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Der UniKater – Streifzüge durch Münchner Geschichten

Mission: Sahneschnitte 

Ein kleiner Kater streift seit einigen Wochen durch die Münchner Straßen. Besonders im Univiertel häufen sich die Sichtungen – anscheinend ist er sogar Justus schon vor den Porsche gelaufen. Wir kennen weder seinen Namen noch seinen Hintergrund, haben aber festgestellt, dass er die tollsten Geschichten aus dem Münchner Alltag erzählen kann. Beim Zuhören scheint es sogar oft, als wäre er im Herzen einer von uns.

Miau, ihr Menschen!

An diesem späten Sommervormittag trifft die Sonne den Bürgersteig der Amalienstraße mit voller Wucht. Ich tapse vorsichtig über die Straße und verfluche den heißen Asphalt, der meine Pfoten fast verbrennt. Vorsichtig luge ich um die Ecke – da ist es, das Café mit der immer offen stehenden Tür und den verlockenden Kuchenstücken hinter der Theke. Sahneschnitten, Himbeerkuchen und Schokotorte soweit das Katzenauge reicht. Ich lecke mir erwartungsvoll über das Mäulchen. Bevor ich meinen Angriff auf diese Köstlichkeiten starte, beobachte ich mein Ziel ganz genau.

Ausladende, orangefarbene Jalousien spenden willkommenen Schatten vor der Hitze. Drei junge Frauen in luftigen Sommerkleidern sitzen an einem der hölzernen Tische und unterhalten sich angeregt. Die Röcke der Kleider flattern leicht im Wind – ich kann mich gerade noch beherrschen, um nicht zu ihnen zu flitzen und mit der Pfote nach diesem herrlich bunten Stoff zu haschen. Vor den dreien steht ein Tablett auf dem Tisch, auf dem sich leere Cappuccino-Tassen stapeln. Ob sich darin noch ein paar leckere Milchschaumreste für mich befinden? Ein glatzköpfiger Mann im gebügelten, weißen Hemd sitzt ebenfalls vor einer leeren, weißen Tasse und beobachtet aufmerksam die Passanten. Mich hat er noch nicht bemerkt.

Ich nehme gerade allen meinen Mut zusammen, um wie der Blitz in der Tür des Cafés zu verschwinden, als plötzlich ein riesiges, zotteliges Monster aus genau dieser Tür tritt. Ein Hund! Ein großer, hässlicher Hund mit weißblondem Fell und Lefzen, von denen Sabber nur so tropft! Verächtlich blicke ich ihn an. Er hat sich vor die jungen Frauen in die Sonne gesetzt und kratzt sich ausgiebig hinter dem linken Ohr. Die drei sehen sich nach ihm um und überschütten ihn mit Komplimenten. Wie hübsch und wie süß und wie niedlich er doch sei. Tss. Hübsch? Süß? Niedlich? Der da?! Die sollten mal eine anständige Katze wie mich sehen, dann würden sie ihre Meinung mal ganz schnell ändern.

Sympathie für Hunde kann der UniKater gar nicht verstehen. © Sophie Obwexer

Als eine Kellnerin aus dem Hinterhofeingang direkt neben dem Café tritt, begrüßt der Hund sie mit einem neugierigem Schnuppern. So ein Schleimer. Die Frau trägt einen Kasten mit Getränkeflaschen in das Café. Der Hund beschließt, ihr zu folgen. Warum darf eigentlich dieser Flohsack da rein und ich nicht? Ich werde wütend und beschließe, dass der Köter bestimmt ungefährlich ist. Doch gerade als ich die erste Pfote in Richtung Tür aufsetzen will, steht plötzlich der Mann mit dem weißen Hemd und der Glatze vor mir. „Sind Sie von der Süddeutschen, Sie schreiben so…“, fragt er. „Hä?“, maunze ich vorwurfsvoll.

Doch er meint gar nicht mich, sondern eine junge Frau mit kurzen braunen Haaren, die neben dem Café steht und eifrig in ein kleines Notizbuch kritzelt. „Nein, bin ich nicht“, sagt die Frau und der Mann gibt sich mit der schlichten Antwort zufrieden. Er setzt sich wieder an seinen Tisch, die Notizbuch-Frau hört auf zu schreiben und schlendert in die entgegengesetzte Richtung davon. Komische Leute, denke ich mir und erinnere mich wieder an meine Mission: Sahneschnitte kosten!

Doch da taucht schon wieder der zottelige Hundekopf in der Tür auf. Er sieht mich unfreundlich an und rümpft die große Nase. Ich ziehe mich lieber wieder hinter meine sichere Hausecke zurück, behalte meinen Widersacher jedoch genau im Auge. Der legt sich inzwischen genau in die Tür und macht Anstalten, ein Nickerchen zu halten. So ein Mist! Die drei jungen Damen in den Sommerkleidern stehen auf, sammeln ihre Handtaschen ein und gehen. Ich beschließe, dass ich die Kuchen und Torten nie so wirklich interessant fand und schleiche lieber der Frauengruppe hinterher. Vielleicht bekommen sie ja Mitleid und teilen später ihr Mittagessen mit mir.

Bis bald! Euer UniKater

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