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Er fragt – Sie fragt

Er fragt Sie – Intelligenz

Unsere beiden Autoren eint ein Wunsch: Das andere Geschlecht zu verstehen. “Schnurzelburzel” und “Honigmäulchen” stellen sich in dieser unikaten Serie regelmäßig Fragen, deren Antworten die Gemütslagen, Vorstellungen und Gedankengänge des anderen Geschlechts erhellen sollen. Diese Woche:

Wie wichtig ist es dir, dass deine Partnerin intelligent ist?

Liebes Honigmäulchen,
einmal mehr hab ich eine kurze und eine längere Antwort auf deine Frage. Die Kurze: Prinzipiell ist es mir sehr wichtig, dass meine Partnerin intelligent ist. Bevor du jetzt aber versuchst, Pi auf 1024 Stellen nach dem Komma auswendig zu lernen oder einen Kurs in Raketenwissenschaft an der VHS buchst, solltest du vielleicht doch lieber noch die Langfassung meiner Antwort studieren. Um deiner Frage adäquat beizukommen, möchte ich dir nämlich zunächst eine Gegenfrage stellen: Was soll Intelligenz denn eigentlich sein?

Gibt es für den Nummerus coitus auch Wartesemester?

Besser gesagt, woran sollte man denn die Intelligenz der potenziellen Partnerin festmachen? Sollten wir zum Beispiel vor dem ersten Date eine Art Test durchführen, um zu ermitteln wie viele Sprossen meiner Intelligenzskala du erklimmen kannst? Oder soll ich einen Beziehungs-„NC“ (Nummerus coitus) festlegen, welcher der Holden direkt zu verstehen gibt, dass bei mir über Kant statt Klum diskutiert wird?

Klar kann man recht schnell feststellen, ob eine Person über gewisse Themen informiert ist oder bestimmte Sachverhalte und Zusammenhänge versteht. Aber nur weil jemand zum Beispiel keine Ahnung von politischen Themen, Literatur oder was auch immer hat, heißt das ja nicht, dass derjenige nicht in anderen Gebieten versiert ist. Auch denken wir nicht alle gleich. Während der eine Dinge in Windeseile auswendig lernen kann, versteht es der andere vielleicht besser, eine Frage oder ein Problem in einen größeren Kontext zu verordnen und aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten.

Und auch ich kenne Personen, die ich für weniger intelligent, manchmal sogar schon nahezu für grenzdebil halte. Aber auf der anderen Seite ist mir auch durchaus bewusst, dass mein Verstand manchmal dieselbe Leistung erbringt wie ein Pantoffeltierchen, das eine Hochzeitskutsche ziehen soll. Ich bin also weiß Gott auch nicht das Maß der Dinge.

Intelligenz ist nichts zum Anfassen

Wir sind also immer noch beim Ausgangsproblem. Wie soll man festlegen, ob jemand wirklich und wahrhaftig intelligent ist? An Bildungsabschlüssen? Möglich. Ich kenne allerdings auch genug Menschen mit einem Uniabschluss bei denen ich überrascht bin, dass sie sich beim Schnürsenkel binden kein Schleudertrauma holen, weil ihr mäßig entwickeltes Hirn in ihrem Kopf gleich einer Murmel in einem Gurkenglas umherfliegt.

Intelligenz wird im Alltag zu oft an festen Indikatoren, wie zum Beispiel der Anzahl der Bücher, die eine Person gelesen hat, festgemacht. Der amerikanische Regisseur John Waters ging deshalb sogar so weit zu sagen: „If you go home with somebody, and they don’t have books, don’t fuck ‚em!“ Was man allerdings machen soll, wenn bei der  Eroberung eine Ausgabe von Mein Kampf oder dem Hexenhammer im Regal steht, hat Waters nicht erwähnt.

Versteh mich nicht falsch. Ich stelle nicht in Abrede, dass es intelligentere und weniger intelligente Menschen gibt. Aber es stört mich, dass diese Trennung immer nur als entweder/oder Zustand dargestellt wird. Entweder ist man eben schlau, oder man ist ein Idiot – und es gibt nie einen Zweifel daran, dass das Gegenüber eine dieser beiden Rollen zur Gänze ausfüllt. So wie ich das sehe sind die Menschen eher ein bisschen von beidem und es ist wichtig, selbstkritisch genug zu sein, um das einzusehen.

Wenn ich also sage, mir ist es wichtig, dass meine Partnerin intelligent ist, heißt das nicht, dass sie alles über Gott und die Welt wissen und/oder verstehen muss.  Sondern viel mehr, dass sie bereit sein muss, über ihre Wissens- oder Verständnisslücken nachzudenken, darüber zu diskutieren und Neues zu lernen.

Dein Schnurzelburzel

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