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Der UniKater – Streifzüge durch Münchner Geschichten

Kalter Kaffee

Ein kleiner Kater streift seit einigen Wochen durch die Münchner Straßen. Besonders im Univiertel häufen sich die Sichtungen – anscheinend ist er sogar Justus schon vor den Porsche gelaufen. Wir kennen weder seinen Namen noch seinen Hintergrund, haben aber festgestellt, dass er die tollsten Geschichten aus dem Münchner Alltag erzählen kann. Beim Zuhören scheint es sogar oft, als wäre er im Herzen einer von uns.

Miau, ihr Menschen!

Eine Kaffeefahne schlängelt sich sanft aus dem Becher empor und erfüllt das ganze Abteil mit seinem erdigen Duft, während die Bahn gemütlich über die Schienen ruckelt. Bis zur nächsten Haltestation sind es noch einige Augenblicke. Ich verkneife es mir, an dem dunklen Gebräu zu nippen – noch zu heiß. Immer wieder holpern die Achsen und dann schleudert es die Pendler wie Lottokugeln. Ich schiele zu den anderen hinüber, von denen einige langsam und mit großen, blutunterlaufenen Augen zurückstarren. Sie werden sich fragen, warum eine Katze Bahn fährt, denke ich mir. Oder warum sie Kaffee trinken sollte. Ich weiß es auch nicht; vielleicht, weil Katzen Kaffee einfach mögen; oder, weil ich müde bin und in meiner Vorlesung nicht eindösen will. Der Rest dagegen schaut ins Leere und versucht, ein Gähnen zu unterdrücken. So holpern wir schließlich dahin, eine wild zusammengewürfelte Schicksalsgemeinschaft mit ungewissem Ziel, in einem von Kaffeeduft erfüllten Vehikel.

Dann, mit einem finalen Ruckeln, halten wir. Wie auf ein geheimes Signal hin kehrt das Leben in die geisterhaften Gesichter zurück. In Erwartung, dass sich die Fahrzeugtüren öffnen, springe ich also von meinem Sitz, den Kaffeebecher zwischen den pelzigen Pfoten balancierend. Um mich herum scharren die ersten schon mit den Füßen; ich bugsiere meinen Schatz behend durch die Menge. Die Türen ächzen, als sie sich öffnen, und die Masse bewegt sich darauf zu. Sie drängt unaufhaltsam nach vorn, als würde sie von einer unsichtbaren Strömung dorthin getrieben.

Dann passiert es, aus dem Meer stampfender, malmender Füße schert einer aus, stört die scheinbare Symmetrie, tritt mich, und der Becher fliegt, ich sehe es nur halb, aus dem Augenwinkel, ich sehe ihn davonfliegen, Kaffee spritzt heraus, klatscht auf Plastikboden und Schuhe. Ich kann es nicht verhindern, ich stehe dabei, dabei, als ein Zuschauer, und kann es nicht ändern. Auf dem Boden bildet er kleine Pfützen. Während die Füße darin herumstampfen, formt er sich zu einem kärglichen Rinnsal und beginnt, auf die Türschwelle zuzufließen. Allmählich verschwindet auch das Kaffeearoma aus dem Abteil. Fast unbemerkt ist es leer geworden. Ich starre die Kaffeepfütze an, murmle ein stilles „Verdammt“ und hüpfe auf weichen Pfoten über die Schwelle, der Uni entgegen. Es ist zu spät, und ich habe es eilig.

Bis bald! Euer UniKater

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