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Kaffeetrinker vs. Teetrinkerin

Liebe Teetrinkerin,

nach Wasser ist Tee wohl das langweiligste Getränk auf dem Planeten. Obwohl, Wasser kann sehr erfrischend sein. Tee ist dagegen eher eine lauwarme Infusion, die kaum Geschmack mit sich bringt. Wenn ich die abgespeckte Version von Apfelsaft haben möchte, trinke ich eine Schorle. Apfeltee ist dagegen doch eher eine Erinnerung von Apfel. Ich bin mir übrigens bewusst, dass es sich bei Tee um das gleiche Phänomen, wie bei Salat handelt. Es gibt die ursprüngliche Pflanze und den Name einer Zubereitung. Apfeltee hat mit der Teepflanze soviel zu tun, wie Eisbergsalat mit Fleischsalat. Dennoch halte ich diese Art von Aufgüssen für unnötig. Sie beinhaltet keine Substanz und keinen Geschmack.

Nun zur tatsächlichen Teepflanze und dem dazugehörigen Getränk. Sie hat eine aufputschende Wirkung, durch das Koffein. Kaffee hat diese auch. Durch verschiedene Verarbeitungen, entstehen unterschiedliche Geschmäcker im Endprodukt. Bei Kaffee ist dies ebenso. Tee aus unterschiedlichen Regionen der Welt haben differenzierte Geschmacksprofile. Du kannst es dir vorstellen? Bei Kaffee ist das auch der Fall! Viele Menschen denken, dass Tee gesund wäre und Kaffee nicht. Dies wurde längst berichtigt. Nicht nur entwässert Kaffee nicht, sondern es enthält ebenfalls Antioxidantien.

Kaffee ist eine soziale Institution. Nicht umsonst trifft man sich mit Freunden auf einen Kaffee. Auf beim ersten Aufblitzen von Interesse bei einem möglichen Partner, ist das erste unverfänglich Date meist beim Kaffee trinken. Und noch niemand hat nach einer romantischen Verabredung, jemanden auf einen Tee zu sich in die Wohnung eingeladen. In Wien gibt es die traditionellen Kaffeehäuser, in denen sich Künstler und Intellektuelle getroffen und ausgetauscht haben. In Italien gibt es den schnellen Esspresso an der Theke bei dem man kurz mit anderen plaudern kann und den Cappucino für eine längere Unterhaltung. Selbst in Deutschland trifft man sich zu Kaffee und Kuchen, nicht zum Tee. Ich muss aber zugeben, das die Vorstellung von dem Filterkaffee von Großmutter und ihren Schwatztanten bei mir keine schönen Erinnerungen hervorruft. Jedoch sind die modernen Varianten von diesem seichten Getränk längst verbessert. Menschen interessieren sich für Kaffee. Herkunft, Sorte und Röstung sind transparent und Kaffeetrinker finden ihren eigenen Geschmack, ähnlich wie bei Wein. Dies ist möglich durch viele unabhängige Kaffeeröstereien und kleinen Cafés. Die Monopolstellung von bekannten Kaffeevertreibern und Marken ist aufgelockert. Entweder kann man Markenkaffee im Supermarkt kaufen oder regional verarbeiteten. Auch die technischen Möglichkeiten sind weitläufig. Von der ursprünglichen Methode, wie Mokka, bei dem Kaffee einfach mit Wasser gemischt wird bis zur hochtechnisierten Hochdruckmaschinen für feinsten Espresso. Bei der Teezubereitung gibt es dagegen nur eine Methode ihn zuzubereiten.

Nun ist mir bewusst, dass es ein Land gibt indem Tee zur nationalen Identität gehört: Großbritannien. Das Klischee eines Engländer im Anzug mit schwarzer Melone, Regenschirm und beim Tee trinken um fünf Uhr kennt jeder. Doch entstand dieses Bild durch eine schwarze Epoche menschlicher Geschichte, nämlich der Kolonialisierung. Nachdem die Briten den Chinesen die Rezeptur und Saat, sowie die Geheimnisse der Produktion gestohlen hatten, wurde Indien aufgrund seiner klimatischen Bedingungen zum Produktionsgebiet für Tee unter kolonialer Herrschaft. Der Reichtum der britischen Handelsgesellschaften fußt auf der Unterdrückung der Kolonien und gehandelt wurde neben Gewürzen auch mit Tee. Auch wenn dies heutzutage nicht mehr der Fall ist, hat jede Tasse Tee einen bitteren Beigeschmack.

