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Der UniKater: Der (Un)Sinn von Laptops in der Uni

Streifzüge durch Münchner Geschichten

Ein kleiner Kater streift seit einigen Wochen durch die Münchner Straßen. Besonders im Univiertel häufen sich die Sichtungen – anscheinend ist er sogar Justus schon vor den Porsche gelaufen. Wir kennen weder seinen Namen noch seinen Hintergrund, haben aber festgestellt, dass er die tollsten Geschichten aus dem Münchner Alltag erzählen kann. Beim Zuhören scheint es sogar oft, als wäre er im Herzen einer von uns.

Miau, ihr Menschen!

Ich streife durch die Gänge der Uni, streife zwischen Beinen hindurch, langen und kurzen, Beinen in kratzigen Jeans und Beinen in weichen Leggings, weiche einigen schweren Stiefeln, einigen spitzen Hacken aus – meine Güte ist das voll hier! Als würden die Studenten in viel größerer Zahl kommen, jetzt wo die Klausuren näher rücken… Das wird mir zu viel, da wird ja der Hund in der Pfanne verrückt! Ich verstecke mich lieber in einem der Hörsäle.

Sitzreihen voller Äpfel

Puh Glück gehabt, keine Studenten da. Nur leere Reihen mit darauf stehenden Rechtecken, viele mit kleinen Apfel-Skizzen. Ich schlüpfe zwischen den Beinen des Dozenten hindurch, er wirkt davon irritiert – ach nein, er versucht nur den Beamer dazu zu bekommen seine Präsentation anzuzeigen. Mensch, selbst ich habe mittlerweile verstanden, dass nicht HDMI sondern VGA grün leuchten sollte, aber wer hört schon auf den Rat eines Katers. Er ist wirklich sehr verwirrt und sucht mit verzweifeltem Blick nach Hilfe in dem leeren Hörsaal: „Kennt sich jemand vielleicht mit der Technik hier aus?“ Oje, der ist ja wirklich durch den Wind. Plötzlich erschrecke ich mich fast zu Tode! Springe sicherheitshalber erstmal fauchend mit einem Buckel zwei Meter zur Seite. Eines der Rechtecke spricht! Und plötzlich hat es auch einen Kopf! Oh nein, doch nicht. Das ist nur ein Student, der wohl dahinter gesessen hatte.

Multitasking-Vorlesung

Nun ist mein Interesse geweckt und während der Student dem Dozenten hilft, die Technik zu bezwingen, streiche ich an den Sitzreihen vorbei und tatsächlich – hinter jedem versteckt sich ein Student. Nun fängt die Vorlesung an, ich setze mich in die hinterste Reihe und bin gespannt, welche Rolle die Rechtecke in dieser Vorlesung einnehmen werden. Es wird ja einen Grund geben ein solches Ding mitzuschleppen und sich damit die Sicht zu verstellen. Nach einigen Minuten ist es mir klar: das muss eine Vorlesung zum Thema „Praktisches Multitasking“ sein! Denn während der Dozent vorne über Literatur spricht, sehen sich die Studenten Videos anderer Fachbereiche an (ich wusste, ich hatte die Katzenkunde-Studenten nur bisher nicht entdeckt!), erledigten wichtige Einkäufe und kommunizierten mit anderen (sicher über die stattfindende Vorlesung). Der Dozent vorne fragt etwas. Keiner reagiert. Er fragt einen der Studenten, der läuft rot an und schließt hastig alle Fenster auf seinem Rechteck. Seltsam.

300 Ersatz-Laptops

Der Dozent wendet sich wieder seiner Vorlesung zu, doch plötzlich wird der Beamer dunkel und er lacht leicht verzweifelt auf: „Ohje, mein Laptop macht ein Update und das dauert bei Windows immer ein bisschen also… äh… werden wir jetzt wohl ohne Präsentation weiter machen. Das tut mir leid, ich dachte ich hätte das ausgestellt… Naja dann müssen Sie eben jetzt besonders gut aufpassen, die Folien sind ja online.“ Ah! Dafür nimmt man die Rechtecke also mit! Um notfalls die Folien darauf verfolgen zu können! Ich blicke mich um. Keiner hat die Folien geöffnet, kaum einer…Oh! Da läuft ein weiteres Katzenvideo! Wo war ich? Achja, keiner der Student scheint den Dozenten gehört zu haben. Oder doch? Eine der 300 Hände hebt sich vorsichtig: „Ähm, wollen Sie vielleicht meinen Laptop nehmen?“ Der Dozent lächelt und bedankt sich für diese gute Idee und fordert alle auf dem hilfsbereiten Kommilitonen doch einen Applaus zu spenden. Nun wachen auch die anderen auf, die scheinbar eingeschlafen waren, während sie in das Rechteck starrten. Jetzt machte das alles Sinn. Ich machte mich wieder auf den Weg nach draußen (nach einer Stunde wird mir die Luft in diesen Räumen mit so vielen Menschen immer zu stickig). Zufrieden mit meiner heutigen Erkenntnis streiche ich durch die Uni: Ich hatte für einen Moment geglaubt, die Studenten würden diese Teile nur mitnehmen, um sich dann damit von der Vorlesung abzulenken und das wäre – selbst für euch Menschen – doch ganz schön blöde!

Ich freue mich, auf unsere nächste Begegnung!

Euer UniKater