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Widerstand ist

Eine Tagung der Medienkulturwissenschaften

Wir kennen doch alle diese Blockseminare, die Samstage und Sonntage fressen, an denen ein Referat nach dem anderen gehalten wird, während denen man sich fragt, warum, warum habe ich diesen Mist belegt, ich könnte jetzt auch im Bett sein und das Wochenende verschlafen. Einer nach dem anderen trägt sein Thema vor, die ersten sind noch enthusiastisch, da sie es gleich hinter sich haben und sich dann mit der Entschuldigung, „ich konnte meine Schicht nicht tauschen“ aus dem Staub machen können, während die letzten, die um 5 oder 6 Uhr abends erst drankommen, ihr Dasein in den hinteren Bänken fristen und nur auf eins warten: Dass die Uhr schneller tickt und sie von ihrem Leiden erlöst werden.

Zum Glück kann man Leistungspunkte auch anders erlangen. Man kann an zwei Abenden die Öffentlichkeit in das Köşk an der Schwantalerhöhe einladen, leckere belegte Semmeln und Getränke bereit stellen und bei gemütlicher Atmosphäre interessante Vorträge halten, die zum Nachdenken und Diskutieren anregen. Die Studierenden des Masters Medienkulturwissenschaften haben sich für diese zweite Variante entschieden und luden am 10. und 11. Januar zu einer Fachtagung zur Multiperspektivität von Widerstand ein.

Am ersten Abend der Tagung hatten sich die Stuhlreihen schnell gefüllt. © Sonja Plagmann / Widerstand ist

Unter dem Motto „Widerstand ist“ stellten die Sprecherinnen und Sprecher die Ergebnisse ihrer Forschungen und Analysen vor. So untersuchte zum Beispiel Daniela Wurm die Rolle der Privatsphäre in der digitalen Öffentlichkeit anhand des Romans The Circle von Dave Eggers und stellte die Frage, ob Widerstand gegen eine allgemein akzeptierte Doktrin wirklich zwecklos ist. Franzi Wieczorek zeigte anhand der Schmähkritik Jan Böhmermanns gegen den türkischen Präsidenten Erdogan wie Satire im Spannungsfeld zwischen dem Leisten von Widerstand und dem Widerstand von sozialen Konventionen steht. Alicia Fricke stellte in ihrem Vortrag den Widerstand gegen Feministinnen in der Gamer-Community dar und zeigte auf, wie diesem Sexismus wiederum Widerstand geleistet wird. Andrea Schmitt argumentierte durch eine Analyse der US-amerikanischen Serie Stranger Things, dass Widerstand auch bedeuten kann, sich einer Einordnung in bestimmte Rollenbilder zu widersetzen.

Diese und viele weitere Vorträge gaben einen sehr interessanten und vielschichten Einblick in das Thema Widerstand und betonten die zeitgemäßen, aber auch die historischen Züge, die dem Konzept unterliegen. Alles in allem kann man die Tagung nur als äußerst gelungen bezeichnen und hoffen, dass solche Veranstaltungen in Zukunft vermehrt ins Leben gerufen werden.

Stephanie Berens