Lass dir das mal schmecken,

Cheers

Dein Kaffeertinker

… und die Antwort:

Lieber Kaffeetrinker,

kann ich dir schon antworten oder brauchst du erst deine allmorgendliche Dosis Koffein? Nun zuerst einmal ist Tee keinesfalls langweilig, nur weil deine, vom Kaffee betäubten Geschmacksnerven, nichts mehr wahrnehmen können. Oder vielleicht weißt du einfach nicht wie man ihn richtig zubereitet, wenn er dir so geschmacklos erscheint? Die richtige Tee-Zubereitung ist schließlich eine Kunst, die du anscheinend nicht beherrschst und es ist klar, dass der Tee, wenn du den Beutel nur einmal kurz ins Wasser tauchst, nach nicht viel schmeckt. Eigentlich solltest du das doch wissen oder bereitest du deinen Kaffee auch immer so herzlos zu? Oh ich vergaß, natürlich, denn wenn du zulange auf dein geliebtes Koffein warten musst, fangen deine Hände schon an zu zittern. Womit wir zu deiner, ach so lächerlichen, Ausführung über die Teepflanze kommen: Ja, sie enthält auch Koffein, aber eine Tasse Schwarz-Tee hat deutlich weniger Koffein als dein geliebter Kaffee. Das führt dazu, dass wir Teetrinker nicht immer so hektisch und aufgedreht sind, wie ihr Kaffee-Süchtigen. Dass sowohl Tee als auch Kaffee mehrere Geschmacksrichtungen haben ist richtig, aber wirklich vergleichen kannst du das nicht. Die Vielfalt an Tee ist um weiten größer und vor allem unterschiedlicher. Kaffee schmeckt nur minimal unterschiedlich, aber bei Tee kann von Aprikose bis Zimt alles dabei sein. Du siehst also, es gibt schon einen gravierenden Unterschied.

Ob Kaffee wirklich gesund ist, ist umstritten und deshalb ist dein Argument wirkungslos. Jedes Jahr kommen neue Studien heraus, die die Alten wiederlegen. Wie also soll man sich da als Kaffeetrinker sicher sein, ob man nicht doch seiner Gesundheit schadet? Das wäre mir ein zu gefährliches Leben. Tee hingegen galt schon von jeher als gesund und beruhigend, natürlich haben die unterschiedlichen Sorten auch unterschiedliche Wirkung, aber das erklärt sich ja von selbst.

Nun zu deinem nächsten Argument: Kaffee trinken mag schon ein Verabredungsgrund sein, aber mittlerweile ist es nur noch eine Floskel. Ich kenne genug Menschen, die sich zum Kaffee trinken verabreden, aber am Ende etwas völlig anderes trinken. Ich will hier nicht behaupten, dass es Tee ist, obwohl dies manchmal auch der Fall sein kann, aber Kaffee ist es nun mal auch nicht immer. Ja, das Klischee jemanden nach einem Date auf eine Tasse Kaffee in seine Wohnung einzuladen, mag ja existieren, aber wie oft wird da dann tatsächlich Kaffee getrunken? So gut wie nie. Siehst du, wieder nur eine leere Floskel, die einem ganz anderen Zweck dient.

Übrigens interessieren sich die Menschen genauso sehr für die Zubereitung und verschiedenen Sorten von Tee, wie für die von Kaffee. Und wie bereits oben erwähnt gibt es ganz bestimmt nicht nur eine Methode Tee zuzubereiten, dann würden nämlich die verschiedenen Zubereitungsmöglichkeiten der verschiedenen Länder, zum Beispiel China, die den Tee ganz anders Trinken als wir Europäer, nicht existieren. Es gibt sogar Teemaschinen, die ähnlich wie Kaffeemaschinen funktionieren. Wusstest du das? Die richtige Zubereitung bei Tee ist nämlich äußerst wichtig, lässt man Grün-Tee beispielsweise zu lange ziehen, wird er zu bitter, genauso wie Kaffee ungenießbar sein kann, wenn man ihn falsch zubereitet. Du siehst also Kaffee hat mit Tee noch viel mehr gemeinsam, als du denkst.

Und nun zu deinem Kolonialisierungskram. Die Arbeiter (oder Sklaven) hatten es auf den Kaffeeplantagen auch nicht wirklich gut und noch heute werden diese oft sehr schlecht bezahlt und ausgebeutet, also warte bevor du den ersten Stein wirfst, denn die ganzen großen Kaffeehersteller sind auch nicht gerade unschuldig. Ganz im Gegenteil. Ich will damit nicht sagen, dass auf den ganzen Teeplantagen alles gut läuft und alle glücklich sind. Das ist wohl ein negativer Punkt, der beide Getränkesorten betrifft.

Also gönn dir noch eine Tasse von deinem widerlichen braunen Getränk, denn um das hier zu verkraften brauchst du vermutlich einen zusätzlichen Koffeinschub,

Wohl bekommt’s,

Deine Teetrinkerin

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