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Sie fragt ihn: Zusammenziehen

Er fragt – Sie fragt

Unsere beiden Autoren eint ein Wunsch: Das andere Geschlecht zu verstehen. “Schnurzelburzel” und “Honigmäulchen” stellen sich in dieser unikaten Serie regelmäßig Fragen, deren Antworten die Gemütslagen, Vorstellungen und Gedankengänge des anderen Geschlechts erhellen sollen. Diese Woche:

Wann ist der richtige Zeitpunkt zusammen zu ziehen? Wollt ihr das überhaupt?

Liebstes Honigmäulchen,

die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt ist an sich schon sehr komplex. Gibt es überhaupt einen solchen perfekten Moment? Um nicht in ein philosophische Minenfeld zu stolpern, werde ich konkrete Beantwortung dieser Fragestellung, soweit es geht, vermeiden. Außerdem gibt es sicher keine universelle Antwort darauf, da jede Beziehung und jeder Partner anders ist.

Die eigene Selbständigkeit

Jedoch gibt es Momente in denen Mann sich nicht auf eine gemeinsame Wohnung einlassen möchte. Unter anderem ist ein Grund das Sauberkeitsempfinden.

Versteh mich bitte nicht falsch! Ich meine damit nicht, dass alle Männer Schweine sind. Doch nach Jahren der Regeln von den Eltern in Bezug auf die Haushaltsführung, ist es toll all diese Dinge nach seinem eigenen Vorstellungen zu erledigen. Dazu gehört nun mal auch, es einfach nicht zu machen. Die schmutzigen Teller nicht zu spülen, sondern im Becken bis zum nächsten Tag einweichen zu lassen. Um ganz ehrlich zu sein, jeder Mensch weiß, dass das nicht nötig ist. Aber es ist eine gute Ausrede diese Aufgabe zu verschieben.

In einer Wohnung, die man allein bewohnt ist so etwas kein Problem. Auch in einer WG ist man meistens seinen Mitbewohnern nicht soweit verbunden, dass man sich deswegen stressen lässt. Man sagt einfach: „Ja, kein Problem, mach ich schon noch…“, und meistens ist die Angelegenheit damit geklärt. In einer Beziehung funktioniert so ein Verhalten aber nicht. Es führt direkt zum handfesten Streit. Oder dieses Verhalten kann gar nicht ausgelebt werden und man fühlt sich, als hätte man etwas verpasst. Ihr seid uns halt so viel Wert, dass wir versuchen, die beste Version unserer selbst zu sein.

Keine Sorge, diese Phase hält nicht ewig und meistens auch nicht lange an. Danach ist man aber bereit sich auf Kompromisse mit seinem Partner einzulassen. Gemeinsames Wohnen ist nach dieser Zeit sicher angenehmer als davor.

So ein Verhalten beeinflusst sicher mehrere Teile des alltäglichen Lebens, unter anderem auch Ernährung. Nach geregelten Frühstück, Mittagessen und Abendessen im Elternhaus, kann man danach seine eigenen Regeln schreiben und über den Haufen werfen. Frühstück um zwei Uhr Nachmittag, Müsli als Abendessen und Fastfood nach der Kneipe gelten sicher nicht als geregelt, entsprechen aber dem subjektiven Empfinden, welches sicher kein anderer Mensch teilen kann. In der Hinsicht bin ich aber überzeugt, dass uns ein Zusammenleben mit euch wahrscheinlich gut tun würde. Allerdings würde Mann sich am Anfang doch etwas zieren.

Auch haben wir in Laufe der Zeit mehr und mehr Zeug angehäuft. Dieses muss in einer gemeinsame Wohnung natürlich auch wieder vorzufinden sein. Klischee und Erfahrung zeigt aber, dass dies nicht der Fall ist. Die meisten Wohnungen werden letztendlich doch von euch eingerichtet. Unser Geschmack bleibt dabei auf der Strecke. Ich schlage daher auch Kompromissbereitschaft bei euch vor, und wir verstehen dafür, dass ihr keine Poster von Bikinischönheiten in der Küche oder überhaupt irgendwo wollt.

Die eigene Unsicherheit

Um aber auf dem wichtigsten Punkt zu kommen, ein Umzug mit euch ist ein großer Schritt.

Es bedeutet, dass die Beziehung an einem neuen Punkt angelangt ist. Einem Punkt an dem es schwerer ist, die Beziehung zu beenden, als zuvor. Dafür muss man sich sehr sicher und von der Beziehung überzeugt sein. Das wiederum bedeutet man muss darüber bewusst nachdenken und kann es nicht einfach nebenbei weiterlaufen lassen. Man ist vorher noch nicht Tag und Nacht zusammen gewesen. Man kannte den anderen nicht in jeder Phase seine Lebens. Morgens nach dem Aufstehen und Abends nach einem harten Tag, fröhlich und traurig oder in noch anderen Stimmungen. Früher konnte man in seine eigen Wohnung zurückgehen und am nächsten Tag wiederkommen. Nun ist dieser Rückzugsort nicht mehr vorhanden. Jedes Problem muss gelöst werden und jede Stimmung muss akzeptiert werden. Genauso muss Mann darauf aufpassen, nicht zu fordernd, egoistisch oder ständig schlecht gelaunt zu sein.

Deswegen ist es einfacher nicht darüber nachzudenken, das Zusammenziehen nach hinten zu verschieben. Dies geschieht zum großen Teil aus Unsicherheit.

Letztendlich bin ich davon überzeugt, dass eine gemeinsame Wohnung etwas Schönes ist und den nächsten Schritt in einer Beziehung bedeutet. Es ist jedoch falsch dies zu fordern, da dadurch Druck entsteht, der alles komplizierter macht. Es heißt aber nicht, dass mit kleinen versteckten Hinweisen gearbeitet werden muss. Ein Gespräch ist durchaus angebracht, schließlich wollt ihr etwas und darüber darf man natürlich offen sprechen. Wenn der Gedanke einfach im im Raum steht, wird es zu gegeben Zeitpunkt auch geschehen. Um auf die Anfangsfrage zurückzukommen, dies ist der richtige Moment. Er ist perfekt, wenn er passiert.

Dein Schnurzelburzel