Wir schreiben München – schreibt mit!

Der UniKater – Streifzüge durch Münchner Geschichten

Der große blaue Kasten mit den gelben Buchstaben

Ein kleiner Kater streift seit einigen Wochen durch die Münchner Straßen. Besonders im Univiertel häufen sich die Sichtungen – anscheinend ist er sogar Justus schon vor den Porsche gelaufen. Wir kennen weder seinen Namen noch seinen Hintergrund, haben aber festgestellt, dass er die tollsten Geschichten aus dem Münchner Alltag erzählen kann. Beim Zuhören scheint es sogar oft, als wäre er im Herzen einer von uns.

Miau, ihr Menschen!

Am Wochenende hab ich mich ordentlich verirrt. Es begann eigentlich alles ganz harmlos: Es war Samstag und mir war langweilig. Auf der Suche nach Abenteuer streifte ich durch die Innenstadt und hoffte, etwas Spannendes zu finden – oder doch zumindest etwas Essbares. Doch München an einem Samstag ist furchtbar hektisch und nachdem mich in der Kaufingerstraße fünf Leute angerempelt hatten und zwei davon gefährlich nah an meinem Schwanz vorbei gestampft waren, lief ich schließlich zur S-Bahn und sprang durch die offenen Türen des nächsten Zuges in Richtung stadtauswärts. Ein bisschen Landluft schnuppern würde mir bestimmt gut tun, dachte ich, und rollte mich unter einem Sitz neben der warmen Heizung zusammen.

Ich muss wohl eingenickt sein, denn als ich mich wieder erhob, auf eine Rückenlehne sprang und aus dem Fenster blickte, sah ich nur verschneite Landschaft soweit das Katzenauge reichte. Ich hatte keine Ahnung wo ich war, also stieg ich sicherheitshalber an der nächsten Station aus und wollte den Rückweg antreten. Da weit und breit keine Mitfahrgelegenheit in Sicht war, beschloss ich, einfach nach Hause zu laufen, egal wie lange es dauern würde. Wir Katzen finden schließlich immer nach Hause, das ist uns angeboren.

Findet der UniKater wieder seinen Weg nach Hause? © Sophie Obwexer

Nach einer halben Stunde war ich mir sicher, dass ich einen gravierenden Gendefekt haben muss, denn ich hatte immer noch keinen blassen Schimmer wo ich war. Immerhin war ich mittlerweile an einer belebten Straße angekommen. Auf der anderen Seite stand ein sehr großer, blauer Kasten. Eine Schlange von Autos reihte sich vor der Einfahrt. Auf dem Kasten waren vier große gelbe Buchstaben zu sehen. Was mich jedoch am meisten interessierte, waren die riesigen Werbetafeln auf dem Parkplatz, die flauschige Kissen auf einem sehr stylischen Sofa in einer noch viel trendigeren Umgebung versprachen. Die Möbel waren mir herzlich egal, aber die kuschelig aussehenden Kissen hatten es mir angetan. Und da ich sowieso von meiner langen Reise erschöpft war, beschloss ich, den Rest meiner Abenteuerlust zusammen zu kratzen und mir in dem blauen Kasten einen Schlafplatz zu suchen.

Ich stakste über den Parkplatz, passierte eine automatische Glastür, schlängelte mich zwischen den Beinen unzähliger Leute hindurch und fand schließlich eine Rolltreppe. Oben angekommen traute ich meinen großen, grünen Augen nicht: Überall Sofas und Kissen und flauschige Decken, unglaublich viele Schubladen, die das perfekte Katzenversteck wären und raue Teppiche, an denen man die Klauen wetzen oder den Rücken schubbern könnte. Ich war im Katzenhimmel. Meine Irrfahrt hatte sich so was von gelohnt!

Allerdings stellte ich schnell fest, dass ich den herrlichen Anblick mit mehr Zweibeinern teilte als mir eigentlich lieb war. Überdurchschnittlich viele davon hatten sehr kurze Extremitäten und rannten schreiend durch die Gegend oder saßen kreischend in einem Gefährt mit Rädern, das die größeren Zweibeiner vor sich her schoben. Zweibeiner, die sich ständig an den Händen festhielten – wohl damit sie nicht plötzlich wegfliegen – blieben manchmal unvermittelt mitten im Weg stehen und fingen mit Mund-zu-Mund-Beatmung an, während der Rest die schreienden Wägelchen an ihnen vorbei manövrierte. Höchst seltsame Gegebenheiten. Ich beschloss, das alles zu ignorieren und suchte mir eine dunkle, ruhige Ecke in einem der vielen Wohnzimmer. Auf einem riesigen Kissen rollte ich mich zusammen, schloss zufrieden die Augen und schlief endlich ein. Wie ich nach Hause kommen würde, darum würde ich mich später kümmern.

Bis bald! Euer UniKater

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.