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Sicherheitslage der Wiesn 2017

Sichere Wiesn – wie sieht das im Jahr 2017 aus?

Um euch die besten Informationen rund um die 184. Wiesn zu bieten, haben wir einige Interviews mit den Profis höchstpersönlich geführt. Frau Dr. Gabriele Papke von der Wiesn-Pressestelle, Herr Marcus da Gloria Martins von der Münchner Polizei und Herr Reik Schaab vom Deutschen Wetterdienst verraten euch alles Wissenswerte zu den Besonderheiten der diesjährigen Wiesn, zur Sicherheitslage und natürlich der Wetterprognose. Einige Verhaltens- und Geheimtipps haben sie auch parat! Heute: Herr da Gloria Martins im Interview mit UNIKAT.

Herr Martins, Sie arbeiten im Polizeipräsidium München, das im Vorfeld und während des Oktoberfests jedes Jahr großen Aufwand betreibt, damit die Wiesn sicher und geordnet vonstatten geht. Nach zahlreichen Terroranschlägen überall in Europa ist die Angst vor einem möglichen Anschlag auf der Wiesn natürlich da. Wie beurteilen Sie die Sicherheitslage auf dem Oktoberfest dieses Jahr?

Die Sicherheitslage auf dem Oktoberfest, im Wiesnumfeld, wie auch im restlichen Stadtgebiet wird seit geraumer Zeit unter Betrachtung zahlreicher Faktoren täglich (!) bewertet. Die uns umgebenden geopolitischen Klima, wie die erhöhte abstrakte Gefährdungslage durch Terrorismus dürfen dabei sicherlich als bekannt unterstellt werden. Ereignisse wie Ansbach, aber auch am Berliner Breitscheidplatz zeigen, dass solche Aktionen auch in Deutschland jederzeit stattfinden können. Umso mehr haben wir uns nicht nur auf unsere umfangreiche Erfahrung mit dem Oktoberfest verlassen, sondern in engen Austausch mit anderen Sicherheitsbehörden unsere Konzepte auf den aktuellsten Stand gebracht. Die Vorbereitungen zum Oktoberfest beginnen in der Regel ab Januar und erreichen schon ab etwa Juni ihren Höhepunkt, der sich dann bis zum Beginn der Wiesn erstreckt.

Welche Maßnahmen werden vonseiten der Polizei getroffen, um Anschläge zu verhindern?

Die Maßnahmen der Münchner Polizei spielen sich auf verschiedenen Ebenen ab und sind zum einen nach außen hin sichtbar, aber zum anderen auch hinter den Kulissen wirksam. Neben dem Einsatz von deutlich verbesserter Videotechnik, dem Gebrauch von zivil agierenden Beamten auf der Festwiese und im Umfeld, der Überprüfung uns bekannter möglicher Gefährder, bis hin zur Nutzung technischer Sperren, wie der bekannten Polleranlage, aber auch punktueller baulicher Veränderungen in Anfahrtszonen zum Festgelände. Hinzu tritt der Umstand, dass unser Personal in den zurückliegenden Jahren sehr viel Erfahrung mit der Wahrnehmung von verdächtigen Personen und deren schnellen Kontrolle gesammelt hat.

Wurde dafür mehr Personal angefordert als in den vergangenen Jahren?

Aktuell kommen wir mit dem im letzten Jahr erhöhten Personalstand von rund 600 Beamten für das Oktoberfest aus. Wir sind aber in der Lage, jederzeit neuen Erkenntnissen gerecht zu werden und diese Zahl anzupassen.

Gibt es Dinge, die die Besucher selbst tun können, um Ihre Arbeit zu erleichtern und die Wiesn sicherer zu machen?

Das wichtigste vorab: sich keine Angst machen lassen. Das Oktoberfest ist nicht mehr und nicht weniger gefährdet wie jede andere größere Veranstaltung in Deutschland auch. Darüber hinaus sollten sich die Besucher wirklich an das Rucksack- und Taschenverbot halten und nach Möglichkeit bei der Anreise andere Stationen als die bekannten U-Bahnstationen Theresienwiese oder die S-Bahnstation Hackerbrücke nutzen. Außerdem sollte man bei unangenehmen Situationen, wie z.B. alkoholisierten und aggressiven Tischnachbarn rechtzeitig den Sicherheitsdienst informieren und bei verdächtigen Wahrnehmungen immer (wirklich immer!) die 110 wählen.

Letztes Jahr gab es ja bereits ein Verbot für Rucksäcke und Ähnliches. Die Mitnahme welcher Gegenstände ist dieses Jahr untersagt?

Das Rucksack- und Taschenverbot hat sich bewährt und wird dieses Jahr fortgesetzt. Es muss sicherlich vor allem bei externen Gästen noch etwas mehr ins Bewusstsein rücken, aber es gilt: Mit derartigem Beiwerk kommt man nicht auf das Festgelände. Als Hilfsmerkmal für eine kleine Tasche gilt: Die Tasche darf nicht größer als ein DIN-A4 Blatt sein.

Auch wenn natürlich niemand davon ausgehen sollte, dass etwas passiert: Wie sollten die Menschen sich im Falle eines Anschlags verhalten? Beispielsweise wenn ein Wagen in die Menge fährt oder ein Sprengsatz explodiert?

Ein Szenario, das keiner von uns erhofft und auf das wir uns aber leider – wie auch auf vieles andere – vorbereitet haben. Hier zu sagen „Ruhe bewahren“ ist sicherlich in so einer Situation eher ein frommer Wunsch. Deshalb, ganz praktisch, gilt: Sich vorher Gedanken machen, wo die Ausgänge sind. Rennende Menschenmassen, dichtes Gedränge vermeiden. Mit Begleitpersonen einen markanten Treffpunkt außerhalb des Festgeländes ausmachen. Keine Bilder oder Gerüchte über soziale Netzwerke teilen. Lieber das Mobiltelefon dazu nutzen, Angehörige und Begleitpersonen über das eigene Wohlbefinden zu informieren.

Auf einem vollen Festgelände ist auch eine Massenpanik eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Was sollten Besucher bei einer solchen tun und was tut die Polizei im Falle einer Massenpanik?

Das Thema Besucherstromlenkung ist ein wichtiger Baustein des diesjährigen Sicherheitskonzeptes der LH München. Als wichtiger Baustein wurde hier zum Beispiel die leistungsstarke Beschallungsanlage für alle Zelte, Wege und Fahrgeschäfte erstmalig in Dienst gestellt. Zu den Verhaltenstipps verweise ich auf die Vorfrage.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben und auf eine friedliche Wiesn 2017!

Hier geht es zum Interview mit Frau Gabriele Papke von der Wiesn-Pressestelle der Stadt München.

 Tonja Dingerdissen

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  1. Zu Besuch beim Wetterfrosch | unikat - […] Hier geht es zum Interview über die Sicherheitslage der Wiesn 2017 mit der Münchner Polizei und hier zum Interview mit…

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