise einen braunhaarigen Mann namens Bruno vorstellen, der betrunken ist, weil er immer ein Bier in seiner Tasche hat. Auf diese Weise wird der Name und seine enthaltenen Buchstaben mit verschiedenen Assoziationen verbunden und es fällt leichter, diesen abzurufen. Je nachdem, welches Fachgebiet auf dem Lernplan steht, lassen sich unterschiedliche Geschichten erfinden. Spaß ist dabei garantiert und der kann ja bekanntlich beim Auswendiglernen auch nicht schaden (siehe Methode 5).

9. Die Belohnungsstrategie

Hin und wieder brauchen wir eine Belohnung für die täglichen Hürden, die wir meistern. Und da diese Belohnung nur selten von alleine kommt, müssen wir uns, insbesondere in der Prüfungsphase, selbst darum kümmern. Die Strategie lautet daher: Konsequentes Lernen ohne Ablenkung, aber mit Vorfreude auf eine zeitlich absehbare Belohnung. Mit was ihr euch belohnen möchtet liegt dabei ganz bei euch selbst. Kaffee, Ferrero Küsschen, ein Blick aufs Handy, ein Nickerchen oder ein Telefonat sind nur ein Teil der langen Belohnungsliste. Natürlich sollte die Belohnung nicht mehr Zeit als das Lernen selbst in Anspruch nehmen. Aber das versteht sich ja von selbst, oder nicht?

10. Und wenn alles nichts hilft, muss eben doch das Bett her

An manchen Tagen sollte man lieber im Bett bleiben. Aufstehen lohnt sich gar nicht, die Laune ist viel zu schlecht, die Beine viel zu schwer und die Augenlider sowieso? Das ist noch lange kein Grund dafür, das Auswendiglernen sein zu lassen. Auch wenn es schön wäre, die Zusammenfassung einfach unter das Kopfkissen legen zu können, sodass diese nach einem weiteren Mal Schlummern bereits im Kopf ist, geht das Auswendiglernen im Bett nicht ganz so angenehm. Man sollte die Zusammenfassung zumindest in den Händen halten und die Augen darauf richten. Was nach stupiden Starren aufs Papier klingt, kann sogar recht effektiv sein. Schließlich werdet ihr von nichts und niemandem abgelenkt. Nur ihr und das Lernen, und das im eigenen Bett. Außergewöhnlich ist das vielleicht nicht, aber außergewöhnlich gemütlich.

Christina Bacher