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Der UniKater: Frühlingsgefühle

Streifzüge durch Münchner Geschichten

Ein kleiner Kater streift seit einigen Wochen durch die Münchner Straßen. Besonders im Univiertel häufen sich die Sichtungen – anscheinend ist er sogar Justus schon vor den Porsche gelaufen. Wir kennen weder seinen Namen noch seinen Hintergrund, haben aber festgestellt, dass er die tollsten Geschichten aus dem Münchner Alltag erzählen kann. Beim Zuhören scheint es sogar oft, als wäre er im Herzen einer von uns. 

Miau, ihr Menschen!

Ich traue der Wärme noch nicht ganz. Seit Wochen geht es hin und her. Mal lässt die Sonne sich tagelang nicht blicken und ich muss mir ein warmes Plätzchen auf einem Fensterbrett in der Stabi suchen, mal ist es ein paar Tage so warm, dass mein Winterfell gar nicht schnell genug ausfallen kann. Aber jetzt ist er endlich da, der Frühling.

Sonnenbaden

Schon seit Stunden lasse ich mir auf dem Brunnen vor der Uni die Sonne auf den Pelz scheinen. Hin und wieder rolle ich mich auf meinen Rücken, damit auch mein Bauch genug Sonne abbekommt. Dafür ernte ich Lacher von den jungen Menschen, die mit Flaschen in der Hand auf der Wiese sitzen und glücklich in den Himmel blicken. Träge drehe ich den Kopf und meine Augen folgen den vorbeiströmenden Menschen, in der Hoffnung, vielleicht die eine oder andere Streicheleinheit abzubekommen. Plötzlich fällt mir auf, dass scheinbar alle auf dem Weg zur Amalienstraße sind. Meine Neugier ist geweckt. Ich stehe langsam auf und strecke mich einmal ausgiebig, bevor ich mit einem, wie ich finde, beeindruckenden Sprung vom Brunnen hüpfe.

Ein süße „Überraschung“

Während ich mich zwischen den blassen Beinen durchschlängle, die auch schon lange keine Sonne mehr gesehen haben, zieht mir ein süßer, klebriger Duft in die Nase, den ich schon sehr lange nicht mehr gerochen habe. Ich biege um die Ecke der Amalienstraße und bleibe verwundert stehen. Eine Studentin, die dicht hinter mir gegangen ist, muss über mich springen, was ich mit einem Fauchen quittiere. Fast wäre sie auf meinen eleganten Schwanz getreten. Aber zurück zu meiner Entdeckung. Eine lange Schlange hungrig aussehender Menschen hat sich vor einem Laden mit rosaroten Markisen gebildet. Der süße Geruch, den ich schon gerochen hatte, ist hier fast benebelnd stark. Gut, dass man sich als Kater überall ungestraft vordrängeln kann, denke ich mir, und schleiche an der Menschenschlange entlang. Sie ist fast so lang wie die halbe Amalienstraße und scheint kein Ende zu nehmen.

Endlich erreiche ich den Eingang des Ladens. Der starke Geruch benebelt meine Sinne und benommen setze ich mich erst einmal vor die Türe. Die Menschen, die nach dem langen Schlange stehen mit erleichterten Gesichtern endlich das Geschäft betreten, kommen kurze Zeit später freudestrahlend und mit rosafarbenen Bechern in den Händen wieder heraus. Jetzt packt mich meine Neugier und ich husche, versteckt in einer Gruppe Kindern, hinein. Als ich die hohe Glasscheibe der Theke sehe, verstehe ich endlich, was hier passiert. Der süße Geruch, der mir so bekannt vorkam, stammt von dutzenden großen Bottichen voll süßer Eiscreme. Nach jahrelanger Erfahrung, mit meinem Charme und niedlichem Gesicht kleinen Kindern ein Stück von ihrem Eis abzuluchsen, kenne ich schon ein paar Eissorten. Vielleicht habe ich auch diesmal Glück und jemand lässt eine Kugel fallen. Entschlossen springe ich die Stufen vor dem Eingang wieder hinunter und laufe einem herauskommenden Mann dabei so zwischen die Beine, dass er seinen rosaroten Becher fallen lässt, genau auf meinen Kopf.

Ein rettendes Bad im Eisbach

Mein Plan ist gewaltig schiefgelaufen – ich wollte zwar Eis, aber doch nicht so! Wütend schüttle ich den Großteil des Eises ab und mache mich auf den Weg zum Englischen Garten, aber nicht ohne den Übeltäter, der mittlerweile in schallendes Gelächter ausgebrochen ist, noch einmal böse anzufauchen. Ein kurzes Bad im Eisbach wird hoffentlich die Reste des klebrigen Eises entfernen. Während ich an der Ampel warte, so wie jede vernünftige Katze, um die Ludwigstraße zu überqueren, schlecke ich mir das Eis von den Pfoten. Dieses schmeckt komischerweise nicht nach Vanille oder Schokolade, sondern nach Thunfisch. Was für seltsame Eissorten dieser Laden doch verkauft, denke ich mir. Aber perfekt für Katzen.

Der Weg zum Englischen Garten kommt mir vor wie eine Völkerwanderung. Genervt laufe ich im Slalom zwischen den Beinen durch und erblicke nach einer gefühlten Ewigkeit endlich den Eisbach. Auf meiner Lieblingsbrücke angekommen, lande ich mit einem gezielten Sprung genau zwischen zwei Touristen auf dem Geländer, die gerade ein Foto von sich machen wollten. Erschrocken weichen sie zurück und mit einem frechen Miau springe ich in den Eisbach. Ich sehe noch wie die Menschen auf der Brücke erschrocken anfange zu rufen: „Da ist eine Katze im Wasser!“ und  „Katzen können doch nicht schwimmen, wir müssen sie retten!“ Pah, die wissen ja nicht, dass ich das Wasser liebe. Und eine echt Münchener Katze weiß den Eisbach eben zu schätzen! Ich lasse mich auf dem Rücken durch das Wasser treiben und spüre, wie es das klebrige Eis herauswäscht und mein Fell langsam sauber wird. Hier im kühlen Nass lässt es sich sehr gut aushalten und der Sommer kann kommen!

Euer UniKater